Sechs Mal auf Kioskbesitzer eingestochen

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Das Opfer, ein 44-jähriger Betreiber eines Kiosk in der Viktoriastraße, beschrieb am Mittwoch vor der 1. Großen Jugendkammer mit plastischen Gesten, wie er am 2. Februar gegen 22.20 Uhr von einem wegen versuchten Mordes angeklagten jungen Mann (18) in seinem Geschäft überfallen und mit dem Messer traktiert wurde.

Der Täter sei hereingekommenen, habe sich ganz normal umgesehen, einen Verdacht schöpfte er zunächst nicht. Mit dem Telefon in der Hand sei er aus den hinteren Räumen gekommen, habe sich an die Theke gestellt. Dann sei der Jugendliche los, wollte hinter die Theke. Er habe ihn mit verzerrtem Blick angeschaut und versucht, ihn hinter die Theke zu drücken. „Ich kam in eine schräge Lage”, beschrieb er die Situation und stellte sie sogar vor dem Gericht unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl nach.

Opfer hatte großes Glück

„Das Haribo-Depot”, erinnerte sich das Opfer, fiel um, der Junge habe eher leise drei Mal gefordert „mach die Kasse auf”. Als er dem nicht nachkam, „stach er rein” formulierte der Mann drastisch. Sechs Mal bekam er die Messerklinge in Schulter, Bauch und Arme gestoßen. Der behandelnde Chirurg erklärte nun als Zeuge, das Opfer habe Glück gehabt, die tieferen Stiche von einer Länge bis zu zehn Zentimetern seien schräg verlaufen und hätten gut behandelt werden können.

Der Kioskbetreiber zeigte erstaunliche innere Größe und nahm die Entschuldigung des Jugendlichen, der aus einem geordneten Elternhaus stammt, an. Er wolle ihm für das weitere Leben keine Steine in den Weg legen, er solle nur sehen, dass er wieder auf den rechten Weg komme. Sogar einem persönlichen Gespräch in einer Verhandlungspause stimmte der 44-Jährige zu. Dies, obwohl die Wunden noch nicht richtig verheilt seien und er noch mal unters Messer müsse.

Die Ehefrau des Opfers beschrieb, wie sie von dem Überfall gehört hatte. Die Familie hatte an jenem Abend doppelt Pech. Als die Frau völlig entsetzt zu ihrem Auto kam, bemerkte sie, dass ein Einbrecher in dem Wagen saß und das Gefährt vermutlich gerade klauen wollte. Sie schrie nach der Polizei, der Dieb flüchtete.

Schwieriges Kind

Der Angeklagte ist als schwieriges Kind bekannt. Auf der Schule fiel er vor allem durch sogenannte „Abzieherei” auf, dafür musste er mehrfach zum Wochenendarrest antreten. Am Tattag, das ergab sich im Prozessverlauf, hatte er bereits gegen 22 Uhr versucht, einen anderen Kiosk zu überfallen. Er traute sich nicht und fragt nur nach einer Zigarettensorte, die es gar nicht gab. Grund für die Raubversuche war wohl Geld, was er dem Vater entwendet hatte und zurückgeben wollte.

Die psychiatrische Sachverständige Dr. Dina Mörth kam trotz seines Canabiskonsums zu dem Ergebnis, dass er zur Tatzeit völlig klar gehandelt habe, „ein Zustand der Schuldmilderung war nicht festzustellen”, erklärte die Ärztin.

Das Verfahren geht mit den Plädoyers und einem Urteilsspruch am 14. September (9 Uhr) voraussichtlich zu Ende.
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