Schwertbad will Neubau an der Jägerstraße

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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Bleibt das Schwertbad im Burtscheider Kurgebiet – oder nicht? Das jetzige Gebäude an der Benediktinerstraße ist zu klein, um alle Angebote aufzunehmen zu können oder gar zu expandieren. Bis Mitte 2017 muss die derzeit gemietete Rheumaklinik am Burtscheider Markt geräumt sein. Die neue Schwertbad-Betreiberin Inoges AG kommt hier mit den Vermietern nicht auf einen Nenner. Als Standort für einen großen Neubau hat man jetzt die ehemalige Philips-Fabrik (heute BLB/RWTH) an der Jägerstraße ins Visier genommen. Foto: Andreas Steindl
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Bald Wohnungen statt Therapien: Die Rheumaklinik muss bis Mitte 2017 geräumt sein. Ein Angebot der Vermieter über eine Vertragsverlängerung bei fünf Euro pro Quadratmeter Miete ist dem Schwertbad zu teuer.
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„Keine echte Zukunftsoption“: Der heutige Standort des Schwertbads an der Benediktinerstraße ist zu klein. Foto: Michael Jaspers
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Favorit Jägerstraße in Burtscheid: Erst Radios und Rasierer, dann RWTH-Forschung und -Lehre, bald das Aachener Kurzentrum?

Aachen. Diese Geschichte dreht sich um zig Millionen Euro, um knapp 250 aktuelle plus vielleicht 300 neue Jobs und um die Zukunft des Kurwesens in Burtscheid. Und in dieser Geschichte spielt einer eine nicht unwesentliche Rolle: der Schwarze Peter.

 Nun, die Geschichte der Angst um die Arbeitsplätze und die Frage nach Millioneninvestitionen ist nicht neu, wenn es ums Schwertbad geht. Sie wird seit Jahren fortgeschrieben. Nun ist sie jedoch um einige Facetten reicher geworden. So etwa um jene, dass die Inoges AG, die das Schwertbad 2015 von der Marienhaus GmbH übernahm, offenbar doch noch ein Grundstück für einen Neubau in Burtscheid gefunden hat. Nach AZ-Informationen handelt es sich dabei um die ehemalige Fabrik in der Jägerstraße, in der ab 1934 Philips Radiogeräte und Rasierer montierte.

Die Flächen gehören inzwischen dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB). Beheimatet sind dort mehrere RWTH-Institute, die dann ebenfalls umziehen würden. Derzeit laufen Gespräche über den Verkauf an die Inoges AG. Am Donnerstag gab es dazu einen Termin beim Wirtschaftsministerium in Düsseldorf, als „Türöffner“ fungiert Aachens SPD-Landtagsabgeordneter Karl Schultheis. Es sehe gut aus, sagte Inoges-Chef Wolfgang K. Hoever anschließend. 60 Millionen Euro will er in Burtscheid investieren und eben 300 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Anfangs hatte er von einer Investition in Höhe von 20 bis 30 Millionen gesprochen, doch jetzt zeichne sich ein deutlich höherer Bedarf ab.

Das klingt zunächst alles prima. Doch die Geschichte hat einen Haken. Derzeit agiert die Inoges AG mit ihrer Marke „Salvea“ etwa zur Hälfte im Schwertbad und zur anderen Hälfte im früheren Landesbad, der Rheumaklinik. Letzteres Gebäude hatte die Marienhaus-Gruppe jedoch bereits 2013 an die Aachener Investoren Martin Wibelitz und Ilker Simons (Reaq, vormals Hess & Partner) verkauft. Diese bekundeten, schmucke Wohnungen dort platzieren zu wollen. Zunächst jedoch mietete die Marienhaus-Gruppe die Räume zurück. Diesbezüglich wurde ein Vertrag bis Mitte 2017 geschlossen. Bis dahin wollte die Marienhaus-Gruppe längst mit einem Neubau zu Potte gekommen sein, dessen Fertigstellung einst für Ende 2016 vorgesehen war. Bekanntlich ist es anders gekommen.

Dann übernahm die Inoges AG das Ruder – und den Mietvertrag. Dieser läuft Ende Juli 2017 aus. Was dann? Eine Frage, die sich lange Zeit nicht nur die Schwertbad-Leute stellten, sondern auch die Vermieter. Soll der Mietvertrag verlängert werden? Oder nicht?

Mitte Juni schließlich wurde ein Fernsehbeitrag ausgestrahlt, in dem Inoges-Chef Hoever bekundete, dass die Konditionen für eine Vertragsverlängerung in der Rheumaklinik für ihn unannehmbar seien. Er sprach davon, dass die Vorstellungen über Mietpreise zwischen jenen, die im Gesundheitswesen agieren, und jenen, die Immobilien vermieten, weit auseinandergehen. Womit wir beim Schwarzen Peter wären. Der haftete nun Wibelitz und Simons als Vermieter an. Denn wie sollte das Schwertbad in Burtscheid bloß mit der Hälfte der Fläche überleben?

Die Ängste der Mitarbeiter um die Zukunft kamen gleich wieder hoch. Hoever sprach zwar in dem Beitrag auch davon, dass man in Sachen Neubau kurz vor einer Entscheidung stehe. Doch fehlen ohne die Rheumaklinik bis zu dessen Realisierung eben mehrere tausend Quadratmeter für die ambulanten Dienstleistungen.

Gegen die Aussagen setzen sich Simons und Wibelitz vehement zur Wehr: „Wir verbitten uns, als Totengräber des Schwertbades dargestellt zu werden“, sagt Simons energisch. Zunächst habe man darauf gewartet, dass sich jemand von Seiten des neuen Schwertbad-Besitzers wegen des Mietvertrages meldet. Da habe jedoch Funkstille geherrscht. Im November 2015 habe man dann zum ersten – und letzten – Mal ein persönliches Gespräch mit Hoever führen können. „Wir haben es immer wieder telefonisch, per SMS, per Mail versucht. Erfolglos“, fügt er hinzu.

Im Mai dann habe es ein Gespräch mit dem von der Inoges engagierten Anwalt Christoph Schmitz-Schunke (Aachen) gegeben. Dabei habe man ein Angebot unterbreitet: dass das Schwertbad die Rheumaklinik bis zur Fertigstellung eines Neubaus weiter mieten könne. „Wir haben als Mietpreis fünf Euro pro Quadratmeter angeboten“, sagt Simons. Wer die Mietpreise in Burtscheid kennt, weiß, dass sie eigentlich deutlich höher liegen. Zudem boten die Investoren an, der Inoges das Schwertbad und eine benachbarte Baugrube abzukaufen, wie es einst schon mit der Marienhaus GmbH verhandelt worden war.

Die Schwertbad-Flächen hätten dann bis zum Umzug ebenfalls für fünf Euro pro Quadratmeter zurückgemietet werden können. Laut den Investoren, die zwischenzeitlich mit Helmut Reitz ebenfalls einen Aachener Anwalt eingeschaltet hatten, sei dieses Angebot beim Anwalt der anderen Seite gut angekommen. Doch dann sei völlig überraschend besagter TV-Beitrag ausgestrahlt worden. Bis zuletzt habe man dennoch Verhandlungsbereitschaft gezeigt, obwohl eigentlich die Schmerzgrenze erreicht sei. Schließlich brauche man für eigene Pläne zur Entwicklung der Rheumaklinik – das Gesamtvorhaben firmiert wegen der Temperatur der Burtscheider Quellen unter dem Titel „Quartier 74 Grad“ – auch Vorlaufzeit. Begonnen hat bereits der erste Bauabschnitt, in den ein Notariat einziehen wird. Die Rheumaklinik könnte der zweite sein, das Schwertbad der Idee nach langfristig der dritte.

Doch aus letzterem Plan wird nichts. Hoever betonte gegenüber der AZ, dass ein Verkauf und die Rückmietung des Schwertbads nicht infrage kämen. Da daran der Mietpreis in der Rheumaklinik gekoppelt worden sei, könne es schon deswegen keine Vertragsverlängerung geben. Aber auch sonst seien fünf Euro pro Quadratmeter wirtschaftlich nicht darstellbar. „Wir haben das hier in einer wirtschaftlichen Schieflage übernommen“, so der Inoges-Chef. Wobei grundsätzlich der operative Start in Aachen blendend gelungen sei. Für die Vermieter habe er sogar Verständnis, es gebe halt verschiedene Sichtweisen der Dinge. Stimmt, denn die sehen die fünf Euro schon fast als geschenkt an.

So aber wird sich das Schwertbad Alternativen suchen müssen. Hoever ist zuversichtlich, dass das „mit kleinen Einschränkungen“ gelingt. Dennoch werde es eine „anspruchsvolle Zeit“. Er verspricht, dass keine Jobs gefährdet seien. Ungefähr bis 2020 soll dann der Neubau mit 250 bis 300 Betten und umfangreichem ambulantem Angebot stehen. Die Jägerstraße ist die einzige Möglichkeit, im Herzen von Burtscheid zu bleiben. Hoever bekundet, das unbedingt zu wollen. Wenn das nicht klappt, käme nur ein Standort außerhalb Burtscheids infrage. „Aber das wäre nur die allerletzte Alternative.“

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