„Schwarzer Armin“ kommt beim politischen Aschermittwoch auf den Hund

Von: Robert Esser
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Appetitmacher: (v.l.) Michael Groschek (Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen), Aachens SPD-Chef Karl Schultheis, Maria Poquett und SPD-Vize Daniela Jansen servierten den Genossen Deftiges. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Aachener SPD ist in der vierten Liga angekommen, will aber in die Champions League. Im frisch renovierten Klömpchensklub im Tivoli servierten die Sozialdemokraten beim politischen Aschermittwoch zu hunderten Heringsfilets und Bratkartoffeln deftige Sprüche – Wahlkampfauftakt.

Vor allem NRW-Bauminister Michael Groschek langte als Gastredner kräftig zu: „Was hat der schwarze Armin denn in Aachen für Spuren hinterlassen?“, fragte der SPD-Spitzenpolitiker rhetorisch rund 100 Genossen. „Gar keine.“

Doch Gemach. CDU-Konkurrent Laschet, der am 14. Mai Ministerpräsident werden wolle, könne schon am Tag nach der Wahl die Steuereinnahmen für seine Heimatstadt Aachen erhöhen, lächelte Groschek: „Wenn er sich einen Hund kauft und den hier anmeldet. Denn dann hat er viel Zeit.“ Gelächter, Applaus. Das war ganz nach dem Geschmack der Zuhörer.

Schwarz-Gelb habe den Polizeiapparat Nordrhein-Westfalens heruntergewirtschaftet, die Sicherheitsbehörden geschwächt, während die SPD nun 2300 neue Polizeistellen schaffe. Ähnlich der Stellenabbau beim Landesbetrieb Straßenbau.

„Jetzt haben wir den Salat, uns fehlen die Planer“, stellte der Bauminister fest. Und sang ein Loblied auf sozialdemokratische Pläne – sowie knapp 1,5 Milliarden Euro, die man bereits pro Jahr in die Städtebauförderung stecke. „Aber wir brauchen auch neue Schienen, Straßen, Radschnellwege. Gegen Stau hilft Bau“, so Groschek.

Um NRW zukunftsfähig zu machen, spielten die RWTH Aachen und die FH Aachen wichtige Vorreiterrollen: bei der Elektromobilität, beim autonomen Fahren und bei der dringend erforderlichen Digitalisierung der Bauwirtschaft. „Das ist grandios. Aachen ist einer der entscheidenden Innovationsmotoren für das ganze Land“, lobte Groschek.

Apropos Spitzenkräfte aus Aachen und Umgebung. Nachdem Frank-Walter Steinmeier Bundespräsident geworden sei und sich der ehemalige Würselener Bürgermeister Martin Schulz anschicke, nach der Bundestagswahl am 24. September Bundeskanzler zu werden, müsse eine Frage erlaubt sein: „Wer sagt denn, dass Ulla immer Vize bleiben muss?“

Die Aachener Vizepräsidentin des Bundestags Ulla Schmidt hätte das sicher gerne gehört, weilt zurzeit aber in Südafrika zu politischen Gesprächen mit dem ANC. Überhaupt die große weite Welt: Groschek teilte aus gegen US-Präsident Trump, gegen Dumpingsteuerparadiese in Europa und gegen den türkischen Staatschef Erdogan. „Wer Pressefreiheit mit Füßen tritt, tritt die demokratische Freiheit mit Füßen. Dagegen müssen wir kämpfen, das ist unsere historische Aufgabe“, wetterte Groschek.

Natürlich streifte der SPD-Mann auch den rechten Rand: „Die Höckes mit ihrer AfD gehören nicht in die Parlamente, und Pegida gehört ins Museum der Geschichte“, erklärte er. Die Zukunft gehöre der SPD. Groschek erinnerte an alte SPD-Slogans wie „Willy wählen!“ und über 45 Prozent Stimmengewinn in den 70er Jahren. „Das muss unser Ziel in diesem Jahr sein.“ Langer Applaus folgte seiner rund 40-minütigen, frei gehaltenen kämpferischen Ansprache.

Die Aachener SPD-Landtagsabgeordnete Daniela Jansen hatte der AfD schon in ihrem Grußwort hart zugesetzt: „Da wird Nazi-Vokabular benutzt“, kritisierte sie. „Die Feinde der Demokratie stehen auf der rechten Seite des politischen Spektrums. Die Brandstifter unserer Gesellschaft stehen rechts.“ Der Aachener SPD-Chef Karl Schultheis goutierte, „dass es nun an bestimmten Punkten der Agenda 2010 Korrekturen gibt. Einiges passte nicht zur Seele der SPD.“

Das Thema „soziale Gerechtigkeit“ habe der SPD-Kanzlerkandidat ganz zu Recht in den Vordergrund gestellt. „Das macht uns stolz auf unsere SPD und Martin Schulz“, sagte er. Schön sei, dass sich dies auch in wachsenden Mitgliederzahlen widerspiegele.

Was die Redner zurück auf den Fußballrasen brachte. Groschek, bekennender Fan von Rot-Weiß Oberhausen, hatte mit seinem Verein in der Regionalliga West in zwei Spielen kein einziges Tor gegen Alemannia Aachen geschossen – und beide Spiele verloren.

Diesmal konnte der SPD-Bauminister in Aachen punkten – und ließ die Kaiserstadt trotzdem als Sieger vom Platz gehen. Ein Kunststück, das wohl nur beim politischen Aschermittwoch des SPD-Unterbezirks Aachen auf dem Tivoli weit abseits der Champions League gelingt.

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