Aachen - Schwertbad: Jetzt erhält der Bischof Besuch

Schwertbad: Jetzt erhält der Bischof Besuch

Von: Oliver Schmetz
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Da legst Du dich nieder: Die Mitarbeiter der Burtscheider Reha-Klinik Schwertbad – hier bei einer Protestaktion in der Mittagspause vorige Woche – sind förmlich geplättet, weil sie 20 bis 25 Prozent unter Tarif bezahlt werden. Am Dienstag wollen sie den ganzen Tag streiken. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das Ultimatum ist verstrichen, jetzt folgt die Konsequenz: Weil der Arbeitgeber bis zum 15. Mai kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt hat, ruft die Gewerkschaft Verdi die rund 150 Beschäftigten des Burtscheider Schwertbades im seit sechs Monaten andauernden Tarifstreit jetzt erstmals zum Warnstreik auf.

Am kommenden Dienstag, 21. Mai, wird die Reha-Klinik ganztägig bestreikt – „von der frühesten Frühschicht bis zur spätesten Spätschicht“, kündigt Verdi-Sekretär Harald Meyer an.

Diese Verschärfung des Arbeitskampfes mit der katholischen Marienhaus Holding GmbH in Rheinland-Pfalz, zu der das Schwertbad ebenso gehört wie die benachbarte Rheumaklinik, hält der Gewerkschafter allemal für gerechtfertigt. Nach vier ergebnislosen Verhandlungsrunden seit dem vergangenen November will Verdi den eigenen Forderungen Nachdruck verleihen.

Schließlich verdienen die Mitarbeiter des Schwertbades seit geraumer Zeit 20 bis 25 Prozent weniger als ihre Kollegen in der Rheumaklinik – was bei einer Krankenschwester bei vergleichbarer Arbeit rund 500 Euro weniger im Monat ausmacht. „Auch ein katholischer Gesellschafter muss die Spielregeln des Tarifrechts begreifen, und dazu gehört eben auch, dass die Beschäftigten ihre Stärke durch einen Warnstreik demonstrieren“, sagt Meyer.

Ziemlich fassungslos ist der Verdi-Mann im Übrigen über den Umstand, dass der Arbeitgeber die in solchen Fällen übliche schriftliche Fixierung einer Notdienstvereinbarung für die Klinik verweigert hat: „Das ist sehr ungewöhnlich, so etwas habe ich noch nie erlebt.“ Allerdings werde man seitens der Mitarbeiter natürlich dafür sorgen, dass die Patienten unter dem Warnstreik nicht über Gebühr zu leiden hätten, versichert er.

Man unterschreibe keine Notdienstvereinbarung, „um keine Präjudizienz für zukünftige Streikmaßnahmen zu schaffen“, heißt es in einem Schreiben der Reha-Klinik Schwertbad an Verdi, das der Sprecher der Marienhaus GmbH, Heribert Frieling, der AZ zur Verfügung stellt. Für Nicht-Juristen: Der Arbeitgeber ist wohl in Sorge, auf diesem Wege künftige Streikmaßnahmen zu legitimieren.

Notdienstvereinbarungen wolle man sich nicht verschließen, erklärt Frieling. Darüber könne man gerne verhandeln – allerdings ohne schriftliche Festlegung. Außerdem habe man allen Mitarbeitern – und auch Verdi – einen Workshop Anfang Juni avisiert, auf dem man mit „Transparenz und Offenheit“ die angespannte Situation und die künftige Entwicklung des Schwertbades diskutieren wolle. „Unsere Hand ist nach wie vor ausgestreckt“, betont der Sprecher.

Allerdings ist in dem Schreiben auch von der „befürchteten Störung“ die Rede, die der Warnstreik verursache. Genannt werden Nachteile für Patienten, Schadenersatzansprüche der Kostenträger und zukünftige Belegungsprobleme. „Dieser eintretende Schaden führt die Einrichtung in eine existenzgefährdende Situation“, heißt es durchaus drohend an die Adresse von Gewerkschaftern und Belegschaft. Die werden sich am Dienstag um 9 Uhr vor dem Schwertbad treffen und gegen 10 Uhr zu einem Demozug durch die Innenstadt aufbrechen.

Auch der Dom liegt auf der Strecke, und das ist kein Zufall. Man will dem Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff einen Besuch abstatten und ihn auf das Treiben eines Konzerns mit katholischen Wurzeln in Aachen aufmerksam machen, für das Harald Meyer nur ein Wort übrig hat: „unchristlich“.

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