Sechs Jahre Haft für Überfall auf 91-Jährigen gefordert

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Pfleger Raub
Der früherer Pfleger soll einen 91-Jährigen ausgeraubt haben. Jetzt steht er in Aachen vor Gericht. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Auf keinen Fall sei das 91-jährige Opfer aus dem Aachener Ostviertel demenzkrank gewesen, begann am Mittwoch Staatsanwältin Sabine Tandetzki ihr Plädoyer in dem Fall eines wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung angeklagten Pflegers.

Wichtig wurde die Frage, ob das betagte Opfer demenzkrank ist oder nicht in diesem Prozess vor der 9. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, weil ansonsten die Zeugenaussage gegen seinen ehemaligen Pfleger als fragwürdig einzustufen gewesen wäre. Doch laut ärztlichen Gutachten hatte der alte Mann nach dem brutalen Überfall Mitte August 2016 nur einen Schock und vorübergehende Erinnerungsausfälle davongetragen.

Bei der Tat, davon ist die Staatsanwältin überzeugt, habe Winfried S. (50) aus Aachen sein Opfer mit einem einen Elektroschocker traktiert, um an das Geld und vor allem an die Scheckkarten des Seniors zu kommen. Seit langen Jahren pflegte S. den vermögenden 91-Jährigen, der ihm als Gegenleistung nicht nur Lohn zahlte, sondern dem drogensüchtigen Helfer auch immer wieder Bares für seine Suchtmittel zugesteckt habe.

Als er jedoch den relativ hilflos alleine in seiner Wohnung lebenden Mann schon Wochen vor der jetzt angeklagten Tat um 20.000 Euro erleichtert hatte, wollte dieser den langjährigen Pfleger zunächst nicht anzeigen, ließ aber zur Vorsicht die Schlösser der Wohnung auswechseln.

Dass er die 20.000 Euro gestohlen hat, bestritt Winfried S. im Prozess nicht. Dass er allerdings den alten Mann mit Drohungen terrorisiert habe, weil dieser ihn nicht mehr in die Wohnung ließ, dem Senior die Telefonverbindung gekappt und ihm Zettel mit bedrohlichen Texten unter der Türe durchgeschoben habe, hatte S. vor der Kammer unter Vorsitz von Richterin Melanie Theiner immer wieder bestritten.

Doch er habe sich in den Besitz der Scheckkarten gebracht, um damit Geld von der Bank zu holen, beharrte die Anklägerin im Plädoyer, auch den Einsatz des Elektroschockers hält die Anklage für gegeben.

Das Opfer brach nach dem Angriff innen vor der Wohnungstüre zusammen und wurde erst am Morgen vom inzwischen engagierten Ersatzpfleger gefunden und sofort ins Krankenhaus gebracht. Für die Tat forderte Tandetzki wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung sowie versuchten Computerbetruges – nämlich Einsatz gestohlener Scheckkarten am Geldautomaten – eine Strafe von sechs Jahren und vier Monaten.

Der Prozess kippte aus tragischem Anlass beinahe, weil der erfahrene Strafverteidiger Wolfram Strauch einen Herzinfarkt erlitten hatte und gestorben ist. Strauchs Kanzlei übernahm mit Zustimmung aller Prozessparteien den Fall, hilfreich seien „die umfangreichen Aufzeichnungen“ des verstorbenen Anwalts gewesen, erklärte die Richterin. Ein Termin für das Urteil steht noch nicht fest.

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