Selbst die Kölner haben Walheim entdeckt

Von: Katrin Fuhrmann
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Haben bis zuletzt ktäftig angepackt, um dem Erntedankfest auch das richtige Ambienten zu verleihen: Hermann Mündel (links) und Andreas Pütz freuen sich auf ein schön-anstrengendes Wochenende. Foto: Andreas Steindl
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So wird es auch in diesem Jahr aussehen: Den traditionellen Umzug zum Erntedankfest in Walheim werden viele Zuschauer säumen. Foto: Martin Ratajczak

Walheim. Wenn alte Traktoren und Unimogs, bunt geschmückte Anhänger, Pferdegespanne, Fußgruppen und Musikanten in Walheim unterwegs sind, dann ist es wieder so weit: Das traditionelle Erntedankfest in Walheim mit seinem festlichen Umzug steht vor der Tür. Das sorgt in dem beschaulichen Ort jedes Jahr für nostalgisches Flair der besonderen Art.

Seit vielen Jahren hat das Erntedankfest am ersten Oktoberwochenende bei den Walheimern Tradition. Längst nehmen nicht nur Einheimische an dem festlichen Umzug teil – inzwischen reisen sogar Menschen aus Köln und dem benachbarten Ausland an. Was das Besondere an dem Erntedankfest ist und warum die Walheimer diese Tradition seit Jahren pflegen, erzählen die Organisatoren Andreas Pütz und Hermann Mündel im Interview.

Seien Sie mal ehrlich. Wie lang fiebern Sie diesem Wochenende schon entgegen?

Mündel: Schon seit wir mit der Planung angefangen haben, freuen wir uns auf das Erntedankfest. Wir haben im März angefangen, die ersten Gespräche zu führen. Gibt es wieder ein Festzelt? Welches Essen wollen wir anbieten? Und welche Musik soll im Zelt und auf dem Festumzug gespielt werden? Viele Fragen mussten im Vorfeld geklärt werden. Man sollte gar nicht meinen, was man bei der Vorbereitung eines solchen Festes alles beachten muss.

Inwiefern?

Mündel: Die Genehmigungsverfahren sind seit dem Unglück auf der Loveparade gefühlt aufwendiger und schwieriger geworden. Von Sicherheitsauflagen wie Sanitätern, die bereitgestellt werden müssen, bis hin zur Zuggenehmigung und Versicherung – es darf nichts in Vergessenheit geraten. Das könnte nämlich dazu führen, dass die Veranstaltung nicht genehmigt wird. Wir bekommen aber zum Beispiel zeitnah von der Stadt Pläne, die angeben, welche Straßen wir für den Zug nutzen dürfen. So können wir frühzeitig planen und alles organisieren.

Dieses Jahr scheint bislang auch alles geklappt zu haben. Was erwartet die Besucher Samstagabend und Sonntag auf dem festlichen Umzug?

Pütz: Am Freitagabend gab es ja bereits unseren traditionellen Spielabend bei dem sechs Mannschaften in verschiedenen Spielen gegeneinander angetreten sind. Im Anschluss haben wir noch ordentlich gefeiert. Am Samstagabend wird die Coverband „Comeback“ ab 19.30 Uhr im Festzelt auftreten. Sofern die Nachbarn keinen Ärger machen, werden wir wahrscheinlich wieder bis in die frühen Morgenstunden Vollgas geben – natürlich in gemäßigter Lautstärke. Am Sonntagmorgen ist erst einmal ab 10 Uhr die Erntedank-Messe. Danach startet um 11 Uhr unser festlicher Umzug mit Fußtruppen, bunt geschmückten Anhängern und Musikanten.

Das hat ein bisschen was von Karneval.

Pütz und Mündel: (antworten beinah gleichzeitig, sehr energisch): Das hat überhaupt nichts mit Karneval zu tun. Das einzige, was eventuell an Karneval erinnert, ist die Zuggröße. Alles andere hat einen ganz anderen Charakter.

Können Sie diesen Charakter kurz beschreiben?

Mündel: Der Erntedankzug ist jedes Jahr ein Höhepunkt. Wir haben in diesem Jahr rund 90 Gruppen, die sich an dem Umzug beteiligen. Alte Traktoren und Unimogs, bunt geschmückte Anhänger, gut gefüllte Handkarren, Pferdegespanne und Fußgruppen, sowie Musikkapellen und Spielmannszüge sorgen für das ganz besondere nostalgische Flair. Insgesamt ist es eine sehr schöne und entspannte Atmosphäre, sowohl auf dem Festzug, als auch anschließend im Festzelt. Seit vielen Jahren hat es sich zudem bewährt, dass wir auf dem Umzug auf Alkohol verzichten. An das Tabu hat sich bislang auch jeder gehalten.

Seit wann gibt es das Erntedankfest überhaupt schon in Walheim?

Mündel: Wie in vielen christlichen Gemeinden feierten die auch die Walheimer schon früh das Erntedankfest. Sie dankten Gott an diesem Tag für die Ernte und die Gaben. 1960 wurde das Fest allerdings ausgesetzt.

Warum?

Mündel: Damals ist einer der Teilnehmer bei dem Festumzug von einem Anhänger gefallen und tödlich verunglückt. Im Jahr 1992 griff die Gemeinde St. Anna Walheim unter der Leitung des damaligen Pfarrers Heinz-Josef Lambertz und des Trommler und Pfeiferkorps Edelweiß Walheim den schönen Brauch, sich für die Ernte in traditioneller Weise zu bedanken, wieder auf.

Wie erklären Sie sich denn, dass der Zug jedes Jahr mehr Zuspruch findet und mittlerweile sogar Menschen aus Köln, Euskirchen und dem benachbarten Ausland anreisen?

Mündel: Anfangs war der Erntedankzug noch recht kurz, aber jedes Jahr beteiligten sich mehr und mehr Menschen und er wurde von Jahr zu Jahr größer. Die Fußtruppen mit ihren prall gefüllten Gemüsekörben, die geschmückten Handkarren und die restaurierten Traktoren und historischen Erntegeräte sind seit dem ein fester Bestandteil des Umzugs. Mittlerweile reicht die Palette von der Kinderkutsche mit einem Minipony bis hin zum mächtigen Vierergespann mit schweren Kaltblütern. Es ist eigentlich für jeden etwas dabei. Der Umzug ist in der Region schon einzigartig.

Ein Fest für die ganze Familie also. Worauf dürfen sich die Kinder besonders freuen?

Pütz: Auch in diesem Jahr sind neben Hühnern, Gänsen und Schafen, auch Esel und Kaninchen wieder mit dabei.

Zu guter Letzt. Was wünsche Sie sich für das diesjährige Erntedankfest?

Pütz: Es wäre schön, wenn die Sonne scheint und es nicht regnet. Dann können wir nämlich mit bis zu 10 000 Besuchern rechnen.

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