Schullandschaft: Dezernentin will sich Überblick verschaffen

Von: Oliver Schmetz
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Wo können Kitas mit Grundschulen kooperieren? Wo muss – wie an der Schwerpunktschule Am Höfling – im Zuge der Inklusion investiert werden? Die Verwaltung verschafft sich einen umfassenden Überblick über die Schulllandschaft, um Antworten zu finden. Foto: Steindl

Aachen. Es geht um nicht weniger als das große Ganze, um die perfekte Sicht auf Aachens Schulen, am besten von oben: „Wir wollen uns die Schullandschaft aus der Vogelperspektive anschauen“, sagt Susanne Schwier.

Die Dezernentin, die auch für die Schulen zuständig ist, will dabei etwas vollbringen, was es in Aachen „so bisher noch nicht gegeben hat“: Sie will alle Daten, über die die Schulverwaltung verfügt, in eine große Gesamtschau ein- und mit dem Wissen des städtischen Gebäudemanagements zusammenfügen.

Soll heißen: Variable Faktoren wie Schülerzahlen und Schulzügigkeiten, Elternwahlverhalten, OGS-Nachfrage und Inklusion sollen mit den harten Fakten des steinernen Bestands, mit Fragen beispielsweise nach der konkreten Raumsituation oder der Nutzung von Außengeländen verknüpft werden. „Wir schauen uns alles an“, sagt Schwier. Ziel ist eine bessere Nutzung und Verteilung von Ressourcen. „Schließlich geht es um Steuergelder“, betont die Dezernentin.

„Neu ist das Systematische“, ergänzt Fachbereichsleiter Heinrich Brötz. „Wir wollen einen dynamischen Entwicklungsplan erstellen.“ Mit im Boot ist dabei naturgemäß das städtische Gebäudemanagement, dessen technischer Geschäftsführer Klaus Schavan mit Blick auf die baulichen Anforderungen etwa durch die Inklusion nicht von ungefähr von einer „Mammutaufgabe“ spricht. Die wichtigsten Aspekt des Projekts im Überblick:

Stichwort Inklusion: Dass Kinder ohne und mit Handicap gemeinsam lernen, ist schulpolitisches Ziel und wird allenthalben gefördert. Gleichwohl ist es nicht nur eine pädagogische Frage, sondern verlangt auch nach baulichen Konsequenzen. Zwar müssen Neubauten heutzutage barrierefrei errichtet werden, doch die wenigsten Aachener Schüler lernen in nagelneuen Schulgebäuden. Also muss nachgerüstet werden. Dass die Dezernentin da lieber von „Barrierearmut“ spricht, ist kein Zufall. Soll heißen: Es kann auch schon einmal eine Rampe statt eines Aufzugs reichen. „Wir müssen da mit Augenmaß herangehen“, sagt Schwier, schon alleine der bereits erwähnten Steuergelder wegen.

Zumal in Aachen keine Schüler auf Wartelisten stünden, weil es an Inklusionsplätzen fehle. „Wir werden keine barrierefreien Schulen auf Halde bauen“, unterstreicht auch Schavan, „sondern bedarfsgerecht reagieren.“ Das sieht in der Praxis so aus, dass die Stadt zunächst Schwerpunktschulen einrichtet – wie beispielsweise die Grundschulen Am Höfling oder die Montessorischule in Eilendorf –, in denen inklusiv unterrichtet wird. In einem zweiten Schritt sollen dann alle Schulen zumindest barrierearm gemacht werden. „Aber das ist ein langer Prozess“, sagt Schavan.

Stichwort OGS: In Aachen boomt die offene Ganztagsschule. Mancherorts liegt die Nachfrage über 70 Prozent. Erwartet hatte man einmal 30 Prozent. Auch das hat Folgen: Teils fehlt es an ausreichend großen Mensen, teils an OGS-Räumen. Die Dezernentin plädiert da für eine verstärkte „multifunktionale Nutzung“ von Schulraum. Müssen beispielsweise in den Grundschulen nachmittags die Klassenräume leerstehen, weil die Kinder dann spezielle OGS-Räume nutzen – die wiederum morgens leerstehen? „Wir sollten eine Immobilie als Ganzes gut nutzen“, regt sie eine organisatorische und pädagogische Auseinandersetzung mit dieser Frage an.

Stichwort Kooperation: „Es gibt keine Denkverbote“, will Susanne Schwier kreative Ideen anstoßen. So wolle man durchaus gucken, ob in einer Grundschule, in der Räume frei werden, eine Kita-Gruppe integriert werden kann. „Andere Städte machen das auch, zumal das ja auch pädagogisch sinnvoll ist“, sagt die Dezernentin. Genauso hält sie die Zusammenarbeit beispielsweise zwischen einzelnen Gymnasien und Grundschulen zwecks besserer Raumnutzung für diskutabel. Generell sieht sie bei der Frage, wie man mit hier wachsenden und dort schrumpfenden Schulen umgeht, „in der Planung noch Luft nach oben“.

Stichwort Politik: Es gibt einen Rats -antrag der schwarz-roten großen Koalition zur „Neuordnung der Aachener Schullandschaft“, in dem die Verwaltung mit der Fortschreibung des Schulentwicklungsplans beauftragt wird. „Wir sagen ganz bewusst Weiterentwicklung, nicht Neuordnung“, bezieht Schwier Position. Das von ihr zusammen mit dem Gebäudemanagement initiierte „Gebäudescreening“ – also die baullich Bestandsaufnahme der Aachener Schullandschaft – sei ein Baustein davon. Im November will die Dezernentin „die Politik mit einbinden“ und ihr Konzept präsentieren. Im Sommer kommenden Jahres will man Klarheit über die Situation an den Grundschulen haben, bis Sommer 2017 dann auch über jene an den weiterführenden Schulen.

Stichwort Kosten: „Es wird permanent in Schulen investiert“, sagt Schwier. Das stimmt. Aber um Barrierearmut zu ermöglichen, wird einiges hinzukommen. „Da wird sehr viel Geld in die Hand genommen“, ergänzt Brötz. Wie schnell man über Millionen reden wird, zeigt das Beispiel der Schwerpunktschule Am Höfling. Dort steht der Einbau eines Aufzuges, die Einrichtung eines Pflegeraums und der Neubau einer barrierefreien Pausenhalle an. Kosten: fast 1,1 Millionen Euro. Verständlich, dass Schwier dafür plädiert, den Ausbau in Sachen Inklusion bedarfsgerecht zu gestalten und Augenmaß walten zu lassen, damit die Kosten nicht in die Höhe schießen.

Stichwort Höhe: Auch in anderer Hinsicht bleibt die Dezernentin am Boden. Vogelperspektive hin oder her: Susanne Schwier will alle 77 Aachener Schulen persönlich besuchen. Drei bis vier Einrichtungen pro Monat will sie schaffen. Die Aachener Schullandschaft wird also auch durchwandert. Denn der bloße Blick von oben reicht alleine nicht.

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