Aachen - Selbst Koreaner erlagen Karls Charme im Jubiläumsjahr

Selbst Koreaner erlagen Karls Charme im Jubiläumsjahr

Von: Matthias Hinrichs
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Massenmagnet: Der Ausstellungsreigen zum Karlsjahr geriet in jeder Hinsicht zum großen Erfolg. Jetzt will die Stadt die Erfahrungen nutzen, um im Schulterschluss mit zahlreichen Partnern mit weiteren Pfunden zu wuchern – etwa bei der Reit-EM im Sommer. Foto: Herrmann

Aachen. Geschenkt: Lukrative Eroberungszüge zur Aufbesserung der kaiserlichen Kassen sind längst Schnee von vorgestern. Aber: Spätestens 1201 Jahre nachdem der Aachener Stadtpatron das Zeitliche gesegnet hat, geht Karl der Große quasi auch als sensationell erfolgreicher „Verkäufer“ in die Annalen ein. Als glänzender Gastgeber sowieso.

Das beweist die detaillierte Bilanz zum Karlsjahr, die am Donnerstag im Kulturausschuss des Rates für neuerliche Verzückung sorgen dürfte. Diesmal nämlich kamen die Völker aus aller Welt in denkbar friedlicher Absicht ihrerseits ins Dreiländereck, um dem „Vater des Kontinents“ ihre Reverenz zu erweisen. 232.847 Besucher wurden vom 20. Juni bis 21. September 2014 bei den großen Präsentationen zum 1200. Todesjahr Karls gezählt. Damit wurde die vordem angepeilte Zielmarke von 100.000 weit übertroffen – was OB Marcel Philipp frohlocken ließ: „Wir haben drei Monate für die Ewigkeit gearbeitet.“

Nun also lässt sich die Erfolgsgeschichte in Sachen Geschichte in weiteren beeindruckenden Zahlen erzählen. So lagen die Einnahmen aus dem Ausstellungsreigen im Krönungssaal, dem Centre Charlemagne und der Domschatzkammer mit 1,669 Millionen Euro rund 400 Prozent über den Erwartungen (knapp 415.000 Euro). Die Erlöse aus dem Merchandising, also der Vermarktung unterschiedlichster „Devotionalien“, schlugen mit 432.390 Euro zu Buche – doppelt so viel wie veranschlagt. Allein das Rathaus beehrten mit 111.151 Gästen mehr Karl-Fans, als für den gesamten Präsentations-Dreiklang kalkuliert worden waren. Im „Centre“ wurden 50.556, in der Domschatzkammer 58.090 Gäste gezählt. In den Online-Shops schauten sich noch einmal insgesamt 13.010 virtuelle Besucher um.

Dabei kamen, apropos weltweites Netz, im Ganzen rund doppelt so viele Menschen von jenseits der neuzeitlichen Grenzen als aus Deutschland. An den Rathauskassen standen – zumindest vereinzelt – gar Besucher aus der Mongolei (drei), Korea (13), Tschad (24) oder Jamaika (neun). Die Liste weist allein für den Krönungssaal 76 Nationalitäten aus. 5856 Niederländer, 2898 Belgier, 3132 Franzosen, 1294 Briten, 416 Italiener, 277 US-Amerikaner passierten die Rathauspforte – auf eigene Faust, per Audioguide (dieses Angebot nutzten 46.209 Menschen) oder mit Orientierungshelfern aus Fleisch und Blut: Insgesamt gab es 3915 Führungen.

Bereits seit 2009 hatten die Kunst- und PR-Experten an der Planung gestrickt, auf einschlägigen Messen für das „Jahrhundert-Event“ getrommelt, etliche Geldgeber und Partner ins Boot geholt bis hin zu den Schirmherren von höchsten Ebenen, nämlich Frankreichs Präsident François Hollande und Bundespräsident Joachim Gauck.

„Für die Ewigkeit“ dürften die Überschüsse indessen auch nach dem Kassensturz in Sachen Karl und Co. nicht reichen. „Die Endabrechnung wird wohl erst in einem guten Monat vorliegen“, resümiert Irit Tirtey, stellvertretende Leiterin des Kulturbetriebs. Immerhin sei davon auszugehen, dass der städtische Eigenanteil von 850 000 Euro erheblich schrumpfe. „Allerdings kann es sein, dass wir Fördermittel zurückerstatten müssen.“ Denkbar sei zumindest, dass die Kämmerei am Ende die berühmte schwarze Null unter den Posten namens Karlsausstellungen 2014 schreiben könne.

Mit Schulterklopfen in eigener Sache soll es im Hinblick auf weitere Großtaten in Sachen städtische Selbstvermarktung freilich nicht getan sein. „Wir werden die Kräfte weiter bündeln“, betont Stadtsprecher Bernd Büttgens. Auch über Konzepte und Ideen, die auf den positiven Erfahrungen fußen, soll der Kulturausschuss daher am Donnerstag informiert werden.

Tenor: Im Schulterschluss mit ALRV, Märkte- und Aktionskreis City, Aachen Tourist Service und zahlreichen Sponsoren wolle man nun zunächst die „marketingtechnisch“ höchst verheißungsvolle Reit-EM ein großes Stück weit in die Innenstadt holen. „Die Vorbereitungen sind in vollem Gang“, versichert Büttgens. So soll auch das „September Special“ diesmal bereits im August stattfinden. Büttgens: „In jedem Fall wird es ein großes Spektakel mit drei Bühnen in der Altstadt geben.“

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