Aachen - Schwertbad: Tauziehen um die Kurkliniken geht weiter

Schwertbad: Tauziehen um die Kurkliniken geht weiter

Von: Matthias Hinrichs
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Hoffen und Bangen: Während im Rathaus über zwei Stunden lang die Köpfe rauchten, harrten etliche Mitarbeiter der Kurkliniken auf dem Markt aus. Am Ende erfuhren sie nur, dass die Gespräche fortgesetzt werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Beruhigungspille oder schwierige, aber erfolgversprechende Operation? Die Frage stand den knapp 50 Mitarbeitern von Schwertbad und Rheumaklinik, die Montagabend bis zuletzt auf dem Markt ausgeharrt hatten, ins Gesicht geschrieben, als Schwester Maria Basina Kloos, Vorstandsvorsitzende der Marienhaus-Stiftung, nach zweieinhalbstündigem Krisentreffen das Rathaus verließ.

Und mit ihr eine vielköpfige Delegation hochrangiger Vertreter des katholischen Klinikträgers nebst OB Marcel Philipp, Politikern aller Ratsfraktionen, DGB-Chef Ralf Woelk und nicht zuletzt der Chefin der Arbeitsagentur, Gabriele Hilger. Einen wirklichen Durchbruch konnten sie freilich auch diesmal nicht verkünden. Immerhin so viel unterstrichen alle Beteiligten des brisanten Austauschs im Ratssaal: Das Ringen um den Fortbestand der Burtscheider Kurkliniken – und damit die Arbeitsplätze von rund 270 Beschäftigten – geht weiter.

Um diplomatische Streicheleinheiten war die Ordensfrau aus dem rheinland-pfälzischen Waldbreitbach, dem Hauptsitz der Stiftung, indes auch nach dem offenbar äußerst heftigen Tauziehen hinter verschlossenen Türen nicht verlegen. „Harald Meyer von Verdi ist heute wirklich über seinen Schatten gesprungen – aber wir haben noch keine Lösung gefunden“, sagte Schwester Basina. „Ich danke Ihnen allen, dass sie auch in dieser schwierigen Situation durchhalten.“ Der Gewerkschaftssekretär habe bei der fieberhaften Suche nach einem Kompromiss zwischen drastischen Lohneinbußen und der Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft am Standort Aachen neue Möglichkeiten ins Gespräch gebracht, den Knoten zu durchschlagen. Die Verhandlungen würden bereits in den nächsten Tagen fortgesetzt.

Konkreter äußerte sich angesichts dessen auch Meyer nicht. „Wir sind weiter bereit, den Kollegen auch einen Gehaltsverzicht nahezubringen – sofern die Geschäftsführung sich unseren Forderungen annähert und vor allem einer gemeinsamen Lösung in Sachen Tarifvertrag für alle zustimmt, also auch die Klinikärzte, die bislang von den geplanten Streichungen ausgenommen waren“, sagte er. Denn Einbußen von über 20 Prozent der Bezüge seien für die knapp 100 Mitarbeiter der Rheumaklinik, von denen zu Beginn rund 70 auf dem Markt demonstriert hatten, schlechterdings nicht zu verkraften. Bereits vor einem Monat war eine entsprechende Forderung der Arbeitgeber vom Großteil der Beschäftigten abgeschmettert worden.

5700 Unterschriften für den Erhalt der fusionierten Kliniken hatte der Betriebsratsvorsitzende Frank Stehr auf den Runden Tisch gewuchtet, an dem auch Marienhaus-Geschäftsführer Dr. Günter Merschbächer, der CDU-Bundestagsabgeordnete Rudolf Henke sowie SPD-Chef Karl Schultheis Platz genommen hatten. „Wir haben alle Möglichkeiten intensiv ausgelotet“, unterstrich Merschbächer, „obwohl wir bereits Zugeständnisse gemacht haben, die sich im zweistelligen Millionenbereich bewegen.“ Auch der OB freilich sprach von einer „weiterhin sehr ernsten Situation“. Aber: Die Stadt werde alles tun, um dem Klinikbetreiber mit Blick auf den geplanten 30-Millionen-Neubau an der Benediktinerstraße entgegenzukommen. „Wenn das Vorhaben weiter konkretisiert wird, sind wir bereit, das Verfahren zu beschleunigen.“

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