Schwarzschimmel im Keller: Ratskeller-Gastronom verklagt die Stadt

Von: Wolfgang Schumacher
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Maurice de Boer: „Seit der Sache mit der Treppe wirft die Stadt mir nur Knüppel zwischen die Beine.“ Foto: Herrmann

Aachen. Das Tischtuch zwischen Starkoch Maurice de Boer und der Stadt Aachen ist womöglich zerschnitten. Der Grund: Ein neuerlicher Rechtsstreit zwischen dem einstigen Sternekoch und aktuellem Ratskellerpächter sah am Dienstag vor der 12. Zivilkammer unter Vorsitz von Richter Prof. Uwe Meiendresch zwei unversöhnliche Parteien.

War es jüngst noch Größe und Ausdehnung der dem Katschhof zugewandten Terrasse nach dem Treppenneubau, bringt jetzt der uralte und des Öfteren schimmelverseuchte Keller des historischen Rathauses Pächter und Vermieter an den Rand einer Ehekrise, die möglicherweise in Scheidung enden könnte.

„Ich möchte beide Seiten bitten, ihre Wünsche und grundlegenden Anforderungen aneinander auf einen kleinen Zettel zu schreiben“, versuchte der Vorsitzende Meiendresch zwischendurch den Versöhnungsweg des Familienrichters zu beschreiten. Doch die Streithähne vertreten durch die namhaften Kanzleien Delheid/Soiron und Stein und Partner kamen in Sekunden wieder vom friedlichen Weg ab. Dabei wirkte de Boer deutlich gezeichnet von schier endlosen Scharmützeln mit den Verwaltungen der Stadt wie der Städteregion. „Ich will endlich Frieden, nur Frieden“, stöhnte der Meister am Lammkaree und den Kalbsbäckchen während der zweieinhalbstündigen Verhandlung auf.

Die Lage ist gefährlich. Denn für ihn steht nicht nur Geld, sondern ein gutes Stück Renommee auf dem Spiel. „Seit der Sache mit der Treppe wirft man mir nur Knüppel zwischen die Beine“, ruft er spontan aus und beteuert, er habe alles getan und sogar 100.000 Euro für Sonnenschirme auf der Terrasse investiert. Demgegenüber tue die Stadt gar nichts, unterstützt ihn Anwalt Carlo Soiron nach Kräften.

Seit einiger Zeit, genauer signifikant seit 2010, tritt im Bierkeller unter dem Postwagen Schwarzschimmelbefall auf. Der Bierkeller ist feucht bis nass von der Krämerstraße her – und das wahrscheinlich seit Jahrhunderten. Nun weise der Bierkellerboden denkmalgeschützten Blaustein auf und aus den vermörtelten Gewölben breche der Putz heraus, beschreibt Kläger de Boer den Zustand dort unten. „Wir können putzen und putzen, das nützt nicht lange“, ergänzt Soiron die Lage.

Und dann kommen die Prüfer der Städteregion und stellen Bußgeldbescheide aus. Die Stadt vertreten durch Anwalt Wolfgang Leister rührt das nicht. „Sie müssen das eben rein halten“, sagt der Anwalt achselzuckend. Doch de Boer will eine ordentliche Instandsetzung. Das Gericht holt jetzt ersteinmal ein Gutachten über den Pilzbefall ein.

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