Seniorenrat will Mobilität bis in die Randbezirke verbessern

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Setzen sich mit dem Seniorenra
Setzen sich mit dem Seniorenrat für die Mobilität der Seionren ein: (von links) Gerret Friese, Helga Riedel und Harald Steinmann. Foto: Andreas Schmitter

Orsbach. Der Fahrplan ist überschaubar: Auf einer Seite werden an der Haltestelle Orsbach-Anfang - der einzigen Haltestelle in dem 600-Seelen-Dorf im deutschen Zipfel zwischen den niederländischen Orten Lemiers und Bocholtz - die stündlichen Verbindungen angezeigt.

Ab 20 Uhr in der Woche, samstags ab 17 Uhr und sonntags ganztägig müssen sogenannte Anruf-Linientaxis bestellt werden, um aus Orsbach raus oder zurückzukommen. Zum Buspreis wird man dann bis nach Laurensberg kutschiert. Nach Mitternacht ist Schluss mit dem ÖPNV in Orsbach.

Ist so etwas zukunftsweisend in einer zwar alternden Gesellschaft, in der die Senioren zugleich aber immer aktiver werden und länger aktiv bleiben? Das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs in Orsbach ist sicher nicht zu verallgemeinern, „aber auch andere Randgebiete klagen über ein zu schlechtes Angebot”, weiß Helga Riedel vom Seniorenrat der Stadt Aachen. Sie vertritt dort zusammen mit Harald Steinmann den Bezirk Laurensberg, zu dem auch Orsbach gehört.

Beide haben sich zu Beginn ihrer fünfjährigen Amtszeit, die im November abläuft, die Mobilität auf die Fahnen geschrieben. „Mit Eintritt in die Rente hat man noch 15 bis 25 Jahre vor sich, in der man aktiv sein kann”, meint Riedel. Theater- und Konzertbesuche, Ehrenamt, Freunde besuchen - das sei der beste Schutz gegen Vereinsamung und Krankheit. „Doch das funktioniert nur, solange man mobil ist.”

Tür-zu-Tür-Transport

Riedel und Steinmann haben versucht, ein Projekt auf die Beine zu stellen: Senioren sollten Taxis verbilligt nutzen können. „Für viele ist es wichtig, einen Tür-zu-Tür-Transport wahrnehmen zu können. Sei es, weil die Beine nicht bis zur nächsten Haltestelle tragen oder weil sie sich im Dunkeln auf der Straße unsicher fühlen”, erklärt Steinmann die Notwendigkeit. Ein Taxi-Unternehmen hatte schnell seine Bereitschaft erklärt, doch schließlich fehlte die Finanzierungsgrundlage. Doch Riedel und Steinmann wollen am Ball bleiben.

Tatsächlich fallen den beiden viele Projekte ein, die zu schon Verbesserungen geführt haben: Die Kostenlose Busbegleitung von der Haustür bis zum Zielort, das Bustraining für Senioren oder auch die Radfahrschule. „Das Projekt ?Aktiv, clever, mobil - Mobilitätsberatung 60plus hat da viel bewirkt”, meint Steinmann. Die Stadt Aachen arbeitet hier in einem „Kompetenzteam Seniorenmobilität” mit verschiedenen Organisationen vom ADFC bis zur Polizei zusammen. Auch die Mitglieder des Seniorenrats konnten durch Hinweise auf Mobilitätshindernisse bereits zu einer mobileren Gesellschaft beitragen. „Trotzdem bleibt noch einiges zu tun”, meint Riedel.

In Orsbach ist man den Weg des bürgerschaftlichen Engagements gegangen: Ein Element des Beitrags des Ortes zum Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft” im vergangenen Jahr war, eine Mitfahr-Börse ins Leben zu rufen. Fahrer und Mitfahrer erkennen sich auf der Straße an einem Zeichen (siehe Foto) und einem Ausweis. Einer steigt ein, einer lässt einsteigen. So werden mehr Orsbacher - egal welchen Alters - mobil. Auch ein Einkauf- und ein Mitbring-Service existieren.

„Die Nachfrage könnte heute höher sein: Viele scheuen sich zu bitten, viele sind selbst noch mit dem Auto unterwegs. Auch funktionieren hier noch die Großfamilien und die Nachbarschaftshilfe”, sagt Gerret Friese von der Initiative „Unser Dorf hat Zukunft”. „Doch wir haben Geduld. In zehn Jahren wird das Projekt hier nicht mehr wegzudenken sein.”

Der Seniorenrat wird wieder neu gewählt

In Aachen hat der Seniorenrat eine lange Tradition. 1978 wurde der erste Seniorenbeirat gewählt. Die Mitglieder des aktuellen Seniorenrats wurden 2007 gewählt, ihre Amtszeit läuft in diesem Jahr ab.

Im November sind alle Aachener ab 60 Jahren aufgerufen, eine neue Vertretung zu wählen. Außerdem werden Interessierte, die sich zur Wahl stellen, gesucht.

Wesentliche Stütze des Seniorenrats der Stadt Aachen sind die stadtteilbezogenen Räte, die als direkte Ansprechpartner vor Ort fungieren.

Ansprechbar für alle Belange von Senioren ist stellvertretend der Vorsitzende Rolf Eckert, Tel. 575857. Weitere Auskünfte erteilt Helmut Bücken von der Leitstelle „Älter werden in Aachen”, Tel. 4325051.

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