Aachen - Schumag: Drama ohne Happyend

Schumag: Drama ohne Happyend

Von: Stephan Mohne
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Bei Schumag sind 110 Mitarbeiter gekündigt worden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die fortwährende Drama um das Traditionsunternehmen findet kein Happyend. Im Gegenteil: Nachdem vor wenigen Tagen weit über 100 Mitarbeiter der Schumag AG ihre Kündigungen erhalten haben, geht es hinter den Kulissen des Präzisions- und Normteileherstellers weiter zu wie beim Schlammcatchen.

Ungeklärt ist immer noch die Frage, wem das Hauptaktienpaket rechtlich einwandfrei gehört. Und während diese Frage offen ist, rotiert das Personenkarusell auf der Spitzenebene im Turbogang.

Jüngster Höhepunkt: Heiner Kudrus, bislang einer von zwei Vorständen der AG, ist bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 16. Juni „mit sofortiger Wirkung” gefeuert worden. Doch auch das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Erst am 19. Mai war der Kölner Kaufmann Heinz Peter Heinen in besagten Aufsichtsrat gewählt worden - vorgeschlagen vom ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Alexander von Ungern-Sternberg.

Über von Ungern-Sternberg wird gemutmaßt, dass er der Drahtzieher hinter Peter Koschel ist, der von sich behauptet, neuer Mehrheitsaktionär zu sein.

Fast postwendend, keine drei Wochen nach besagter Aufsichtsratssitzung, wurde Peter Nicolaus Heinen, Sohn des neuen Aufsichtsrats, als neuer Geschäftsführer im Vorstand installiert - zuständig unter anderem für die „Gesamtfinanzstruktur”.

Doch auch das ist längst noch nicht alles.

In Essen läuft derzeit das Insolvenzverfahren über die Schumag-Muttergesellschaft, die „Schumag Holding GmbH”, hinter der die vormaligen - oder wegen ausstehender Gerichtsverfahren vielleicht immer noch aktuellen - Besitzer der Aktien, die Familie Kazinakis, stecken.

In diesem Verfahren gab es vergangene Woche eine bemerkenswerte Gläubigerversammlung. Dort wollte nach AZ-Informationen die Koschel-Gruppe den renommierten Insolvenzverwalter Bernd Depping „absägen”. Mit diesem Ansinnen lief man aber bei der Gläubigerversammlung und bei Gericht deutlich vor die Wand.

Potente Kaufinteressenten

Das Insolvenzverfahren ist längst auch in die Schumag AG geschwappt, denn Rechtsanwalt Depping hat seinerseits „zurückgeschlagen”. Er hat sich eine Vakanz im Aufsichtsrat zunutze gemacht und per gerichtlichem Beschluss seinen Partner in dem Gremium platziert.

Die Vermutung liegt nahe, dass sich der Insolvenzverwalter Einblick in die Verhältnisse verschaffen will. Eine sonst übliche Ad-hoc-Mitteilung über diesen Vorgang hat es merkwürdigerweise bisher nicht gegeben.

Dem Vernehmen nach ist bislang nicht einmal der Kaufpreis für das bei der Krefelder Sparkasse schlummernde Aktienpaket bezahlt, vielmehr soll er bis 2010 gestundet worden sein.

Das Paket war an Hedgefonds verpfändet und sollte versteigert werden, bis Koschel als vermeintlich neuer Eigentümer die Bühne enterte.

Und weiter: Nach Informationen unserer Zeitung haben sich im Zuge dieses Insolvenzverfahrens potente Kaufinteressenten für die Schumag AG gemeldet.

Ein Verkauf wird allerdings von den ungeklärten Eigentumsfragen durchkreuzt. Denkbar ist, dass auch Insolvenzverwalter Bernd Depping deswegen alsbald vor Gericht ziehen wird.
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