Scooter bespaßt 3000 Fans in Eissporthalle

Von: Jan Mönch
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Zeitreise in den Technosound der 90er Jahre: Die Band Scooter - hier Sänger H.P.Baxxter - begeisterte das Publikum mit knallharten Songs und hoher Lautstärke. Foto: Florian Appelgren

Aachen. Und? Auch am Freitagabend mit einem Lächeln auf den Lippen in Richtung Eissporthalle gezogen? Auch insgeheim überzeugt gewesen, dass eine Formation wie Scooter ihren Zenit nun wirklich schon ein paar Jährchen überschritten hat?

So kann man irren - stolze 3000 Zuschauer melden die Veranstalter, als das Spektakel an der Krefelder Straße sich gerade auf dem Höhepunkt befindet. Und wer die gut gefüllte Eissporthalle gesehen hat, hat keinen Grund anzunehmen, dass hier womöglich großzügig aufgerundet wurde.

3000 Gäste - die Zahl ist schon wegen des nicht unbedingt als Schnäppchen durchgehenden Eintrittspreises von 40 Euro respektabel. Wirklich erstaunlich ist sie deshalb, weil das Projekt Scooter auf dem Höhepunkt der Dancefloor-Welle der 90er Jahre Bekanntheit erlangte. „Bumm, bumm, bumm, bumm”: Wer erinnert sich nicht? Die Charts kamen damals plötzlich mit Rhythmen und Texten aus, die auch in der frühen Steinzeit nicht durch Komplexität oder Tiefgang aufgefallen wären, es gab Projekte wie 2Unlimited, Maxx oder Captain Hollywood Project. Außerdem gab es ungezählte Eintagsfliegen.

Und es gab Scooter. Was sie von allen anderen unterscheidet: Es gibt sie bis heute. Aus irgendeinem Grund haben die drei Musiker nicht mitbekommen, dass Techno totgesagt wurde und die Neunziger vorbei sind. Sie sind lebende Dinosaurier, und sie machen noch immer Krach.

Dass zwar dem kommerziellen Erfolg, seltener aber dem künstlerischen Wert ihres Schaffens Respekt gezollt wurde, dürfte den Beteiligten herzlich egal sein. Mit einer ”explodierenden Hämorrhoide im Sonnenuntergang” verglich der Kabarettist Oliver Kalkofe die Jungs einmal. Ein Vergleich, der in Aachen schon deshalb nicht ziehen kann, weil die Eissporthalle ja ein Dach hat. Was in der Tat explodiert, ist ein gewaltiger Kanonenschlag, der das Programm einläutet und alle zurück in die Neunziger katapultiert, die noch mindestens ein Trommelfell zur Verfügung haben: ”Faster, harder, Scooter” ist der erste Titel, der nahtlos übergeht in ”Move your Ass”.

Die Hitauswahl umfasst sämtliche Krawallperioden, die Dezibelwerte lassen munter die Schneidezähne im Takt mitklappern. Außerdem wird mit greller Lasershow und allerhand Pyrotechnik aufgewartet. Das Tanzen überlässt H.P. Baxxter einer Handvoll mitgebrachter Profis, während er selbst wie ein Derwisch - und mit durchschlagendem Erfolg - das Publikum animiert. Rätselhaft bleibt nur, warum die nach wie vor chemieblonde „Rampensau” ihre Ansagen auf Englisch ins Publikum gröhlt. Zumindest passt der Fremdsprachenmodus gut zu dem Union Jack, der sich über die Brust von Herrn Baxxter spannt. Allerdings ist es wohl eh nicht Sinn und Zweck eines Scooter-Konzerts, sich besonders viele Gedanken machen. Sinn ist ein hoher Spaßfaktor. Und weil man jede Art von Kultur immer zuvorderst am Anspruch ihres Urhebers messen sollte, kann niemand behaupten, dass Scooter an diesem Abend irgendetwas falsch machen.

Ob der Spaß nun den Eintrittspreis wert war, muss jeder, der da war, für sich entscheiden. Doch gerade, weil die Neunziger nun mal weit mehr Eintagsfliegen als Dinosaurier hervorgebracht haben, kann es nicht schaden, sich die Portion Nostalgie gegönnt zu haben. Und? Auch mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause gegangen?
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