Schwertbad soll als „Leuchtturm“ strahlen

Von: Oliver Schmetz
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Das Schwertbad soll im Herzen Burtscheids bleiben: Der neue Besitzer will das alte Rheumaklinikgebäude (Bildmitte) von den Investoren zurückkaufen, die dort eigentlich Luxuswohnungen bauen wollen. Die Pläne für einen Neubau an anderer Stelle wären damit vom Tisch. Foto: Andreas Steindl
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Wieder im Blickfeld: die alte Baugrube an der Benediktinerstraße, wo vor Jahren schon einmal eine Klinikerweiterung geplant war. Foto: Andreas Steindl
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Der neue Besitzer: Wolfgang K. Hoever, Vorstandsvorsitzender des Krefelder Reha-Spezialisten Inoges AG. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Morgendliche Mitarbeiterversammlungen waren im Schwertbad zuletzt alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Eher verbreiteten sie Angst und Schrecken unter den rund 240 Mitarbeitern, die immer wieder von ultimativen Schließungsdrohungen und drastischen Lohnverzichtsforderungen geplagt wurden.

Doch an diesem Freitag ist in der Reha-Klinik im Burtscheider Kurgebiet alles anders. „Alle sind sehr erleichtert“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Frank Stehr nach der morgendlichen Mitarbeiterversammlung. „Hier haben sich in der Vergangenheit viele Dramen abgespielt, aber jetzt ist klar, dass es weitergeht, und wir sind guter Hoffnung.“

Das ist auch dem Mann nicht entgangen, den man als den Garanten für den Fortbestand des traditionsreichen Hauses – der ältesten Reha-Klinik Deutschlands, wie an diesem Morgen betont wird – bezeichnen kann. „Ich habe überwiegend in entspannte und sogar freudige Gesichter geschaut“, berichtet Wolfgang K. Hoever und spricht danach von einem „hoch motivierten und gut qualifizierten Team“ und vom „riesigen Potenzial“ des Hauses, das er einen „Rohdiamanten“ nennt.

20 bis 30 Millionen sollen fließen

Hoever hat sich das potenzielle Schmuckstück gesichert. Seine Inoges AG, eine auf Reha-Angebote spezialisierte Unternehmensgruppe mit Zentrale in Krefeld, hat das Schwertbad von der Marienhaus-Gruppe übernommen. Und auch für diesen Vorbesitzer, der in Aachen wegen des Umgangs mit der Belegschaft heftig in der Kritik stand, findet der Inoges-Vorstandsvorsitzende lobende Worte.

„Die haben hier viel Geld reingesteckt“, sagt er, während sich Marienhaus-Geschäftsführer Dr. Günter Merschbächer darüber freut, „nach langem und zähen Ringen eine gute Zukunftslösung für das Schwertbad gefunden zu haben“.

Mehr als ein Jahr lang hat man verhandelt, jetzt will man Gas geben. „Die Zeit drängt“, sagt Hoever, der auch einiges an Geld mitbringt. 20 bis 30 Millionen Euro wolle sein Unternehmen investieren, aber in erster Linie setze er auf innovative Konzepte, um in Burtscheid „einen Leuchtturm“ in der Reha-Landschaft zu erschaffen.

So will Hoever etwa neue Zielgruppen ansprechen, indem er im Schwertbad für Selbstzahler Gesundheitsangebote ansiedeln will, die sich an eine normale Reha anschließen könnten. Und auch ausländische Patienten will er vermehrt in sein Haus locken, etwa aus dem arabischen Raum, wo deutsche Kliniken ein hohes Ansehen genießen. „Eine solche Entwicklung würde sicher auch einen erheblichen Kaufkraftzuwachs für Burtscheid bedeuten“, sagt Hoever.

Zumal das Haus dort bleiben soll, wo es ist. Pläne für einen Neubau an anderer Stelle sind vorerst vom Tisch. In Burtscheid selber gäbe es kaum ein passendes Grundstück, und bei einem Abwandern aus dem Kurgebiet laufe die Stadt Gefahr, den Titel „Bad Aachen“ zu verlieren, beschreibt der neue Eigner das Dilemma. Stattdessen gerät die Baugrube an der Benediktinerstraße ebenso wieder in den Blick wie das alte Rheumaklinikgebäude, in dem man nur noch als Mieter logiert, seit die Marienhaus-Gruppe es verkauft hat.

Dort wollen zwei Aachener Investoren eigentlich Luxus-Wohnungen bauen, aber Hoever schwebt ein Rückkauf vor. „Erste vorsichtige Gespräche“ habe es bereits gegeben, sagt er. „Wenn das klappt, dann haben wir wirklich eine entspanntere Situation.“

Von Lohnverzicht ist im Übrigen keine Rede mehr, die Belegschaft genieße „umfassenden Bestandsschutz“, sagt Hoever. Allenfalls müssten Abstriche bei Lohnzuwächsen hingenommen werden, heißt es. Einen Tarifvertrag gibt es allerdings nicht – doch gab es den auch vorher nicht. In der Belegschaft überwiegt an diesem Morgen deshalb die Freude über „eine hoffnungsvolle Botschaft“, wie eine Mitarbeiterin sagt. „Das Bangen hat heute ein Ende“, beschreibt eine andere ihre „große Erleichterung“. Und nach den Jahren der Angst klingt das schon fast nach Vergnügen.

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