Aachen - Schwertbad: Beschäftigte müssen weiter zittern

Schwertbad: Beschäftigte müssen weiter zittern

Von: Oliver Schmetz
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Symbole der Hoffnung: Mitarbeiter des von der Schließung bedrohten „neuen“ Schwertbades entzündeten am Freitag in der Burtscheider Fußgängerzone Kerzen und verteilten grüne Schals und Schleifen.

Aachen. Die Zitterpartie um den Kurstandort Burtscheid und um die Zukunft von 270 Beschäftigten geht auch über die Pfingsttage weiter: Am Freitag hat der Stiftungsvorstand der Marienhaus-Stiftung, der die mittlerweile zusammengelegten Reha-Kliniken Schwertbad und Rheumaklinik gehören, doch nicht die von vielen erwartete Entscheidung über die traditionsreichen Häuser gefällt.

Schließung oder Erweiterung mit einem 30-Millionen-Neubau? „Aufgrund der Tragweite“ des Beschlusses werde diese Frage erst nach Pfingsten beantwortet, dann allerdings „zeitnah“, wurde dem Betriebsrat des Schwertbades am Freitagnachmittag schriftlich mitgeteilt.

Tags zuvor war die letzte Frist abgelaufen, binnen derer sich die ehemaligen Rheumaklinik-Mitarbeiter noch zu einem rund 20-prozentigen Lohnverzicht bereit erklären konnten. Diesen hatte die Geschäftsführung des katholischen Kirchenkonzerns als Grundvoraussetzung für den Fortbestand der Reha-Klinik und für weitere Investitionen in den Standort gefordert – und darüber zuletzt auch mit dem Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung geschlossen.

Doch die Bereitschaft der Mitarbeiter zu dem doch erheblichen Verzicht blieb überschaubar: Laut Marienhaus-Stiftung erklärten sich damit nur 29 von 96 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einverstanden. „Das Ergebnis ist ernüchternd und enttäuschend“, schrieb Dr. Günter Merschbächer, Geschäftsführer der zur Stiftung gehörenden „Franziskus Kliniken gGmbH“, dem Betriebsrat.

Schließlich habe man nicht nur in langen Verhandlungen einen Tarifvertrag für die Schwertbad-Mitarbeiter ausgehandelt und die Finanzierung für den geplanten Erweiterungsbau grundsätzlich geklärt, sondern auch einen Businessplan für das neue Schwertbad vorgelegt.

Diesen habe auch die vom Betriebsrat beauftragte Unternehmensberatung als „plausibel“ bewertet und zugleich bestätigt, dass „wir unser ehrgeiziges Projekt ohne einen Gehaltsverzicht der Rheumaklinik-Mitarbeiter nicht stemmen können“. Und nicht zuletzt habe man sich in der jüngsten Betriebsvereinbarung zu „absoluter Transparenz“ und einer fairen Beteiligung der Mitarbeiter am wirtschaftlichen Erfolg verpflichtet, so Merschbächer. Der einzige Baustein, der nun noch fehle, sei das Entgegenkommen der Mitarbeiter in Sachen Gehaltsverzicht.

Diesen Sachverhalt sehen in der Belegschaft allerdings viele anders und sprechen angesichts mehrerer Ultimaten und der seit Monaten über allen schwebenden Schließungsdrohung eher von „knallharter Erpressung“ und einem unchristlichen Vorgehen der christlichen Stiftung.

Als die Mitarbeiter Freitagmittag mit einer Mahnwache in der Burtscheider Fußgängerzone an die Öffentlichkeit gingen, erhielten sie viel Rückhalt aus der Bevölkerung, aber auch aus der Aachener Politik. Vertreter mehrerer Stadtratsparteien schauten vorbei und sparten teils nicht mit deutlichen Worten. So brandmarkte CDU-Fraktionschef Harald Baal die Art und Weise, wie der Kirchenkonzern mit seinen Mitarbeitern umgeht, als „Manchester-Kapitalismus“, während die SPD-Ratsfrau Rosa Höller-Radtke gleichwohl die Hoffnung noch nicht aufgeben mochte, dass die Marienhaus-Stiftung doch weiter am Standort festhält. Und wenn nicht? „Dann wäre das für Burtscheid eine Katastrophe.“

An das Prinzip Hoffnung klammert sich auch weiterhin der Betriebsrat, der von kommendem Dienstag an täglich von 12 bis 12.30 Uhr vor der Reha-Klinik eine Mahnwache einrichten will – wie am Freitag mit vielen grünen Schals, Schleifen und Kleidungsstücken als Zeichen der Hoffnung. Als ein solches sieht im Übrigen Betriebsrätin Anne Labusch auch die Vertagung der Entscheidung über die Zukunft der Kurklinik: „Das ist ein klares Jein, das mir Hoffnung gibt, dass man die Leute doch zum Nachdenken bringen kann. Denn sonst hätten die ja jetzt gesagt: Schluss, aus, basta!“

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