September Special: Bunter und stimmgewaltiger Töne-Basar

Von: Carolin Kruff
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Heiß ging's her beim September Special am Samstag - trotz der eher nasskalten Witterung. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die Straßburger Band La Fanfare en Pétard lieferte bereits am Freitagabend das Motto für das diesjährige September Special: Le Monde est curieux – die Welt ist verrückt. Gesagt, getan: Bunt, stimmgewaltig, rockig, funky und einfühlsam – das Programm am Wochenende bot eine ganze Menge!

Und so strömten viele tausend Musikbegeisterte zum Töne-Basar in die Aachener Altstadt – ausgestattet mit Regenschirm und wasserdichten Jacken, um dem immer wiederkehrenden Regen zu trotzen. Babys, Kinder, Erwachsene und Hunde lauschten vor den drei Bühnen auf Katschhof, Münsterplatz und Markt den erlesenen lokalen, nationalen und internationalen Darbietungen – Mitsingen und Tanzen inklusive.

Wem es unter freiem Himmel zu nass war, den lockten andere „Klangwelten“ ins Aachener Couven Museum – dort können derzeitig historische Musikinstrumente aus Barock- und Biedermeierzeit bewundert werden. Die Klänge von „modernen“ Musikinstrumenten beim September Special gab’s am Wochenende gratis mit dazu – ein einmaliges Musikerlebnis für Augen und Ohren, das viele Besucher nutzten.

Das Musikfieber nahm bereits am Samstagnachmittag Fahrt auf. Gefühlvoller Bluesrock, Swing sowie Rock’n’Roll der Aachener Somebody Wrong Bluesband mit Gastmusiker Heribert Leuchter am Saxophon ließen die teilweise starken Regengüsse vergessen, mitwippen war im Schatten des Rathauses angesagt. Währenddessen war der Katschhof fest in der Hand eines anderen Lokalmatadors: Saturday Night Fish Fry aus Eschweiler bewegte die Massen mit Rock’n’Roll und Rythm’n’Blues.

Der Münsterplatz hingegen bebte im Takt von Rock’n’Roll und Rockabilly, ordentlich gepfeffert mit allerfeinstem Rythm’n’Blues – eine schweißtreibende Zeitreise in die 50er- und 60er-Jahre. Die Zutaten: Zwei Gitarren, ein Kontrabass sowie temperamentvolle Drums – dazu die einheizende Stimme von Frontsänger Mark Dittrich. Das hieß: Vollgas mit „The Cable Bugs“! Bei den fetzigen Beats blieb kein Fuß still, die heiße Musik ließ den Öcher Regen vor der Bühne förmlich verdampfen, erst recht bei dem Johnny-Cash-Knaller „Ring of Fire“ im Rockabilly-Style.

Mit musikalischen Leckerbissen ging es in den Samstagabend. Und diesen Namen sollte man sich merken: Caracol, die mit gefühlvollem French-Pop, Retro-Soul und melancholisch-süßen Melodien den Münsterplatz verzauberte. Die Sängerin aus Montreal, die mit mädchenhaftem Charme und faszinierender Stimme in ihren auf Englisch oder Französisch komponierten Liedern von Liebe, gebrochenen Herzen und Sehnsucht erzählt, begeisterte nicht nur die vielen Liebespaare, die sich vor der Bühne versammelten.

Caracol schuf ein musikalisches Traumbild in zartem Pastell, das zu keiner Zeit ins Kitschige abdriftete und die Zuschauer in eine andere Welt entführte. Mittendrin: Die 20-jährige Ann-Cathrin Krüger, die mit ihren Freundinnen das September Special besuchte. „Die Veranstaltung ist top und das Angebot mit den verschiedenen Musikrichtungen sehr groß. Wir haben heute Abend bereits alle drei Bühnen besucht. Für jeden ist etwas dabei – Jung und Alt feiern und tanzen hier gemeinsam“, erzählt sie gut gelaunt.

Nebenan auf dem Katschhof kamen Fans der raueren Töne auf ihre Kosten. Die isländische Band „Dikta“ zog die vielen Musikliebhaber mit energiegeladenem Hardrock und schnörkellosen, wenn auch gefühlvollen, Rock-Balladen in ihren Bann, während sich am anderen Ende des Katschhofes das hell erleuchtete Kettenkarussell unentwegt unter dem Kreischen der Mitfahrer drehte. Bei dieser Mischung schien selbst der altehrwürdige Dom im Takt zu beben! Über allem schwebte die eindringliche Stimme von Frontmann Haukur Heiðar Hauksson – das war Gänsehaut-Feeling auf Isländisch!

Eine ausgetüftelte Mischung aus Funk, Jazz, HipHop, Afrobeats und Grooves verwandelte den Marktplatz in eine riesige Open-Air-Tanzfläche – ein feuriges Soundbild, das die Stimmung hochkochen und die kühlen Temperaturen vergessen ließ! Schon bei den ersten Takten von Bibi Tanga & the Selenites ging die Sonne am späten Abend über dem Markt unter. Die Rathaustreppe mutierte kurzerhand zur exquisiten Loge. Auch Roman Salzmann (60) hat das Musikfieber bereits infiziert: „Die Stimmung ist toll und harmonisch. Meine Frau und ich haben uns jetzt einmal das komplette Pogramm angesehen und sind ganz begeistert!“

Ein musikalisches Potpourri erfüllte auch am Sonntag die Innenstadt. Zum Abschluss des viertägigen Musikmarathons gab sich am Abend unter anderem Jimmy Kelly & The Street Orchestra die Ehre. Die vielköpfige Band um das ehemalige Kelly-Family-Mitglied ließ vor allem die Instrumente sprechen – mit Akkordeon, Mandoline, Viola, Fiddle, Banjo, Gitarre, Marimbaphon, Schlagzeug, Mundharmonika, Kontrabass, Klarinette und Saxophon. Eine bizarre Stimmenvielfalt, die begeisterte!

Und während schließlich auf dem Münsterplatz die letzten Tangorhythmen von „Quninteto Angel“ in den Öcher Himmel getragen wurden und auf dem Katschhof die Schlagwerker von „Elbton Percussion“ mit Trommeln, Becken und Gongs zum Finale furioso aufriefen, wurde klar, dass es spätestens seit diesem siebten Aachener September Special heißen muss: Aix-la-Chapelle est curieux – Aachen ist (musik-)verrückt!

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