Seit 25 Jahren immer im Takt des Augenblicks

Von: Svenja Pesch
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Big-Band-Sound voll auf der Höhe der Zeit: Caroline Thon und ihr Orchester begeisterten zum Auftakt des „In Front“-Festivals in der Klangbrücke, das heute Abend ins Finale geht. Foto: Andreas Schmitter
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*In Front Festival 2013*, "25 Jahre Gesellschaft für Zeitgenössische Musik AC", Klangbrücke, Kurhausstr. 1. Foto 4 - Bandleader Caroline Thon und 15 - Johanna Daske/Geschäftsführerin Foto: Bandleader Caroline Thon und 15 - Johanna Daske/Geschäftsführerin

Aachen. „Die Musik spricht für sich allein. Vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance.“ In dem Zitat des berühmten Violinisten Yehudi Menuhin schwingt womöglich auch ein Funken Kritik am nicht immer ganz vorurteilsfreien Hörer mit.

Kritik, der Johanna Daske, Geschäftsführerin der Gesellschaft für zeitgenössische Musik (GZM), nicht unbedingt widerspricht. Denn auch das diesjährige „In Front“-Festival, das auf das 25-jährige Jubiläum der GZM fällt, überrascht den Zuhörer mit neuen Klängen und Kompositionen abseits des Mainstreams.

Für Daske ist es genau das, was das Festival in der Klangbrücke des Alten Kurhauses an der Komphausbadstraße und die Gesellschaft selbst ausmacht: „Das ,In Front‘-Festival gibt es seit der Gründung der GZM, und unser Verein ist deutschlandweit der einzige, der neue Musik, improvisierte Musik und aktuellen Jazz miteinander verknüpft. Wir möchten, dass die Leute auch mal etwas anderes hören.“ Dass das Andere zuweilen auch unbequem sein kann, ist zwar durchaus möglich, wie Daske selbstbewusst sagt, aber das Augenmerk liege auf der Auseinandersetzung mit der Musik an sich und mit all ihren Facetten. Desweiteren sei die Konzertkultur in unserer Gesellschaft leider in den Hintergrund gerückt worden.

Dabei bietet gerade „In Front“ die Gelegenheit, sich mit zeitgenössischer Musik einmal genauer zu beschäftigen, denn von Jazz über völlig neue Kompositionen bis hin zu improvisierter Musik ist für jeden etwas dabei. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der GZM tritt „The Big Family“, die gebündelten Kräfte des Vereins, gemeinsam auf. Bis zu 16 Interpreten geben sich dem Klangrausch diverserer Komponisten hin. Den Festival-Auftakt machte jetzt allerdings das „Thoneline Orchester“, das mit zeitgenössischem und modernem Jazz für „mit-groove“-Gefühl im Publikum sorgte. Caroline Thon ist die Leiterin des 2009 gegründeten, 19-köpfigen Ensembles.

Auf Thons Takt hören sie alle

Auf den Takt der Saxophonistin aus Köln hören sie alle. Und das ist in ihrem Beruf leider nicht die Regel, wie Thon erklärt: „In der Musikerwelt ist es leider immer noch ungewöhnlich, dass Frauen eine Big Band leiten.“ Auf die Frage, ob es einen Unterschied zwischen einem männlichen und weiblichen Orchesterleiter gibt, antwortet Thon lachend: „Frauen führen anders – wir machen eben viel mit unserem Charme.“ Ihre Kompositionen erzählen Geschichten und vereinen harte und weiche Töne in neuer Harmonie. So erzählt das Stück „Black and White Swan“ von Krieg und Verwüstung mit schnellen Tempi- und Rhythmus-Wechseln, mit turbulenten Dialogen etwa zwischen Gitarre und Keyboard. Ganz ruhig hingegen kommt „Home“ daher, eine Hommage an Heim und Herd, sinnig untermalt durch den schweizerischen Dialekt der Sängerin.

Johanna Daske kommt nach der Auftaktveranstaltung, die zwar leider nicht ausverkauft war, dennoch zu einem positiven Fazit: „Auch wenn es nicht ganz so viele Besucher waren, so waren diejenigen, die da waren, zurecht absolut begeistert.“ Bleibt zu wünschen, dass in der Zukunft tatsächlich mehr Menschen der Musik eine Chance geben. Lohnend ist es allemal: Nach dem Konzert des neuen Music Ensembles und der „Big Family“ am gestrigen Freitag kann man mit „Streifenjunko“ heute um 20 Uhr improvisierte Klangkunst aus Norwegen erleben. Anschließend präsentiert das Werner Hüsgen Quartett seine neue CD in der Klangbrücke.

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