Schwertbad: Betreiber droht mit Schließung zum 30. September

Von: os
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Droht dem Kurwesen im Herzen Burtscheids das Aus? Schwertbad (r.) und ehemalige Rheumaklinik (hinten) – mittlerweile in einem Haus zusammengelegt – könnten schon Ende September schließen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Manche Mitarbeiter brachen bei der Nachricht in Tränen aus, andere reagierten mit Wut, wieder andere wollen die Hoffnung gleichwohl noch nicht ganz aufgeben – aber klar ist, dass sich die Situation im Schwertbad dramatisch zuspitzt.

Am Mittwoch wurden die rund 270 Mitarbeiter des Hauses, in dem die beiden Kurkliniken Rheumaklinik und Schwertbad zu Jahresbeginn zusammengeführt worden sind, von ihrem Betriebsrat per Aushang darüber informiert, dass der Arbeitgeber mittlerweile konkrete Schließungspläne vorgelegt hat: Spätestens zum 30. September dieses Jahres will die katholische Marienhaus Gmbh den traditionsreichen Kurstandort im Herzen Burtscheids dicht machen – es sei denn, die Mitarbeiter verzichten vorher doch noch „freiwillig“ auf erhebliche Teile ihres Gehalts, um den Fortbestand der Reha-Klinik zu sichern.

Die Forderung nach Gehaltsverzicht ist derweil nicht neu; sie wird bereits seit vorigem Sommer erhoben. Mal war von 20 Prozent die Rede, mal von etwas mehr, mal von etwas weniger. Zuletzt gab es ein knallhartes Ultimatum: Wenn die Mitarbeiter nicht bis zum 30. April auf 20 bis 25 Prozent ihres Geldes verzichten, sei eine Schließung unvermeidlich, hieß es. Die Resonanz in der Belegschaft war relativ überschaubar, kaum jemand der rund 100 alten Rheumaklinik-Mitarbeiter wollte die neuen Verträge unterschreiben – weswegen der christliche Konzern die Daumenschrauben jetzt wohl etwas weiter anzieht und erstmals einen Schließungstermin nennt.

Betriebsratsvorsitzender Frank Stehr mag gleichwohl auf AZ-Anfrage nicht von einem neuerlichen „Ultimatum“ sprechen, auch wenn er einräumt, dass die Zeit für Verhandlungen nun ausgesprochen knapp wird. „Der Arbeitgeber hält damit die Drohkulisse aufrecht, aber es ist kein Schließungsbeschluss“, sagt er. Der könnte allerdings schon bald auf der Tagesordnung stehen. Dem Vernehmen nach trifft sich der Vorstand der Marienhaus-Stiftung Mitte Juni, dann müsste die Entscheidung fallen. Der Agentur für Arbeit in Aachen jedenfalls hat das Unternehmen schon einmal vorsorglich mitgeteilt, dass ihr eine Meldung bezüglich einer Massenentlassung wegen Schließung ins Haus flattern könnte.

Das bestätigt Heribert Frieling, der Sprecher der Marienhaus GmbH, der aber auch betont, dass dem Betriebsrat neben dem Schließungsszenario ein neuerliches Gesprächsangebot mitgeteilt worden sei. „Wir wollen keine Schließung, wir strecken die Hand aus“, sagt er. Allerdings sagt Frieling auch, dass es „ohne Gehaltsverzicht keine Lösung geben kann“, weil die Reha in Deutschland nicht auskömmlich finanziert werde.

Mit welchem Beitrag die Mitarbeiter die Reha in Aachen nach den Vorstellungen des Arbeitgebers künftig mitfinanzieren sollen, hat der Betriebsrat jetzt exakt berechnet: Zwischen 21,7 und 26.7 Prozent soll sich der Gehaltsverzicht je nach Berufsgruppe bewegen. Darüber wird verhandelt, was schwierig werden dürfte: „Die Fronten sind sehr verhärtet“, sagt der Betriebsratsvorsitzende.

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