Schwimmhallen: 890.000 Badegäste reichen nicht

Von: Robert Esser
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Baden mit Stil: Die Elisabethhalle zählte 2012 – trotz Sanierungspause – fast 100.000 Besucher. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Fast fünf Euro müsste jeder Schwimmer pro Besuch mehr zahlen, damit Aachens Schwimmhallen nicht länger in der Verlustzone baden gehen. Obwohl vergangenes Jahr 890.034 Besucher (37.215 mehr als 2011) in den Becken auftauchten, ist das Minus des gesamten Badebetriebs auf 4,16 Millionen Euro gewachsen.

Das sind 260.000 Euro mehr als im Vorjahr – und gut 1,3 Millionen Euro mehr als noch vor zehn Jahren, wie aus der jüngsten „Analyse der wirtschaftlichen Situation der städtischen Schwimmsportstätten“ hervorgeht. Zu befürchten ist, dass dieses Millionendefizit nun Jahr für Jahr größere Löcher reißt.

Hauptgründe im Jahresvergleich: Die etwas höheren Einnahmen aus Eintrittsgeldern (plus 86.000 Euro) können erhebliche Mehrkosten für Personal (plus 208.500 Euro wegen 3,5 Prozent Tariferhöhung), Gebäudeunterhaltung (plus 84.800) und vor allem Energie (plus 150.800) bei weitem nicht abfedern. Wassertemperaturen von 27 Grad Celsius (Schwimmhalle Brand und Ulla-Klinger-Halle), 28 Grad (Elisabethhalle und Schwimmhalle Süd), 32 Grad in Lehrschwimmbecken sowie wohltemperierte Hallen schlagen spürbar zu Buche. Allein die Energiekosten haben sich seit 2003 fast verdoppelt – auf mittlerweile 1,28 Millionen Euro im Jahr 2012. Was nicht zuletzt neuen Netzentgelten, Offshore-Umlagen und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu verdanken ist.

So summiert sich der finanzielle Mehraufwand der öffentlichen Hand auf fast 400.000 Euro. 1,6 Millionen Euro an Erlösen (plus 140.000) stehen Aufwendungen in Höhe von 5,76 Millionen Euro gegenüber. Trotzdem gibt es derzeit laut Fachbereich Sport noch keine Überlegungen, erneut an der Eintrittspreisschraube zu drehen. Seit 2008 zahlt ein Erwachsener für ein Einzelticket 3,30 Euro. Die 20er-Karte (Bonuskarte Plus) gibt‘s für 48 Euro.

Die Verwaltung erwartet allerdings, dass die Kosten für technische Instandsetzungen in den kommenden Jahren steigen. Schließlich liege das große Sanierungsprogramm für die städtischen Schwimmbäder mittlerweile rund zehn Jahre zurück. Reparaturen fallen wieder häufiger an. So mussten zum Beispiel im Freibad Hangeweiher morsche Holzgeländer am Umkleidegebäude durch Metallgeländer ersetzt werden.

Ziel der Stadt ist es, pro Jahr mindestens 900.000 Besucher in die Schwimmbäder zu locken. Denn: „Bereits seit vielen Jahren ist allgemein ein Rückgang der Badegäste in den Schwimmbädern festzustellen“, heißt es in einer Vorlage für den Sportausschuss, der am Donnerstag, 12. Dezember, tagt. Erheblichen Einfluss auf die Besucherbilanz hat die Freibadsaison, die wiederum extrem wetterabhängig ist. Knapp 93.000 Sonnenhungrige strömten 2012 von Mai bis September in den Hangeweiher. 2013 Jahr zählte man gut 4000 Besuche mehr. Im Rekordsommer 2006 hatte das Freibad die Gesamtzahl der Aachener Badegäste auf gut 997.000 katapultiert.

Je weniger Gäste kommen, desto höher fällt der Zuschuss pro Badebesuch aus: 4,40 Euro Kosten verursachte 2003 jeder Badegast; auf den durchschnittlichen Eintrittspreis legte die Stadt 2,94 Euro drauf. 2012 betragen die Kosten pro Schwimmbadbesuch 6,47 Euro; 4,68 Euro schießt die Stadt bei jedem Ticket zu – Tendenz steigend. Wodurch letztlich auch die Bilanz weiter baden geht.

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