Schuldner rennen Experten die Türen ein

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Mit den privaten Schuldenbergen ist der Druck auf die einschlägigen Beratungsstellen in jüngster Zeit massiv gewachsen. Bereits im August vergangenen Jahres schlugen die örtlichen Einrichtungen von Verbraucherzentrale, Caritas, Diakonie und Schuldnerberatung e.V. Alarm.

Die Liste der Klienten war bereits so lang geworden, dass die Wartezeiten rund sechs Monate betrugen. Jetzt soll die Zahl der professionellen Berater bei externen Trägern mit maßgeblicher Unterstützung der Stadt von fünf auf sechs Vollzeitstellen erhöht werden. Zudem wurde ein Konzept zur Optimierung der Leistungen in Gestalt vorgeschalteter Gruppenangebote erarbeitet. Einen entsprechenden Vorschlag, auf den die Verwaltung sich mit den Trägern geeinigt hat, soll der Sozialausschuss am 26. Februar beschließen.

Allein vom Verein Schuldnerberatung sowie durch Diakonie und Verbraucherzentrale sind im vergangenen Jahr 746 Aachener betreut worden. Dies entsprach 133 Personen bei insgesamt 5,6 hauptamtlichen Stellen. Laut Förderrichtlinien sollte die Zahl der Klienten pro Berater indes nicht über 80 liegen. Daher sollen die Wartelisten jetzt auch durch je zwei obligatorische Infoveranstaltungen für jeweils maximal 20 Teilnehmer abgebaut werden. Zudem wurden die Zuschüsse von 68.200 auf 73.150 Euro pro Stelle erhöht, um tariflich bedingten Kostensteigerungen Rechnung zu tragen.

Vorrang für Hartz-IV-Empfänger

Im Ganzen soll sich die Stadt künftig mit 268.000 Euro an der Finanzierung der Beratung beteiligen, weitere 67.000 Euro sollen im Zuge der Städteregion aus den Kassen der (ehemaligen) Kreiskommunen fließen. Abzüglich externer Subventionen seitens des Landes und der Sparkasse beliefen sich die städtischen Aufwendungen bislang auf rund 235.000 Euro.

Hinzu kommt, dass Menschen, die aufgrund von Langzeitarbeitslosigkeit in die Schuldenfalle geraten sind und deshalb Anspruch auf professionelle Hilfe geltend machen können, künftig vorrangig berate werden sollen; die Arge hat überdies eine „Vorschaltstelle” geschaffen, um Möglichkeiten einer effektiven Entschuldung individuell auszuloten.

Dennoch, bekräftigen die Träger der externen Einrichtungen, dürfte sich die Situation in naher Zukunft weiter verschärfen - und dies, obwohl die Stadt ihre Finanzhilfen seit 2005 bereits um rund 30 Prozent aufgestockt habe: Nach einschlägigen Studien sei in diesem Jahr bundesweit mit einem Anstieg der Verbraucherinsolvenzen um über 50 Prozent auf insgesamt 145.000 Fälle zu rechnen. Daher haben die zuständigen Träger gefordert, grundsätzlich eine Beraterstelle pro 25.000 Einwohner zu schaffen - in Aachen kämen derzeit auf einen Experten rund 46.000 Einwohner.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert