Aachen - Schwein in der Hand, Träne im Auge

Schwein in der Hand, Träne im Auge

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
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Dieser Huusmeäster macht Spaß: In seiner Rolle „Manni” begeistert Manfred Savelsberg - hier mit Sohn Jan in der Szene „EU will Öcher Leddcher verbieten” - bei der Preisverleihung. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Das kleine Schwein hat es an diesem Abend nicht leicht. Denn Manfred Savelsberg ist aufgeregt und drückt und herzt das kleine Stoffschweinchen, was ihm Enkelin Anna eben noch als Glücksbringer geschenkt hat.

Savelsberg sagt, er sei noch aufgeregter, als vor einer Premiere der „Nölde”. Das Mundart-Kabarett hat er vor zwölf Jahren ins Leben gerufen und schon manche Premiere erlebt. Armes Glücksschweinchen!

Es ist ein besonderer Tag im Leben des Manfred Savelsberg - das sieht man sofort. Savelsberg, 59, Spross einer Öcher Familie, Leiter des Stadtjugendamtes Düren, Schauspieler, Kabarettist, wird mit dem Thouet-Mundartpreis der Stadt Aachen ausgezeichnet. Er ist der 25. Preisträger, wird für sein Engagement um den Erhalt der Aachener Mundart ausgezeichnet.

Als das Licht im Krönungssaal ausgeht und das vergnügliche Festprogramm (Gestaltung: Dr. Manfred Birmans, Uwe Brandt, Oliver Thouet; Moderation: Uwe Brandt) beginnt, kann er es immer noch nicht begreifen. „Für mich ist das hier wie eine Krönung”, sagt er.

Im Kreis der Familie

Sein Platz ist erstmal vor der Bühne. Block G, Reihe 1. Um ihn herum sitzt die Familie. Savelsberg hat vier Kinder und drei Enkel. Alle, die ihn kennen, sehen, dass Nervosität und Glück noch einen kleinen Kampf mit seinen Gesichtszügen führen. Doch das Glück gewinnt mehr und mehr, als Hein Engelhardt mit seinem „Nöijohrsjebett” die ersten Platt-Silben des Abends spricht. Das ist gut so, denn es ist sein Tag.

Den hat er ganz entspannt begonnen. Er hat sich frei genommen, lange geschlafen, lange gefrühstückt, war lange spazieren. Doch die Stunden wollten nicht vergehen. Den Abend erlebt er dagegen wie im Flug. Er klatscht begeistert bei den heiligen drei Königen, er summt mit Öcher Leddcher, schüttelt sich vor Lachen bei Szenen seiner Freunde der Nölde und klatscht begeistert, als der Nachwuchs Gedichte vorträgt.

Seine Faszination für das Öcher Platt ist spürbar und ansteckend. „Er ist der richtige Preisträger zur richtigen Zeit”, sagt Honorarkonsul Hans-Josef Thouet. Die Familie Thouet hat den Preis vor 25 Jahren ins Leben gerufen.

Zum Glück hat Manfred Savelsberg nicht nur ein Glücksschwein in der Hand sondern auch ein Tüchlein in der Tasche. Denn das muss er hervorkramen, als Brigitte Becker und Angelika Kutsch, Mutter und Tochter, die Laudatio halten. Savelsberg hat Tränen in den Augen. Er ist gerührt. Und glücklich. Vor 28 Jahren spielte Becker an der Seite von Manfred Savelsberg bei der Alt-Aachener-Bühne. Sie kennt so viele Geschichten über „Manni”, ein paar erzählt sie.

Etwa die, von dem zweieinhalbjährigen Bengel, der bei einer Sitzung der Burtscheider Lachtauben ein Lied trällert und dann unbedingt einen Orden haben will wie seine Mama - die war Tanzmariechen. Oder die von den Anfängen der „Nölde”, die erst einmal für Freunde und Verwandte spielen sollten. „Manfred kann eine richtige Rampensau sein, und er hat immer Leute - auch ohne Erfahrung - mitgerissen”, sagt Becker.

Die Paraderolle „Manni”

Das zeigt er auch in seiner Paraderolle als „Huusmeäster Manni” an der Seite von Sohn Jan. Er hat das Sakko ausgezogen, die Krawatte auch, trägt wieder Kittel und Mütze. So kennen ihn die Menschen. Mitreißend ist er, die Leute singen mit ihm Öcher Lieder.

„Er verkörpert den jugendfördernden Öcher-Platt-Sprachler in hohem Maße, seine Vortragskunst in unverwechselbar”, sagt Christophe Thouet und überreicht ihm die Urkunde. Eine Kopie davon hängt bereits bei den Savelsbergs, vor 25 Jahren war Manfred Teil der ausgezeichneten Alt-Aachener-Bühne. Nun bekommt er ein Original. „Die ist auch viel größer”, sagt er und lacht. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert.

Der neue Träger sagt, er „schwebe auf Wolke 7”. Tatsächlich steht er auf der Bühne, bedankt sich artig und bescheiden bei Familie, Weggefährten, Freunden und bei Lehrer Löhrer, der ihm das Öcher Platt beigebracht hat.

Dann drückt und herzt er wieder - und zwar die Gratulanten. Das kleine Glücksbringerschwein hat Ruhe und liegt friedlich in seiner Sakkotasche.
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