Aachen - Schwindsucht im Drogenhilfe-Etat und frustrierte Fraktionen

Radarfallen Bltzen Freisteller

Schwindsucht im Drogenhilfe-Etat und frustrierte Fraktionen

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
10157065.jpg
„Die Situation wieder besser kontrollieren“: Der OB räumte gestern ein, dass alle Überlegungen zur Verbannung der Drogenszene am Kaiserplatz gescheitert sind. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Beim Blick Richtung Kaiserplatz verdüstern sich die Mienen der Kommunalpolitiker jedweder Couleur mehr denn je – zumindest die der Mandatsträger im Sozialausschuss. Frust und Wut kennzeichneten die Gemütslage im Ratsgremium angesichts der jüngsten Kürzungen bei der Suchthilfe.

Denn Caritas und Diakonie kommen nicht umhin, ausgerechnet bei der Betreuung der Drogenszene im Schatten der Aquis-Plaza-Baustelle drastische Reduzierungen vorzunehmen. Eine Streetworker-Stelle muss gekappt, das Angebot des „Café Relax“ partiell zurückgefahren, die Methadon-Be- ratung reduziert werden. Den Übeltäter machten die Politiker indes bei den Verantwortlichen in der Städteregion aus – weil ebendort die Zuschüsse auf dem Niveau von 2014 eingefroren wurden.

Eisige Stimmung herrschte im Rathaus denn zumal, da die (Partei-)Kollegen im Sozialausschuss der Städteregion den Vorstoß der interkommunalen Verwaltung abgesegnet hatten. Ohnehin sei man „sehr enttäuscht“, dass die Bemühungen, endlich neue strukturelle Konzepte für die Suchtberatung zu entwickeln, auf ganzer Linie gescheitert seien, erklärte Boris Linden von der SPD diesmal quasi im Namen aller Fraktionen – trotz Einrichtung eines Runden Tisches, an dem allerdings nicht einmal Vertreter des Aachener Sozialamtes mit gesessen hätten. Statt dessen müsse man nun auch noch harte Schnitte bei der Finanzierung hinnehmen. Die Suchthilfe taxiert das Minus angesichts stetig steigender Personal- und Betriebskosten auf insgesamt rund 80.000 Euro pro Jahr.

Nur „zur Kenntnis“

Leider habe der Rat jedoch keine Möglichkeit, sein Veto gegen den Beschluss auf städteregionaler Ebene einzulegen, obwohl doch vor allem die Aachener von dessen Folgen betroffen seien. „Wir können das lediglich mit Bedauern zur Kenntnis nehmen und versuchen, auf die Fraktionen im Städteregionstag einzuwirken, damit die ihre Entscheidung revidieren“, meinte Ausschussvorsitzende Rosa Höller-Radtke (SPD) am Ende schulterzuckend.

Allein Grünen-Ratsfrau Dr. Lisa Lassay appellierte auch an die Vertreter der Suchthilfe, den Rotstift nicht ausgerechnet bei den Einrichtungen am Kaiserplatz anzusetzen. Caritas-Geschäftsführer Bernhard Verholen entgegnete, dass das Sparpaket angesichts laufender Verträge im Rahmen der Leistungsvereinbarungen kaum anders hätte geschnürt werden können. Und wies darauf hin, dass andere Schwerpunkte im breiten Spektrum des Suchthilfe-Angebots – Prävention, Hilfe für Angehörige Drogenkranker, Spielsüchtige oder Menschen mit Essstörungen – mindestens gleichen Stellenwert genießen müssten. Verholen: „Der Löwenanteil des Problems ist eben nicht auf der Straße zu sehen.“

So blieben beim Blick Richtung Kaiserplatz auch nach längerer Debatte – siehe oben: vor allem Frust und Wut. „Warum manche Menschen in dieser Stadt immer noch hoffen, dass sich die Problemlage nach der Eröffnung des Aquis Plaza quasi von allein erledigt, erschließt sich mir jedenfalls nicht“, resümierte Boris Linden zähneknirschend. Auch diesmal widersprach ihm niemand.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert