Aachen - Servicehunde: Auf besondere Weise beste Freunde des Menschen

Servicehunde: Auf besondere Weise beste Freunde des Menschen

Von: Peter Schopp
Letzte Aktualisierung:
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Bilden Hunde für Menschen mit Handicap aus: Bärbel Schönberg und Erik Kersting mit Susa (schwarz) und Falk. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Sie hören auf die schönen Namen Falk und Susa und benehmen sich tierisch. Klar, es handelt sich ja um Hunde. Und dennoch sind sie anders als die meisten ihrer Artgenossen: Sie sind besonders ausgebildet, um behinderten Menschen das Leben zu erleichtern.

Wir blättern im Kalender ein Jahr zurück. Erik Kersting gründete im Mai 2014 den „Förderverein I-L-e-Servicehunde für Menschen mit Behinderung“. Die Abkürzungen stehen für Instinkt, Lebensgefühl und Erziehung. „Ich arbeite schon viele Jahre mit Hunden und habe im Laufe der Jahre viel von den Problemen behinderter Menschen mitbekommen“, schildert er seine Motivation für diesen Schritt. „Ich möchte durch diesen Verein und seine Ausrichtung helfen!“

Ein Jahr hat er benötigt, um die Grundlagen für seine Arbeit zu schaffen. Viele Behördengänge mussten absolviert und Auflagen erfüllt werden. „Jetzt sind wir aktiv“, blickt er optimistisch in die Zukunft. Ziel des Vereins: Die Finanzierung der Hunde sowie die Überwindung und Abwicklung behördlicher und politischer Hindernisse für die Klienten!

Hört sich zunächst sehr theoretisch an. Aber Kersting erfüllt seine Idee schnell mit Leben und schildert Gegebenheiten aus dem Alltag. „Ich werde den Eindruck nicht los, dass der Umgang mit Menschen mit Behinderung immer noch als zweitrangiges Problem angesehen wird.“ Man spreche zwar viel von Integration und Inklusion, aber wenn es darum gehe, den betroffenen Menschen einen relativ normalen Alltag zu ermöglichen, lägen noch viele Brocken im Weg. Die will er mit aus dem Weg räumen. Beispiel: Im deutschen Gesundheitswesen würden ausschließlich Blindenführhunde in Ausnahmefällen genehmigt. „Aber das ist ja nicht das Ende der Fahnenstange, da gibt es ja noch das komplette restliche Kaleidoskop an Behinderungen“, gerät Kersting in Fahrt. „Diese Menschen müssen zusehen, wie sie zurechtkommen.“

Jetzt kommt der Verein ins Spiel. Er übernimmt die Kosten für Trainer und Hunde während der Ausbildungszeit und stellt dem Klienten den fertigen Hund zur Verfügung.

Die Krankenkassen in Deutschland erlauben eine Schulungshöchstdauer der Hunde von sechs, in Ausnahmefällen von zehn Monaten. „In diesem Zeitraum kann ich dem Tier keine überdurchschnittliche Qualität vermitteln“, ist Kersting überzeugt. Auch hier sieht er so etwas wie ein System: „Wenn der Hund dem Klienten nicht wirklich helfen kann, hat die Krankenkasse ein Argument, derartige Hilfen in Zukunft abzulehnen.“ Also alles eine Geldfrage?

In den ersten beiden Jahren belaufen sich die Aufwendungen für einen solchen Servicehund auf rund 25.000 Euro, die der Verein durch Spenden, Mitgliederbeiträge, Fördermittel und Zuschüsse aufbringt. Damit sind Trainer, Futter, Arztbesuche und Ähnliches abgedeckt. „Natürlich ist das eine stolze Summe“, ist sich Kersting der Problematik bewusst. „Unsere Hunde durchlaufen eine zweijährige Ausbildung, wir möchten einfach die notwendige Qualität der Schulung sicherstellen. Das garantiert größtmöglichen Nutzen für den Klienten und möglichst geringen Stress für den Hund!“

Ihm ist das Miteinander von Tier und Mensch besonders wichtig. Der „Klient“ bekomme sowohl einen treuen Helfer als auch ein Familienmitglied. Wie zufällig fällt der Blick auf die beiden Musterhunde Falk und Susa unter dem Tisch. Völlig unberührt vom lebhaften Treiben um sie herum liegen Falk, ein neunjähriger Labrador und Susa, ein zwei Jahre alter Labradoodle unter der Bank. „Susa hat heute Morgen noch eine Prüfung abgelegt, sie ist etwas geschafft“, gönnt die Burtscheiderin Barbara Schönberg, 2. Vorsitzende, dem Tier die Ruhephase.

Der Verein bildet auch Hundetrainer aus. Geeignete Tiere erwirbt er quasi mit der Geburt. Die Hunde bleiben ihr ganzes Leben lang Eigentum des Vereins, arbeiten aber während der ganzen Zeit bei einem Klienten. Sie können Erstaunliches: beispielsweise Ohrringe an- und ausziehen, Ketten öffnen oder Gegenstände bringen. Die Tiere sind in der Lage, Menschen beim An- und Ausziehen zu helfen, Türen zu öffnen oder Lichtschalter zu bedienen. Gehörlose können sie sogar auf ein Klingeln oder Babyschreie aufmerksam machen. Anfallwarnhunde für Epilepsie oder Diabetes werden vor Ort ausgebildet. „Natürlich ist nicht jedes Tier zum Servicehund geeignet. Zum Beispiel als Anfallwarnhunde bei Epilepsie ist von tausend Welpen gerade mal einer geeignet.“ Manchmal führen Kerstings und Schönbergs Erlebnisse während der Welpensuche speziell in Deutschland zu Kopfschütteln. Da hören sie dann Sätze wie: „An Krüppel geben wir keine Hunde.“ In neun von zehn Fällen hätten sie in Deutschland mit negativem Verhalten zu kämpfen. Im Ausland sei dies ganz anders.

Kersting und Schönberg wissen, dass sie in den nächsten Jahren noch dicke Bretter bohren müssen, um ihrem Verständnis von tierischer Hilfe nahe zu kommen. „Wir leben in einem Land, in dem die blinde Tochter eines Bundespräsidenten zur Vereidigung des Vaters nicht mit ihrem Blindenführhund in den Bundestag durfte. Sie musste ihn draußen abgeben und eine Freundin musste sie führen. Da ist noch viel zu tun!“

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