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Schulsozialarbeit: Wer zahlt ab 2015?

Von: Brigitte Drews
Letzte Aktualisierung:
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Das Geld für 18 Schulsozialarbeiter-Stellen reicht noch bis Mitte 2015: So lange läuft auch Marc Schulpins Vertrag. Er hofft, dass bald eine Lösung gefunden wird.

Aachen. Im Unterrichtsalltag ist Marc Schulpin längst unverzichtbar geworden. Der Schulsozialarbeiter an der Luise-Hensel-Realschule vermittelt da, wo Lehrer passen müssen. Er löscht immer wieder dann, wenn es einmal brennt zwischen Jugendlichen, Pädagogen und Eltern – und zeigt Lösungen auf. Doch seit dem Jahreswechsel bangen viele Schulen in NRW um ihre Schulsozialarbeiter.

Denn mit dem 31. Dezember 2013 sind Zuschüsse des Bundes für ihre Arbeitsstellen ausgelaufen. In Aachen können die Schulsozialarbeiter trotz des abgedrehten Geldhahns gehalten werden. Vorerst. Denn auch hier sind die Mittel begrenzt. Die Hoffnungen von Stadt und Politik liegen nun bei der großen Koalition in Berlin.

18 zusätzliche Schulsozialarbeiter-Stellen hat die Stadt in den vergangenen Jahren aus Mitteln des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) eingerichtet. Die Stellen können auf jeden Fall bis zum 31. Juli 2015 gehalten werden. Doch wie kommt es, dass vor Ort ein Aufschub möglich ist, in Städten wie beispielsweise Dortmund akut 81 Stellen gefährdet sind? „Wir haben in Aachen so gut gewirtschaftet, dass das Geld noch bis Mitte 2015 reicht“, kann Björn Gürtler vom städtischen Presseamt Positives vermelden. Allerdings: „Das löst das Problem nicht für die Zeit danach“, fügt er an.

Konkret heißt das: Knapp 1,5 Millionen Euro hat Aachen bereits für das Jahr 2011 bekommen, eingestellt wurden die insagesamt 18 zusätzlichen Schulsozialarbeiter allerdings erst ab 2012. Das legte man im Rathaus gewissermaßen auf die hohe Kante. Neben weiteren 1,5 Millionen für 2012 flossen im vergangenen Jahr 2013 rund 1,2 Millionen Euro aus dem BuT-Paket ins Stadtsäckel. Auch dort blieben Beträge übrig. Nun stehen noch 2,3 Millionen Euro zur Verfügung, um die Schulsozialarbeit zumindest für weitere anderthalb Jahre fortzusetzen.

Der Blick geht nach Berlin

Doch die Frage, wie es ab Sommer 2015 weitergeht, ist damit nicht gelöst. „Ohne das BuT hätten wir als Stadt den Ausbau der Schulsozialarbeit nie in der Form stemmen können“, sagt Brigitte Drews. Es gebe nur positive Rückmeldungen aus den Schulen, betont die kommissarische Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule. Dass der Bund in Zukunft für diesen Bereich kein Geld mehr locker machen will, möchte man in Aachen nicht glauben. „Nachhaltigkeit ist hier sehr wichtig“, sagt Drews. Der Stadtrat hat im Herbst eine Resolution verabschiedet, die die „Weiterführung und Verstetigung der Schulsozialarbeit“ fordert. Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) schrieb in gleicher Sache einen Brief an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Über den Bundesrat sind derweil die Länder längst aktiv geworden.

Gemischte Gefühle

Marc Schulpin beobachtet die politischen Manöver mit gemischten Gefühlen, wie er sagt. Im September 2012 hat der 39-Jährige sein Büro in der Realschule im Gillesbachtal bezogen. Die Tür steht ständig offen: Der kommunikative Typ kommt an bei Schülern wie Lehrern. „Natürlich würde ich gerne hier bleiben“, sagt er. Sein Vertrag endet nach aktuellem Stand Mitte 2015. „Es gibt so viel zu tun“, sagt Schulpin. Er hofft nun ebenso wie seine Kollegen auf eine langfristige Lösung.

Etwa 70 der 680 Schüler kommen pro Schuljahr direkt auf Schulpin zu. Mal geht es um schnelle Hilfe bei einem Antrag für Lernförderung, dann sitzen Schulpin aber auch richtige Härtefälle gegenüber. Schüler, die heftig gemobbt werden; andere, die unter immensen familiäre Problemen leiden. Darüber hinaus setzt er zahlreiche weitere Projekte um.

Die Herausforderungen für Schulen nehmen ständig zu, weiß Bernd Drescher, Abteilungsleiter Pädagogische Dienste bei der Stadtverwaltung. Der Ausbau des Ganztagsbetriebs schreitet allerorten voran. Hinzu kommt die Inklusion. Ab dem kommenden Schuljahr haben behinderte Kinder das Recht, mit nicht-behinderten Kindern unterrichtet zu werden. Da sind neue Konflikte vorprogrammiert. Konflikte, bei denen Menschen wie Diplom-Sozialarbeiter Schulpin helfen können. „Schulsozialarbeit ist oftmals präventive Arbeit. So begreifen wir sie: als Jugendhilfe vor Ort“, sagt Drescher.

Auch Aachens Politiker sehen den Bund in der Pflicht. „Der multiprofessionelle Blick der Schulsozialarbeiter ist wichtig“, sagt SPD-Schulsprecher Bernd Krott. Im Oktober hat der Rat eine Resolution verabschiedet. Die Forderung: Die Mittel für Schulsozialarbeit sollen weiterhin und unbefristet zur Verfügung stehen. Denn eines ist auch klar: Die klamme Kommune könnte die Finanzierung der 18 Stellen nicht ohne weiteres übernehmen.

Im vergangenen Sommer hat Marc Schulpin mit Schülern und einem Künstler die Außenwand neben dem Haupteingang neu gestaltet. In fröhlichen Farben begrüßt die Fassade nun die Besucher. „So ein Projekt ist optimal, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen“, erzählt Schulpin. Der Gesprächsfaden soll nicht abreißen – auch nicht nach den Sommerferien 2015. Diese Hoffnung regiert derzeit in Aachen.

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