Schwertbad: Verdi droht jetzt mit Streik

Von: Oliver Schmetz
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Für die Mitarbeiter des Schwertbades ist das Maß voll: Heute treffen sie sich wieder – wie auf unserem Foto vor knapp zwei Wochen – zu einer zeitlich begrenzten Protestaktion in der Burtscheider Fußgängerzone, danach stehen die Zeichen auf Streik. Der Grund: Sie verdienen laut Verdi 20 bis 25 Prozent weniger als in vergleichbaren Reha-Kliniken. Foto: Harald Krömer

Aachen. Für Harald Meyer ist das Maß voll. Und der Verdi-Gewerkschaftssekretär ist sich sicher, dass er dabei mit der überwältigenden Mehrheit der rund 150 Beschäftigten des Burtscheider Schwertbades einer Meinung ist. „Die Leute sind dort sehr aufgebracht“, sagt Meyer, „und sie wollen nicht weiter immer nur stillhalten.“

Nach „vier Verhandlungsrunden ohne verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeberseite“ seit November müsse nun endlich Bewegung in den Tarifstreit kommen, fordert er.

Wenn Gewerkschafter solche Sätze in den Mund nehmen, klingt das nach Streik – und genau dies droht der Reha-Klinik im Herzen Burtscheids nun auch in Kürze. Denn Verdi stellt der Arbeitgeberseite – das Schwertbad gehört wie die Rheumaklinik und das Franziskushospital zur Marienhaus Holding GmbH im rheinland-pfälzischen Waldbreitbach – jetzt ein Ultimatum: Wenn der Arbeitgeber bis zum 15. Mai nicht reagiert, „werden wir zum Streik aufrufen“, kündigt Meyer an und unterstreicht dies mit unmissverständlichen Worten: „Die zur katholischen Kirche gehörende Konzernmutter sollte begreifen, dass man hier mit Verdi verhandelt hat – und eine Gewerkschaft tut nach gescheiterten Verhandlungen, was sie tun muss.“

Es geht wie immer in Tarifkämpfen ums Geld. Doch in diesem Fall geht es laut Verdi für die 150 Schwertbad-Mitarbeiter um sehr viel Geld, auf das die Belegschaft auch schon seit langer Zeit verzichtet. Denn die Gewerkschaft fordert einen Haustarifvertrag oder einen Anerkennungsvertrag, der sich am Tarif des öffentlichen Dienstes orientiert. Das wäre für die Schwertbad-Beschäftigten ein finanzieller Quantensprung, denn bisher liegt man laut Meyer dort 20 bis 25 Prozent unter diesen Gehältern, die die Marienhaus Holding allerdings ihren übrigen rund 13 800 Mitarbeitern zahle – auch den Beschäftigten in der benachbarten Rheumaklinik.

Für Meyer ist dieses Gehaltsgefälle bei gleicher Arbeit, das bei einer Krankenschwester rund 500 Euro monatlich ausmache, nicht akzeptabel. Zumal bei einem kirchlichen Konzern: „Es kann nicht sein, dass die katholische Kirche als sozialer Arbeitgeber auftritt und dann solche Arbeitsverträge macht.“ Als nicht akzeptabel und teils sogar „unglaublich“ erachtet der Verdi-Mann auch die „Almosen“, mit denen der Arbeitgeber die Belegschaft bislang abgespeist habe. Da habe es mal Tankgutscheine, mal dubiose Reisegutscheine für verbilligte Flüge nach Dubai gegeben.

Zu dieser Vielzahl der Vorwürfe mag sich die Marienhaus Holding trotz detaillierter und zweifacher Nachfrage gegenüber der AZ nicht konkret äußern. Heribert Frieling, der Leiter der Unternehmenskommunikation des Kirchen-Konzerns, verweist auf eine Stellungnahme vom 26. April, als Verdi erstmals eine Protestaktion mit einer „aktiven Mittagspause“ in Aachen veranstaltete. Darin heißt es, dass die Vertreter der Schwertbad GmbH „die Situation in der stationären Rehabilitation offen gelegt und zugleich deutlich gemacht haben, dass der von Verdi geforderte Tarif von einer Reha-Klinik derzeit nicht geleistet werden kann“. Momentan werde eine Neuorganisation dieses Bereichs diskutiert, Mitte des Jahres solle eine Entscheidung fallen. Sobald dies geschehen sei, werde man die Gespräche mit Verdi wieder aufnehmen, „um zu einer für beide Seiten zufriedenstellenden Lösung zu kommen“.

So lange wollen Gewerkschaft und Belegschaft indes nicht mehr warten. Die Mitarbeiter, die laut Verdi mehr als zwölf Jahre keine Lohnerhöhung erhalten haben, treffen sich heute Mittag um 12 Uhr in der Burtscheider Fußgängerzone wieder zu einer Protestaktion. Danach stehen die Zeichen auf Streik.

Doch auch zu dieser aktuellen Drohung mit einer Verschärfung des Arbeitskampfes mag sich der Arbeitgeber nicht konkret äußern: „Für uns hat sich da nichts geändert“, sagt Frieling.

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