Aachen - Seniorenratswahl: Verweis aufs Netz erzürnt Wähler

Seniorenratswahl: Verweis aufs Netz erzürnt Wähler

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
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Belange der Senioren nicht berücksichtigt? Für weitere Informationen über die Kandidaten für die Seniorenratswahl werden die Wähler aufs Internet verwiesen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Stell Dir vor, es ist Wahl – und niemand weiß, wofür die Kandidaten stehen. Vor diesem Dilemma dürfte zurzeit ein nicht unwesentlicher Anteil der rund 60.000 Wahlberechtigten stehen, die in Aachen bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Monate ihr Kreuz auf einen Stimmzettel setzen dürfen.

Nach der Landtags- und der Bundestagswahl steht am Sonntag, 19. November, die Wahl des Seniorenrats an. Wahlberechtigt sind alle Aachener ab 60 Jahren. Sie entscheiden, welche der insgesamt 105 Kandidaten aus den 14 Bezirken einen Sitz in dem 35-köpfigen Gremium ergattern.

Nur Name und Adresse

Warum und weshalb sie sich bewerben, darüber erfährt man auf den Wahlunterlagen indessen wenig. Einzig der Name und die Adresse der Kandidaten werden angegeben. Wer mehr wissen will, wird auf die Internetseite der Stadt verwiesen. Als eine „Unverschämtheit“ bezeichnet ein AZ-Leser diesen Umstand und mutmaßt: „Von den circa 60.000 Senioren in Aachen verfügen die wenigsten über Internet.“ Aus Protest werde er sich jedenfalls nicht an der Wahl beteiligen.

Dass die Angaben zu den Kandidaten auf den Stimmzetteln dieses Mal spärlicher ausfallen als bei der zurückliegenden Wahl, bestätigt Evelin Wölk vom städtischen Presseamt auf Anfrage. Vor fünf Jahren hätten neben den Namen noch „zwei bis drei Worte“ zu den Kandidaten gestanden. „Doch viele haben sich beschwert, dass das zu knapp sei. Deshalb sind jetzt digital ein paar Zeilen zu finden, die die Kandidaten selbst über sich geschrieben haben.“

Beschwerden über das neue Vorgehen seien bei der Stadt nicht eingegangen. Allerdings habe es einige telefonische Anfragen von Stimmberechtigten gegeben, die entweder kein Internet haben oder die entsprechende Seite mit den weiterführenden Informationen im Netz nicht finden konnten. Die Anfragen seien alle „freundlich und rein informativ“ gewesen.

Wer noch nicht im World Wide Web unterwegs ist, müsse indes nicht auf die weiterführenden Informationen zu den potenziellen Seniorenratsmitgliedern in ihrem Wahlbezirk verzichten, versichert Wölk. Auf Anfrage reiche die Stadt die entsprechenden Infos nach – und zwar ganz klassisch in ausgedruckter Form auf dem Postweg. Mit etwa „20 bis 25 Anfragen pro Wahlbezirk“ sei der Anteil derer, die diesen analogen Informationsweg bevorzugen, „verschwindend gering“, so Wölk. So liegt der Anteil aktuell bei unter einem Prozent. Allerdings wird auf den Wahlunterlagen nicht darauf hingewiesen, dass Stimmberechtigte auch ohne Internetzugang mehr über ihre Kandidaten erfahren können.

Geringe Wahlbeteiligung

Relativ gering war übrigens auch die Wahlbeteiligung bei der zurückliegenden Seniorenratswahl im Jahr 2012. Lediglich 24 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Immerhin ein Prozent mehr als noch 2007. Gestiegen ist dafür die Anzahl der Kandidaten. 2012 waren es noch 75. Das entspricht einem Zuwachs um 40 Prozent. Bewerben könne sich prinzipiell jeder, der älter als 60 Jahre ist, in Aachen wohnt und nicht Mitglied des Rates oder einer Bezirksvertretung ist, bestätigte Wölk. Weitere Ausschlusskriterien gebe es nicht.

Da die Wahl des Seniorenrats ausschließlich als Briefwahl erfolgt, sollten die entsprechenden Unterlagen spätestens bis Donnerstag, 16. November, im bereits frankierten Rücksendeumschlag abgeschickt werden. Alternativ kann man die Unterlagen bis Sonntag, 19. November, 18 Uhr, in die Briefkästen der städtischen Bezirksämter oder des Fachbereichs Wahlen am Blücherplatz einwerfen.

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