Science Fiction, die Kármán gefallen hätte

Von: Eva Onkels
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Cineastische Wanderung zwischen Fantasie und Realität: Vor dem Kármán-Auditorium erlebten am Donnerstag trotz Regens zahlreiche Zuschauer den kritischen Kurzfilm „Annunciation“ und den Science-Fiction-Streifen „Moon“– reichlich Stoff auch für Diskussionen. Foto: Andreas Steindl
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Stellte seinen Beitrag „Annunciation“ persönlich vor: Regisseur Halit Ruhat Yildiz.
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Gab spannende Einblicke in die „reelle“ Forschung: RWTH-Professor Dr. Hendrik Bluhm

Aachen. Es ist ein großes Thema: die Luft- und Raumfahrt. Teuer in der Erforschung, immer wieder heiß diskutiert, und doch bleibt sie so untrennbar mit einer der letzten großen Hürden der Menschheit, der Erkundung des Universums, verbunden, dass sie zum Forschen, Träumen und Schreiben anregt. Einer der bedeutendsten Wissenschaftler für die Luft- und Raumfahrt war der Aeronautiker Theodor Kármán, der 1963 in Aachen starb.

Daher hätte es auf den ersten Blick Kármáns wissenschaftliche Leistung sein können, die den Vorplatz des Kármán-Auditoriums mit einer „natürlichen Arena“ – wie RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven es ausdrückte – zu einem optimalen Ort für die Reihe „Filmschauplätze NRW“ machte.

Zum zweiten Mal in Aachen

Die Begründung für die Wahl des Hauptfilms „Moon“ war dann aber doch ein bisschen anders, auch wenn die Bedeutung Kármáns selbst sicherlich eine Rolle spielte. Nachdem im letzten Jahr Aachen erstmals als Spielort für die Reihe ausgewählt worden war, hatten sich die Initiatoren unter Leitung von Karl Schultheis, Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien des Landtags NRW, schnell darauf festgelegt, dass auch 2017 eine Bewerbung eingereicht werden sollte.

In Kooperation mit dem „across the borders“-Festival wurde nach einem geeigneten Ort gesucht. Praktische Überlegungen einerseits, aber auch die Bedeutung des Kármán-Auditoriums waren ausschlaggebend dafür, dass am Donnerstag rund 200 Menschen auf dem Vorplatz des Kármán Filmluft schnuppern konnten.

Heikler Stoff namens Helium-3

Die Verantwortlichen der RWTH waren von Anfang an begeistert von der Idee. Erst nachdem der Ort feststand, wurde der Hauptfilm festgelegt, denn der Wunsch der Film- und Medienstiftung NRW, die die Reihe ausrichten, ist, dass der Spielort zum Film passen solle. Da die RWTH zusammen mit den anderen Aachener Hochschulen in diesem Jahr das Projekt „Future-Lab“ fortführt, lag das Genre des Hauptfilms auf der Hand; denn was passt besser zur Zukunft als Science-Fiction?

Der Hauptfilm „Moon“ war im Jahr 2009 einer der herausragenden Beiträge dieses Genres, wenn auch in Deutschland eher wenig beachtet. Der Film von Regisseur Duncan Jones erzählt die Geschichte des Astronauten Sam, der auf dem Mond die Anlagen zur Gewinnung von Helium-3, das zur Energiegewinnung auf der Erde genutzt wird, überwacht. Kurz vor seiner Rückreise zur Erde deckt er ein schreckliches Geheimnis auf.

Professor Hendrik Bluhm vom Lehrstuhl für Experimentalphysik erläuterte vor Filmbeginn den aktuellen Nutzen von Helium-3 und ging kurz der Frage nach, wie realistisch es sei, dass Rohstoffe wie Helium-3 vom Mond zur Erde transportiert werden können. Dass es sich bei Helium-3 um ein Abfallprodukt der nuklearen Aufrüstung handelt und jedes Jahr nur etwa acht Kilogramm zur Verfügung stehen, dürfte für die meisten Zuschauer respektive Zuhörer neu gewesen sein.

Sehr viel Interesse zeigten die Gesprächspartner, Rick Takvorian vom Kulturbetrieb der Stadt und Leiter des „across the borders“-Festivals, sowie RWTH-Sprecher Thorsten Karbach für das eigentliche Forschungsgebiet des Physikers: den Quantencomputer, der in den Ohren der meisten Menschen auch noch nach Science-Fiction klingen dürfte, wenngleich die Forschung in diesem Bereich deutliche Fortschritte macht.

Ethische Fragen im Fokus

Doch was wäre ein Filmabend ohne eine Kurzfilm? „Annunciation“ war hier eine gute Wahl, vor allem, da Regisseur Halit Ruhat Yildiz auch selbst vor Ort war. Der rund 20-minüte Film wirft ethische Fragen auf, zwar weniger auf die Wissenschaft bezogen, aber schon auf das, was Wissenschaft möglich macht. Unter anderem sellt er die Frage nach der biologischen Verbundenheit von Eltern und Kindern. Yildiz studiert an der Kunsthochschule für Medien in Köln, und sein Film sorgte für einiges Aufsehen. Vor rund einer Woche erhielt Yildiz die Mitteilung, dass sein Film nominiert sei für den sogenannten Studentenoscar, der von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences vergeben wird, der gleichen Organisation, die auch die Oscars vergibt.

Theodor Kármán wäre mit dem Abend vermutlich zufrieden gewesen.

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