Schulverband Aachen-Ost: „Unsere Schulen sind keine Sackgassen“

Von: Thorsten Karbach
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Wissenschaftliche Auswertung liegt vor: (vorne von links) Marold Wosnitza, Manfred Birmans, Elfriede Plaum, (hinten von links) Herbert Strohmayer, Helwig Bröhl, Jennifer Fest, Anna Wahl, Christa Schürmann, Wolfgang Boenke, Klaus Rübsteck und Guido Schins sind vom Erfolg des Schulverbandes Ost überzeugt. Foto: Jaspers

Aachen. Frustrierend nennt Professor Marold Wosnitza das Resultat einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Die hat 2012 ergeben, dass auf jeden Aufwärtswechsel an Deutschlands Schulen 4,5 Abwärtswechsel kommen. Das heißt, dass wenn ein Schüler von einer Realschule an ein Gymnasium wechselt, mehr als vier Schüler den umgekehrten Weg nehmen.

Umso zufriedener ist der Professor des RWTH-Instituts für Erziehungswissenschaft, wenn er die Ergebnisse für den Schulverband Aachen-Ost vorstellen kann: Dort sind im Schuljahr 2010/2011 36 Schüler an die nächsthöhere Schulform und nur zwölf in die andere Richtung gewechselt. 2011/2012 waren es 24 gegenüber neun. „Das geht komplett gegen alle Trends in Deutschland und spricht stark für dieses Konstrukt des Schulverbandes“, sagt er.

Im Auftrag der Mercator-Stiftung hat er mit seiner Mitarbeiterin Jennifer Fest zwei Jahre lang den Schulverband Aachen-Ost, also die Kooperation von Hauptschule Aretzstraße, Hugo-Junkers-Realschule und Geschwister-Scholl-Gymnasium, wissenschaftlich begleitet. Sie haben Schüler, Lehrer und Eltern interviewt, Ergebnisse zusammengetragen. „Das Ergebnis ist vorwiegend positiv. Der Schulverband ist nicht nur ein gewünschtes Modell des Erfolges, sondern ein tatsächliches“, sagt der Leiter der Hugo-Junkers-Realschule, Herbert Strohmayer.

Im Sommer 2010 ging der Schulverband Aachen-Ost offiziell an den Start. Bis Sommer 2015 läuft eine Bestandsgarantie für dieses einmalige Modell. „Es ist ganz wichtig, dass man sich untereinander kennt“, formuliert der stellvertretende Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, Manfred Birmans, das Fundament, auf dem die drei Schulen im Ostviertel bauen. Schwellenängste wurden ab-, ein sehr detailliertes Förderkonzept wurde aufgebaut.

„Man muss dabei vor allem flexibel sein“, hat Christa Schürmann von der Hauptschule Aretzstraße der Alltag gelehrt. Zusätzliche Fördermaßnahmen wurden installiert, ein Lernzentrum steht den Kindern und Jugendlichen von allen drei Schulen offen. Alles ist freiwillig. Und wird rege genutzt. Die Verantwortlichen fühlen, dass sich die Schüler wohlfühlen, wenn sie an ihrer Zukunft arbeiten.

Die Zusammenarbeit geht mittlerweile soweit, dass in der siebten Klasse der Kunstunterricht nachmittags synchronisiert wurde. Sprich: Die Schüler können ihn schulübergreifend je nach Vorliebe – etwa für Bildhauerei oder 3D-Technik – belegen und bewegen sich ganz selbstverständlich zwischen den Schulhäusern.

Trotzdem bleibt der Wunsch der Schulen nach Eigenständigkeit im Raum. „Es war bei der Gründung klar, dass wir unsere Identitäten nicht aufgeben wollen“, erinnert Strohmayer. Wosnitza merkt da durchaus kritisch an, dass dies erschwere, die Vorteile des Konzepts in der Öffentlichkeit darzustellen. „Da sind wir noch lange nicht am Ziel“, sagt er. „Man muss aber auch bedenken, wie lange es gedauert hat, bis sich die Gesamtschule in Deutschland durchgesetzt hat. Ich bin positiv gestimmt, was die Zukunft des Schulverbandes betrifft.“

Der Schulverband Aachen-Ost muss sich aber gerade gegenüber diesen Gesamtschulen behaupten. „Wir müssen zeigen, was wir mehr können“, sagt Anna Wahl, kommissarische Leiterin der Hauptschule Aretzstraße. Insbesondere die kleinen Lerngruppen sprechen für das Modell. Und das Spektrum: Von der internationalen Förderklasse für Flüchtlinge bis zum Abitur deckt die Kooperation der drei Schulen alle Facetten des Systems ab. Und die Anforderungen sind letztlich die gleichen wie an allen anderen Schulen in Aachen – gemessen werden sie in den landesweiten zentralen Prüfungen.

„Unsere Schulen sind keine Sackgassen“, sagt Anna Wahl. Wenn Manfred Birmans hinter die Zahlen der Schulwechsler blickt, dann sagt er: „Klar schaffen nicht alle am Ende das Abitur und studieren Medizin. Aber an welchem Gymnasium ist das so? Erfolg ist immer relativ, aber es sind schon große Träume in Erfüllung gegangen. Für jeden, der bei uns einen Abschluss macht, hat sich die Arbeit gelohnt.“

Doch letztlich muss der Erfolg an anderer Stelle tatsächlich gemessen werden: „Das schönste Modell bricht zusammen, wenn wir keine Anmeldungen haben“, erklärt Strohmayer. Doch gerade im Ostviertel seien die drei Schulen unverzichtbar. Es gibt aber Rückendeckung: „Die Ergebnisse machen auch uns Mut. Wir haben gelernt, dass wir uns auf den richtigen Pfad aufgemacht haben“, sagt der Schulausschussvorsitzende Wolfgang Boenke (CDU). Frustrierend sind andere Ergebnisse.

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