FuPa Freisteller Logo

Senkrechtstarter Schürmann s(w)ingt bald zum Abschied

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
7007781.jpg
Sagt seinen ungezählten Fans mit einem Konzert in der Klangbrücke Adieu: Musical-Star Samuel Schürmann. Foto: Harald Kroemer

Aachen. Als braver Bäckermeister in Stephen Sondheims „Into the Woods“ ist er derzeit zuweilen auf dem Holzweg. Schließlich gehört das zur Rolle, also quasi zu seinen dienstlichen Pflichten. Als gefeierter Musical-Star freilich ist Samuel Schürmann längst auf dem Erfolgspfad durchgestartet.

Seit seinem Gastspiel als liebenswert-verruchte Zaza in Jerry Hermans „Cage au Folles“ hat sich nicht nur das Publikum des Grenzlandtheaters sozusagen schwer verknallt in den 33-jährigen Wahl-Berliner. Und umgekehrt.

Doch auch die schönste Romanze muss der Realität mitunter Tribut zollen – zumindest vorerst. Am 16. Februar sagt Schürmann seinen ungezählten Fans im Dreiländereck Adieu. Besser: Er singt natürlich, weil er das eh‘ am besten kann. „Ich freue mich riesig, dass ich mit Heribert Leuchter und seiner fantastischen Band ,Swing.it‘ noch einmal in Aachen auf die Bühne kann“, frohlockt der Künstler (siehe Info).

Muss wohl in den Genen liegen. Schließlich waren seine Eltern Opernsänger, beide. Nein, entgegnet der 1,92-Mann prompt auf die Frage, ob er denn am liebsten gleich auf die Bretter geklettert wäre, als er gerade mal laufen konnte. „Eigentlich wollte ich gar nicht ins Rampenlicht, sondern was anderes machen.“ Architektur vielleicht, Medizin, Jura? Von wegen. „Opernregie – das hat mich interessiert.“ Eben. „Schon mein Kinderzimmer damals in Osnabrück war eine einzige Bühne. Tanzen und singen, das hab‘ ich immer am liebsten gemacht“, erzählt Schürmann. Also bewarb er sich 1999 beim Bundesgesangswettbewerb. Und ergatterte einen Platz im Finale in Berlin. Dann kam‘s, wie man das am ehesten aus mittelmäßigen Drehbüchern kennt. Von wegen Romanze, Realität und so: „Peter Kock, Professor für Musical an der Universität der Künste, fragte mich, ob ich zum Vorsingen vorbeikommen könne.“ Samuel Schürmann konnte. Und wurde bei der ersten öffentlichen Aufführung 2002 selbst vom verwöhnten Hauptstadt-Publikum gefeiert. „Dabei hab‘ ich mich zuerst mit Händen und Füßen gewehrt gegen das Solo, für das Kock mich vorgesehen hatte.“ Es handelte sich um Zazas berühmte Homo-Hymne „Ich bin, was ich bin“ . . .

Einem anderen Wahl-Berliner klangen Schürmanns Gastspiele an der Spree auch nach zehn Jahren noch in den Ohren. „Ein paar Wochen vor der Premiere des ,Cage au Folles‘ am Grenzlandtheater rief Ulrich Wiggers mich an und fragte, ob ich nicht Lust hätte, für die Rolle der Zaza in seiner Inszenierung vorzusingen. Wir kannten uns ganz gut aus der Zeit in Berlin. Da war das längst eine Traumrolle!“ Schürmann spielte gerade in der „Westside Story“ in Rostock, hatte in Berlin und Wien unter anderem mit Peter Lund gearbeitet. Ab Dezember 2012 spielte er in Aachen. Und wie. „Es war unglaublich. Die Leute haben sich manchmal regelrecht um Karten gekloppt.“ 60 Vorstellungen hat er gegeben – und „unheimlich viel gelernt“, sagt er. Wie kam‘s, dass er als Zaza prompt wie der viel zitierte Senkrechtstarter quasi durch die Decke geschossen ist? „Vielleicht weil ich vieles hineingelegt habe, was wirklich von mir kam, dass ich mit dem ganzen Herzen dabei war.“ Dafür wurde er im Juni 2013 mit dem Kurt-Sieder-Preis geehrt. Mit Saxofonist Heribert Leuchter und dessen Kollegen verzückte er die Fans bei einem Konzert im Alsdorfer „Energeticon“. Es war ruckzuck ausverkauft. Zurzeit arbeitet er mit „Swing.it“ an einer CD. Mehr verrät er noch nicht vor dem heiß ersehnten „Farewell-Konzert“ – mit groovenden Jazz-Standards, gefühlvollen Balladen und Evergreens aus Film und Musical selbstverständlich inklusive.

Aber wer weiß: Vielleicht feiert auch dieses Werk ungeahnte Erfolge. So wie Schürmanns erster gebrannter Geniestreich mit berühmten Songs des großen Musical-Komponisten und Broadway-Übervaters Stephen Sondheim. Der hat sich für diese Hommage übrigens höchstpersönlich bei ihm bedankt. „Wir haben 20 Minuten geplaudert. Es war surreal!“ Dann hat Sondheim dem jungen Kollegen aus Deutschland einen Brief geschrieben. Und, jawohl, Samuel Schürmann hat ihn an die Wand seiner Berliner Wohnung gehängt. Aber die kann jetzt trotzdem noch ein bisschen warten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert