Schwebebahn-Traum: Knirps will alleine nach Wuppertal

Von: Claudia Schweda
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Schwebebahn Wuppertal Foto Maja Hitij/dpa
„Einmal im Leben durch Wuppertal schweben“ - das einzigartige Verkehrsmittel der bergischen Metropole ist überregional bekannt. Foto: Maja Hitij/dpa

Aachen/Eschweiler. Es ist eine Geschichte, die man verfilmen könnte. Sie ist spannend und rührend zugleich – und es gibt ein Happy End. Der Held: Ein offensichtlich cleverer kleiner Kerl aus Eschweiler.

Die Geschichte geht so: Der zehnjährige Junge war vor einigen Wochen mit den Großeltern in Wuppertal. Natürlich hatten Oma und Opa ihm eine Fahrt mit der Schwebebahn spendiert. Gehört ja zu einem Besuch in Wuppertal dazu wie der Glühwein zum Weihnachtsmarkt. Der Junge war beeindruckt. Wieder zu Hause, schwärmte er den Eltern in Eschweiler von der Fahrt vor. Sein sehnlichster Wunsch: noch einmal mit dieser Bahn fahren.

Die Idee ließ den Zehnjährigen nicht in Ruhe. Er schmiedete einen Plan, um sich seinen sehnlichsten Wunsch erfüllen zu können. Er bereitete sich vor, beschaffte sich Kartenmaterial und machte sich mit sage und schreibe fünf Euro Taschengeld am Mittwoch nach dem Ende der Schulbetreuung auf den Weg. Es war 16 Uhr.

Mit dem Bus und seinem School&Fun-Ticket fuhr er nach Aachen zum Hauptbahnhof. Dort ging er ins Reisezentrum und erkundigte sich bei den Bahn-Mitarbeitern, wie er nach Wuppertal kommen könne. Da keine Mama und kein Papa in der Nähe war, stellten die Bahnmitarbeiter dem Jungen die ein oder andere Frage und schlossen messerscharf, dass die Eltern zu Hause wahrscheinlich schon in großer Sorge sind, wo ihr Sohn denn wohl steckt. Sie mussten notgedrungen den Traum des Jungen Platzen lassen – und riefen die Bundespolizei zu Hilfe. Bis zu deren Ankunft kümmerten sie sich weiter um den Zehnjährigen und nutzten die Zeit sinnvoll: Sie machten im Reisezentrum kurzerhand die Hausaufgaben mit ihm.

Als die Polizisten die Mutter per Telefon informierten, dass ihr Sohn wohlbehalten in Aachen in ihrer Obhut ist, hörten sie die Erleichterung in ihrer Stimme. Sie war in großer Sorge, weil der Sohn nicht pünktlich von der Schule nach Hause gekommen war. Er sei schon „ein pfiffiges Kerlchen“, sagte sie am Mittwoch in einem erneuten Telefonat mit der Polizei. Sie habe halt vermutet, er hole den Vater auf dem Weg nach Hause vom Bus ab – ohne Bescheid zu sagen. Im Nachhinein könne sie über die Geschichte schmunzeln. Aber sie weiß auch, es hätte auch anders ausgehen können.

Für das Happy End sorgt ein Radiosender aus Wuppertal. Er erfuhr am Mittwoch über die knappe Pressemitteilung der Bundespolizei von dem Wunsch des Kindes – und möchte nun Kontakt mit der Familie aufnehmen, um dem Jungen den Wunsch zu erfüllen. Für einen Zehnjährigen aus Eschweiler wird Weihnachten dieses Jahr wohl vorverlegt.

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