Aachen - Schule Michaelsbergstraße: Streit um Ausbau eskaliert

Schule Michaelsbergstraße: Streit um Ausbau eskaliert

Von: Stephan Mohne
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Im Fokus heftiger Dispute: Die Grundschule Michaelsbergstraße in Burtscheid soll ausgebaut werden. Aber über das Wie gibt es völlig unterschiedliche Ansichten. Foto: Harald Krömer
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„Argumente der Schulpflegschaft lassen sich in der Luft zerreißen“: Eine Mail von SPD-Politiker Bernd Krott ging statt an die CDU an ebenjene Schulpflegschaft.

Aachen. „Lieber Holger“ – so beginnt eine kurze E-Mail von Bernd Krott. Er ist schulpolitischer Sprecher der SPD. Und der „liebe Holger“ ist sein Pendant bei der CDU, Holger Brantin. Die Mail geht wie folgt weiter: „Bitte nicht schwanken! Die Argumente der Schulpflegschaft lassen sich in der Luft zerreißen.“

Doch beim „lieben Holger“ kommt die Mail nicht an. Denn Absender Bernd Krott, der sonst eher als ruhig und sachorientiert bekannt ist, hat einen falschen Adressaten ausgewählt – und zwar einen, bei dem diese Mail wohl zuletzt hätte landen sollen: Nico Dreher, Vorsitzender besagter Schulpflegschaft der Grundschule Michaelsbergstraße in Burtscheid. Und um deren Ausbau geht es hier.

OGS platzt aus allen Nähten

Um diesen Ausbau insbesondere für die Offene Ganztagsschule (OGS) gibt es Streit. Dieser beruht darauf, dass die Verwaltung jüngst im Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss Pläne vorlegte, deren Konkretisierung beschlossen werden sollte. Dies wiederum deshalb, weil die OGS dort aus allen Nähten platzt. Angelegt ist sie für 75 Kinder, besucht wird sie von rund 180. Derzeit sind deswegen externe Räume gemietet. Die Pläne der Verwaltung gehen dahin, einen Anbau zur Michaelsbergstraße zu realisieren. Auf zwei Ebenen soll es dort einen rund 130 Quadratmeter großen Multifunktionsraum geben, der auch als Mensa genutzt würde. Zudem hat die Verwaltung vorgeschlagen, auf diesen Anbau noch mehrere Geschosse mit – zum Teil öffentlich geförderten – Wohnungen zu setzen.

Die Pläne lösten umgehend Protest in der Elternschaft aus. Schulpflegschaftsvorsitzender Nico Dreher kritisierte gegenüber unserer Zeitung, dass die Eltern vorab nicht über die Pläne informiert worden seien. Zudem sei der vorgesehene Platz nicht ausreichend. Die 130 Quadratmeter seien sogar noch zehn weniger, als man jetzt in den Mieträumen habe. Der Standort sei überdies ungünstig, da dadurch ein Teil des Schulhofes wegfalle. Und auch in Sachen Mietwohnungen sind die Eltern nicht glücklich. Sie befürchten Konflikte mit den Mietern. Zudem würden weitere Ausbaumöglichkeiten an der wachsenden Schule verhindert.

Der Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss verwies das Thema erst einmal an den Schulausschuss, der beraten soll, wie der Bedarf der Schule ist. Danach könne man über alles andere reden. Genau das soll der Schulausschuss kommenden Dienstag tun. Im Vorfeld hatten die Eltern noch einmal die Politiker angeschrieben und ihre Argumente zusammengefasst. Diese sind wohl in der Mail von Bernd Krott gemeint.

Am Freitag gab es dann als Folge der fehlgeleiteten Mail ein weiteres, geharnischtes Schreiben der Schulpflegschaft und des Fördervereins an Krott: „Sie fordern Herrn Brantin auf, er möge nicht schwanken. Warum sollte er denn nicht schwanken? Wir gehen davon aus, dass Herr Brantin sich seiner Verantwortung im Ausschuss bewusst ist und sich seine eigene Meinung zur Planung der Verwaltung gebildet hat“, heißt es da. Und weiter: „Wir sind äußerst irritiert, wie hier aus Ihrer Sicht, Herr Krott, mit der Schulpflegschaft als einem demokratisch gewählten Gremium ratsintern umgegangen werden soll. Einer Schulpflegschaft, die sich für ihre Kinder und die Schule Michaelsbergstraße engagiert einsetzt.“ Und die Eltern erinnern Krott an den Koalitionsvertrag mit der CDU, wo die Einbeziehung der Eltern in die nötigen Ausbauprozesse betont wird.

„Die Relation wahren“

Bernd Krott erfuhr indes am Freitag von der AZ, dass er die Mail versehentlich an die Schulpflegschaft sendete. Er entschuldigte sich für den „unangemessenen Tonfall“. Grundsätzlich wies der SPD-Politiker jedoch Kritik zurück, wonach es keine ausreichenden Informationen gegeben habe: „Es hat in dem langen Prozess zig Gespräche gegeben, an denen auch die Schulleitung und die OGS-Leitung teilgenommen haben.“ Politik und Verwaltung seien nicht dafür verantwortlich, wenn die Informationen nicht ausreichend weitergegeben würden.

Bezüglich der Kritik an den Planungen sagte Krott, dass es für Mensen in Neubauten scharfe Hygienevorschriften gebe, die hier beachtet werden müssten. Bezüglich der Größe müsse man auch die Relation zu anderen Schulen wahren, die größer als diese zweizügige Schule in Burtscheid seien. Wenn der Platz aber nicht reiche, werde man reagieren. Auch die Mieträume könnten weiter zur Verfügung stehen. Die Wohnungen seien indes Sache anderer Ausschüsse.

Und was sagt der „liebe Holger“ – er hat sich ebenso wie Krott bereits die Situation an der Schule angeschaut – zu der Bitte des Koalitionspartners, nicht zu schwanken? Die Mail, die ihn ja nie erreichte, will Brantin nicht kommentieren. Grundsätzlich gebe es zwischen CDU und SPD unterschiedliche Auffassungen zur Wohnbebauung. Während die SPD sich mit dieser Idee anfreunden kann, sieht die CDU das kritisch: „Man muss die Frage stellen, ob das kompatibel ist“, so der CDU-Politiker. Das werde er Dienstag (17 Uhr, Depot an der Talstraße) auch im Ausschuss zur Sprache bringen.

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