Sekundarschule: Nötige Weichenstellung oder Politik für die Galerie?

Von: Stefan Herrmann
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Wohin führt der Weg in Sachen Sekundarschule? Die Grünen würden sie am liebsten ab dem Schuljahr 2017/18 in Aachen etablieren. Die große Koalition tritt bei dem Thema erstmal auf die Bremse. Foto: dpa

Aachen. Ist es in Aachens Schullandschaft zu ruhig? Zumindest in einem Punkt vermissen die Grünen aktuell Bewegung und geben daher Gas. Sie möchten nämlich möglichst schnell – am besten ab dem Schuljahr 2017/18 – eine Sekundarschule in der Stadt etablieren. Einen entsprechenden Antrag stellten sie Mitte April. Doch der Grünen-Vorstoß trifft bei anderen Fraktionen des Schulausschusses auf Widerstand.

Die schwarz-rote Koalition steht der Idee einer Sekundarschule generell zwar offen gegenüber, tritt aber erst einmal auf die Bremse, so wie es auch die Verwaltung in ihrer Vorlage für die Sitzung am nächsten Donnerstag tut. Bei Gretel Opitz, schulpolitische Sprecherin der FDP, löst die grüne Sekundarschul-Offensive unterdessen vor allem eine Bewegung aus: heftiges Kopfschütteln. „Das was, die Grünen da gerade betreiben, ist Politik für die Galerie!“, echauffiert sie sich.

Denn es gebe fraktionsübergreifende Absprachen, die Schullandschaft als großes Ganzes unter die Lupe zu nehmen, um sie dann gewissermaßen nach einem Masterplan weiterzuentwickeln und an entsprechenden Stellschrauben zu drehen. Einzelne Baustellen aufzureißen wie nun mit der Sekundarschule sei genau das, was nicht passieren sollte, so Opitz.

„Wir wollten nach der Schließung von Hauptschulen erst einmal Ruhe in die Schullandschaft bringen. Diesbezüglich gab es klare Absprachen“, kritisiert sie das Vorpreschen der Grünen. Die große Koalition hatte dies vor einem Jahr in einem Auftrag an die Verwaltung so formuliert, dass diese die „Neuordnung der Aachener Schullandschaft“ konzeptionell aufarbeiten solle. Damals schon betonte der schulpolitische Sprecher der CDU, Holger Brantin: „Wir wollen keine Lösungen präsentieren, sondern Fragen stellen, die die Verwaltung beantworten soll.“

Eine Antwort glauben die Grünen aber bereits gefunden zu haben. Denn die jüngste Anmeldephase an den weiterführenden Schulen im Frühjahr habe klar gezeigt, dass Eltern und Kinder immer weniger auf Haupt- und Realschulen setzen. Gleichzeitig werden die Gesamtschulen immer beliebter, müssen sogar in großem Umfang Ablehnungen aussprechen, da sie deutlich mehr Anmeldungen als verfügbare Plätze zählen.

Eine fünfte Gesamtschule für Aachen halten die Grünen trotzdem für nicht notwendig, wie die schulpolitische Sprecherin Ulla Griepentrog sagt. „Schulen mit Sekundarstufe II, also einer Oberstufe, haben wir in Aachen ausreichend. Nicht zuletzt wegen der Gymnasien.“ Daher plädiert Griepentrog für die zügige Einrichtung einer Sekundarschule, an der Kinder länger gemeinsam lernen und schließlich – in Kooperation mit der Oberstufe eines Gymnasiums oder eines Berufskollegs – trotzdem einen Abschluss mit Hochschulreife anstreben können.

Für so ein Modell eine der vorhandenen Real- oder Hauptschulen in Aachen umzuwandeln, statt sie womöglich in einigen Jahren aufgrund weiter nachlassender Anmeldezahlen schließen zu müssen, sei der erheblich bessere Weg für alle Beteiligten. „Die GroKo sagt zu unserem Vorschlag: Nicht jetzt! Ich frage: Wann dann!?“, macht Griepentrog weiter Druck.

„Wechsel statt Aussterben“

Der forschen Forderung nimmt Bernd Krott, schulpolitischer Sprecher der SPD, allerdings zunächst den Wind aus Segeln. Der Grünen-Vorstoß gehe ihm „etwas zu schnell“. Auch dass bereits konkrete Standorte für eine Sekundarschule diskutiert werden – die Grünen bringen die GHS Drimborn oder auch den Schulverband Aachen-Ost ins Spiel –, hält Krott für verfrüht. Vielmehr solle das umfassende Screening der Stadt, also die Analyse der Aachener Schullandschaft, abgeschlossen werden, um anschließend zunächst „generelle Gespräche zur Entwicklung“ zu führen, setzt Krott auf die Karte Zeit.

Doch diese Zeit, glaubt man den Grünen, habe man Aachen eigentlich nicht mehr. Zumindest dann nicht, wenn man sich nicht wieder plötzlich in der Situation wiederfinden wolle, dass eine (Haupt-)Schule nicht mehr zu retten ist und noch ihr Aus beschlossen werden kann. „Darauf sollten wir nicht warten, sondern den Wechsel an einem Standort im laufenden Betrieb vorantreiben, statt das langsame ‚Aussterben‘ einer Schule miterleben zu müssen. Das ist für Schüler, Lehrer und Eltern ein furchtbarer Prozess, der nicht sein muss“, findet Griepentrog.

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