Aachen - Schullandschaft kommt auf den Prüfstand

Schullandschaft kommt auf den Prüfstand

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
9699174.jpg
Fingerspitzengefühl gefragt: CDU und SPD fordern eine Neuordnung der Aachener Schullandschaft. Man müsse bisherige Planungen an aktuelle Herausforderungen wie die Inklusion und den demografischen Wandel anpassen. Foto: Michael Jaspers, dpa
9698572.jpg
CDU-Schulexperte Holger Brantin: „Die Aachener Schullandschaft ist gut aufgestellt.“
9698566.jpg
SPD-Schulexperte Bernd Krott: „Die Verwaltung soll nun ohne Zeitdruck arbeiten.“

Aachen. Der Überbringer schlechter Nachrichten ist ein gemeinhin nicht gern gesehener Gast. Politiker wissen das nur zu gut, weswegen sie es in der Regel vermeiden, allzu schlechte Botschaften in die Welt zu setzen. Die Aachener CDU und SPD bildeten in dieser Hinsicht keine Ausnahme, als sie am Donnerstag zu einem Pressetermin mit dem Thema „Neuordnung der Aachener Schullandschaft“ geladen hatten.

Und so betonte Holger Brantin, schulpolitischer Sprecher der CDU, vorneweg: „Wir haben eine sehr gut aufgestellte Schullandschaft in Aachen.“ Trotzdem: Man müsse in die Zukunft schauen, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen – Stichwort demografischer Wandel – wie gesetzliche Neuerungen – Stichwort Inklusion – bei den Überlegungen berücksichtigen.

Und hier, fordert Schwarz-Rot, solle nun die Verwaltung erst einmal Vorarbeit leisten und den aktuellen Schulentwicklungsplan 2012-2017 fortschreiben. Am Ende lag es an SPD-Schulexperte Bernd Krott, dann doch einen kleinen Stich ins Hornissennest namens „Schulschließungen“ zu wagen.

Hauptschule bleibt Sorgenkind

Die aktuellen Anmeldezahlen machen deutlich: Laut Stadtverwaltung haben sich im laufenden Schuljahr insgesamt nur noch 94 Schüler für eine der drei Hauptschulen (Drimborn, Aretzstraße, Burtscheid) entschieden. Das sind 34 weniger als noch im Schuljahr 2011/12. „Die Hauptschulen werden die ersten sein, über die man sich unterhalten muss“, mutmaßt Krott und bezeichnet deren Lage generell als „schwierig“, obwohl vor Ort eine gute Arbeit gemacht werde.

Vorrangig gehe es CDU und SPD im Moment aber nicht darum, konkret über das Aus von Schulstandorten und -formen zu reden. Vielmehr müsse man laut Brantin jetzt „Weichen stellen“, um Aachens Schullandschaft mittel- und langfristig zu stärken. Die Zeitschiene ist das entscheidende Stichwort: Die große Koalition erwartet keine Schnellschüsse der Verwaltung. Frühestens Anfang nächsten Jahres, so Brantin und Krott, rechne man mit Ergebnissen.

Herausforderungen gibt es zuhauf: Die offensichtlichste findet man in den kontinuierlich sinkenden Schülerzahlen. Von über 27 300 im Jahr 2002/03 ist sie auf rund 24 150 im vergangenen Schuljahr gesunken. Das wird, da sind sich die schulpolitischen Sprecher von CDU und SPD einig, Auswirkungen haben. Trotzdem möchte man weiterhin eine wohnortnahe Schulversorgung gewährleisten. Notwendige Veränderungen sollen daher „behutsam vorgenommen“ werden.

Gerade im Grundschulbereich gelte weiterhin das Motto „Kurze Beine, kurze Wege“ bei allen politischen Beratungen über Standorte. Erst zuletzt hatten die Parteien dem Grundschul-Teilstandort Barbarastraße ihr Vertrauen ausgesprochen, obwohl die Verwaltung eine Schließung wegen mangelnder Anmeldezahlen bevorzugt hätte. „Grundschulen sind oftmals ein Kristallisationspunkt im Stadtviertel“, so Krott. Das habe zuletzt die Diskussion um den Standort in Rothe Erde gezeigt.

Wie geht die Stadt mit der Beschulung der derzeit rund 400 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen um? Den jungen Menschen soll eine Perspektive in Aachen gegeben werden. Auch da müsse eine mittelfristige Strategie entwickelt werden, sagen Brantin und Krott.

Das veränderte Schulwahlverhalten der Eltern, die Entwicklung der Förderschulen ebenso wie die Zukunft der Gymnasien bei weiterhin sinkenden Schülerzahlen – all dies soll in einem neuen Schulentwicklungsplan im Primar und Sekundarbereich berücksichtigt werden.

Hierfür, schlagen CDU und SPD vor, solle sich die Verwaltung auch mit der Städteregion beraten. Des Weiteren sollen möglichst alle Beteiligten (Schulleitungen, Lehrer, Eltern, Schülervertreter, Elternverbände) ebenso wie die Politik in Schulentwicklungswerkstätten mit einbezogen werden.

So bleibt die „Neuordnung der Aachener Schullandschaft“ an diesem Tag eine bloße Ankündigung mit ergebnisoffener Perspektive. Zunächst seien andere an der Reihe, so Brantin. „Wir wollen keine Lösungen präsentieren, sondern Fragen stellen, die die Verwaltung beantworten soll.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert