Aachen - „Schwer fremdaggressiv”: Ex-Freundin über Stunden missbraucht

„Schwer fremdaggressiv”: Ex-Freundin über Stunden missbraucht

Von: wos
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Aachen. Die Motive des 27-jährigen Srdan R. gaben dem Aachener Schwurgericht Rätsel auf. Der junge Mann, der gemeinsam mit dem Opfer bei einem kleinen Verlag arbeitete, hatte Anfang Februar seine ehemalige Freundin in den Studententürmen aufgesucht, sie bedroht, gewürgt und mehrere Male zum Sex gezwungen.

Das Martyrium dauerte vom Morgen bis zum Abend, insgesamt elf Stunden lang. Sie wurde so stark gewürgt, dass sie des Öfteren in Lebensgefahr war. Erst als eine Schwester und die Tante des Opfers eingriffen, gelang den Frauen am Abend die Flucht. Der Täter hatte angegeben, er sei zu der Ex-Freundin gegangen, um Bilder des Paares aus Internetportalen zu löschen, der Geschlechtsverkehr habe einvernehmlich stattgefunden.

Am Mittwoch versuchten die psychiatrische Gutachterin Konstanze Jankowski und der Psychologe Prof. Eckhard Steinmeyer Einblicke ins Innere des verschlossenen Angeklagten zu geben.

Eine überdurchschnittliche Allgemeinbildung und eine Intelligenz im oberen Durchschnitt attestierte der Psychologe dem Angeklagten. Allerdings: Auf einer Lügenskala diverser Tests lag er weit vorne. So etwas habe er in 50 Jahren nicht erlebt, meinte Steinmeyer. Dazu sei er narzisstisch, er überhöhe sich selbst.

Die Psychiaterin beschrieb anschaulich, wie sich zwischen den beiden Verlagsangestellten eine zunächst innige Beziehung entwickelte, die dann aber immer wieder in Phasen der Trennung und des Missverstehens mündeten. Er habe seiner Freundin am Ende nicht mehr getraut, habe sie verdächtigt, mit ihrem Ex-Freund noch in einer Beziehung zu stehen. Aber beide hielten es über weite Strecken auch nicht ohne einander aus. Als es wirklich „aus” war, beschlich den Angeklagten der Drang, „die Beziehung auch richtig auszulöschen”.

Das stimme mit den Angaben überein, gemeinsame Bilder aus verliebten Zeiten aus dem Internet löschen zu wollen. Es erkläre aber auch, dass Srdan R. aus seiner Enttäuschung heraus „schwer fremdaggressive Handlungen” gegen die einst geliebte Frau ausführte. Er sei dabei aber voll schuldfähig, stellte Jankowski fest. Der Prozess geht am 19. Oktober weiter.
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