Schulen und Kitas: Asbest ja, Gefahren nein

Von: Stephan Mohne
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Hier fing alles an: Bei der Sanierung der Musikschule wurde die Stadt erstmals mit dem Problem asbestbelasteter Putz- und Spachtelmassen konfrontiert. Eine Probe dessen wurde auch am Dienstag bei der Pressekonferenz herumgereicht. Foto: Michael Jaspers
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Gutachter Otmar Reifer kommt bei den bisherigen Analysen zu dem Ergebnis: „Es besteht keine Gefahr durch die asbesthaltigen Putz- und Spachtelmassen.“

Aachen. Die schlechte Nachricht: 14 Schulen in Aachen und vier Kitas werden in den kommenden Tagen erfahren, dass in den Gebäuden asbesthaltige Putz- und/oder Spachtelmaterialien vorhanden sind. Die gute Nachricht laut Stadt und externem Gutachter: Eine Gefahr für die Gesundheit besteht – „bei normaler Nutzung“ – trotzdem nicht.

Das ist das Fazit einer breit angelegten Pressekonferenz, die Stadt und Städteregion am Dienstag veranstalteten. Hintergrund: Vor etwa drei Jahren rückte das Thema asbesthaltiger Putz – in Aachen und auch bundesweit – in den Fokus, wie Klaus Schavan, technischer Leiter des städtischen Gebäudemanagements, erklärte. Ging es vorher immer zum Beispiel um Asbestplatten, so „war das für uns ein ganz neues Thema“, fügte Schavan an.

Erstmals in der Realität wurde man bei der Sanierung der Musikschule damit konfrontiert und tauschte die Materialien dann auch umgehend aus. Zudem wurde klar: Da wartet eine neue Mammutaufgabe. Denn logischerweise tauchte die Frage auf: Was ist mit den anderen städtischen Gebäuden, die vor 1993 – dem Jahr, als Asbest kategorisch verboten wurde – gebaut worden waren? „Wir haben uns entschlossen, konsequent und transparent vorzugehen“, erzählte Schavan.

Will heißen: Alle älteren städtischen Gebäude sollen auf die entsprechenden Materialien untersucht werden, um eine Gefahrenabschätzung vornehmen zu können. Und das sind von den 550 Gebäuden, um die sich das Gebäudemanagement kümmert, die meisten. Die oberste Priorität wurde dabei auf Schulen und Kitas gelegt.

Stand heute sind von 59 vor 1993 gebauten Schulen 39 untersucht worden. Bei besagten 14 war der Asbestbefund positiv. Bei den Kitas sind 29 zu untersuchen, 22 hat man abgearbeitet, vier sind betroffen. Außerdem wurden fünf weitere Verwaltungsgebäude untersucht, in drei davon ist asbesthaltiger Putz verbaut worden.

Das sei aber keineswegs eine Katastrophe oder ein Grund zur Panik. Heinrich Brötz, städtischer Fachbereichsleiter Jugend und Schule, zeigte sich jedenfalls „ungemein erleichtert“ und dankte für das „gewissenhafte Vorgehen“.

Die Begründung für die „Entwarnung“ folgte aus berufenem Munde: Denn das ist nur die eine Seite der Untersuchungen, für die man als externen Experten den erfahrenen Asbestgutachter Otmar Reifer aus Meerbusch engagierte. Der erläuterte, dass man auch verschiedene „Feldversuche“ anstellte, um zu sehen, ob im Alltag in den Gebäuden eine Gefahr für die Gesundheit besteht.

Einmal wurden 30 Löcher in eine Wand gebohrt. Dabei wurde die Luftbelastung ebenso analysiert wie der Staub. Ergebnis: keine Asbestfasern. Dann klopfte man den Putz ab und nahm die Messungen vor. Ergebnis: keine Fasern. Zuletzt nahm man sich eine „Flex“ und schliff die Oberfläche ab – mit entsprechender Staubentwicklung. Ergebnis: einzelne Fasern in der Luft. Laut Hilde Opdenberg vom Gesundheitsamt der Städteregion müssen es aber schon mindestens 1000 Fasern pro Kubikmeter Luft sein, um überhaupt von einer erhöhten Gefährdung ausgehen zu können.

Und so kommt der Gutachter zu dem Fazit: „Es besteht keine Gefahr durch die asbesthaltigen Putz- und Spachtelmassen.“ Zumindest, solange man nicht grobe Gewalt anwendet, aber in einer Schule „würde ohnehin nie jemand die Wände abschleifen“, so Klaus Schavan. Der Asbestgehalt in den Materialien sei im Vergleich etwa zu Verbundplatten oder Ähnlichem sehr gering. Und: Bei festgebundenem Asbest – wie es im Putz der Fall sein – bestehe auch keine Verpflichtung zum Handeln.

Dennoch packe die Stadt die Schadstoffproblematik seit 1989 konsequent an. Sämtliche Gebäude seien rigoros von Asbest befreit worden. Auf den „Aachener Weg“ blickten andere Kommunen hochachtungsvoll. Auch bei der neuen Problematik „tun wir alles, was wir tun können“.

Trotz der Einschätzung, dass keine Gefahr besteht, werde man alle Gebäude untersuchen lassen. „Alles andere wäre fahrlässig“, so Schavan, der darauf hinwies, dass natürlich auch jedes ältere Privathaus potenziell von der Problematik betroffen sei. Schließlich sollen etwa die Hausmeister wissen, mit was sie es zu tun haben.

So sollen beim Bohren dann Geräte mit Luftabsaugung eingesetzt werden. In der Städteregion hat man den Hausmeistern erst einmal das Bohren ganz untersagt, wie Dezernent Uwe Zink erläuterte. Denn auch dort werden derzeit 22 Kitas, 21 Schulen und 20 Verwaltungsgebäude untersucht. Wenn das Ergebnis vorliege, werde man Handlungsempfehlungen geben.

Und warum wurden die Materialien in der Musikschule trotzdem komplett entfernt? „Da waren wir ohnehin mit einer anderen Asbestsanierung beschäftigt und haben dann gleich Tabula rasa gemacht“, so Schavan. Mit dem Informationsstand von heute würde man möglicherweise anders vorgehen.

Wer sich jetzt übrigens fragt, ob „seine“ Schule oder Kita unter den „positiv getesteten“ ist, muss sich noch gedulden. Die Namen wollte die Stadt am Dienstag partout nicht nennen. Und zwar, weil die Einrichtungen erst in den kommenden Tagen informiert würden. Schavan: „So macht man das, und das ist auch richtig so.“

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