Sein Erfolgsrezept: Talent und harte Arbeit

Von: Sonja Essers
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Die Werke von Johannes Brahms spielt Felix Giglberger, Erster Konzertmeister im Aachener Sinfonieorchester, besonders gerne. Auch nach den Proben übt der 39-Jährige fleißig. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Gefühlvoll lässt er den Bogen über die Saiten gleiten. Wenn Felix Giglberger musiziert, scheint er in einer anderen Welt zu sein. Der Blick des 39-Jährigen ist nach unten gerichtet, ab und an schließt er die Augen – so, als würde er in sein Instrument hineinhören und eins mit ihm werden.

Was dann folgt, ist eine kleine, aber außergewöhnliche Kostprobe von Brahms‘ Violinkonzert in D-Dur. Beim nächsten Sinfoniekonzert wird Giglberger als Solist zu hören sein. Im Aachener Sinfonieorchester spielt er nicht nur die erste Geige. Seit 2008 ist er auch Erster Konzertmeister und damit das Bindeglied zwischen Generalmusikdirektor Kazem Abdullah und dem Orchester.

Ungewöhnliche Entscheidung

Wie die Karriere des Musikers begann? Mit einer ungewöhnlichen Entscheidung im Grundschulalter. Während seine Klassenkameraden davon träumten, Polizist, Feuerwehrmann oder Lehrer zu werden, stand für ihn schon als kleiner Junge fest, dass er einmal mit Musik sein Geld verdienen würde. Eine Alternative habe es für ihn nie gegeben, sagt der 39-Jährige, der in seiner Freizeit die Kampfsportart Aikido betreibt. „Ich stamme aus einer Musikerfamilie. Meine älteren Brüder haben auch Musik gemacht; bei uns war Musik immer ein Thema.“

Mit sieben Jahren begann er mit dem Geigenunterricht. Noch während der Schule startete er ein Studium an der Musikhochschule München und eignete sich ein Arbeitspensum an, das ihn auch heute noch auszeichnet. Zwei Mal in der Woche ging es für den damals 16-Jährigen nach dem Unterricht in die Uni. Zudem gehörten stundenlange Proben zu seinem täglichen Programm.

Die harte Arbeit zahlte sich schnell aus: Nach seinem Studium in München ging Giglberger für vier Jahre nach Berlin und studierte dort bei Uwe Martin Haiberg. Noch vor seinem Abschluss wurde er Erster Konzertmeister an der Oper Leipzig – er arbeitete und studierte parallel. Zu diesem Zeitpunkt war Giglberger 25 Jahre alt. 2008 stand dann der Wechsel nach Aachen an.

Nach einem Vorspiel wurde er vom Orchester gewählt. Seine Aufgaben als Konzertmeister? Er bringt dem Orchester die Vorstellungen des Dirigenten näher. „Ich bin die erste Person, die versucht, seine Ideen aufzunehmen“, sagt er. Dabei spiele nicht nur das gemeinsame musikalische Verständnis eine wichtige Rolle. „Man muss schon Empathie füreinander empfinden. Aber es ist auch meine Aufgabe, ihn zu verstehen“, sagt Giglberger.

Dass Kazem Abdullah, der vor seiner letzten Saison als Generalmusikdirektor in Aachen steht, mit seinem Konzertmeister mehr als zufrieden ist, wird schon in der Stückeauswahl deutlich, die beim zweiten Sinfoniekonzert der Saison auf dem Programm steht. Darunter auch ein Stück von Giglbergers Lieblingskomponist: Johannes Brahms. „Dafür bin ich unglaublich dankbar. Das ist für mich eine Riesenfreude, ein Riesenspaß und eine Riesenehre“, sagt der Geiger.

Für ihn stellen Brahms‘ Werke eine besondere Herausforderung dar. „Es gibt viele Stücke, die man als junger Mensch im Studium lernen kann. Aber man muss eine gewisse Reife haben, um das Werk von Brahms überblicken zu können.“ Kraft und Geduld seien nötig, um Werke wie das Violinkonzert in D-Dur spielen zu können. „Wenn man zu ungestüm rangeht, verpufft irgendwann das jugendliche Feuer. Man braucht viel Ruhe, sonst reicht die Kraft am Ende nicht mehr aus.“

Von Abdullah gibt es vor dem Auftritt bereits Lob. „Felix ist ein hervorragender Musiker und Konzertmeister. Ich bin froh, dass er sofort zugesagt hat, Brahms zu spielen. In den letzten Jahren hat er sich sehr weiterentwickelt; nun ist er für ein solches Stück reif genug. Wenn man älter wird, wird man auch ein besserer Musiker.“

Doch nicht nur Brahms, sondern auch Werke von György Ligeti und Béla Bartók werden zu hören sein. Ob dem Aachener Publikum nicht nur der Klassiker, sondern auch die Neue Musik gefallen wird? Felix Giglberger ist zuversichtlich. „Wir haben schon mehrfach moderne Werke zum Besten gegeben und hatten damit viel Erfolg“, sagt er.

Und was ist sein persönliches Erfolgsrezept? Ganz einfach: üben, üben, üben. „Man muss sich jeden Tag und in jeder Probe neu beweisen und bei jeder Probe mit Leidenschaft dabei sein“, ist sich der Familienvater sicher. Für die Zukunft hat Giglberger auch schon Pläne. Er will in Aachen bleiben. Der Grund: „Hier habe ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt“, sagt er.

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