Aachen - Schulbeginn: „Mystisches” Puzzle an der Magnet-Tafel

Schulbeginn: „Mystisches” Puzzle an der Magnet-Tafel

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
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Jedes Plättchen passt, sonst stimmt der Stundenplan nicht: An dieser Magnettafel erstellt Michael Geurtz den Stundenplan für die Hauptschule Drimborn und ihre 460 Schüler. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Farbenlehre von Michael Geurtz hat anziehende Wirkung. Nicht nur, weil die Tafel, auf der sich die bunten Plättchen befinden, magnetisch ist. Denn wenn der Konrektor der Gemeinschaftshauptschule Drimborn, erzählt, wie die Plättchen an die Wand kommen, dann ist aufmerksames Lauschen angesagt.

Geurtz erzählt nicht, wie er sie rein physisch an die Tafel pappt, sondern welche Gedanken hinter jedem farbigen Magnet stecken. Das, was dort an der Wand des Rektorenbüros an der Oberen Drimbornstraße hängt, ist nämlich ein Stundenplan. Und zwar einer, der alle Stunden aller 460 Schüler und 40 Pädagogen an die Wand wirft - und zwar das ganze Schuljahr. Für Geurtz ist es die Arbeit von ein bis zwei Wochen.

Heute beginnt die Schule wieder, und überall in der Stadt bekommen die Schüler ihre Stundenpläne. Geht man davon aus, dass an jeder der 40 Grundschulen jeden Jahrgang zwei Klassen besuchen und an den weiterführenden noch mehr, dann wurden in diesen Sommerferien wieder rund 800 verschiedene Stundenpläne erstellt -Êohne die gymnasialen Oberstufen. Und jeder ist anders, jeder muss andere Anforderungen erfüllen. Jeder ist einzigartig.

Natürlich gibt es mittlerweile Computerprogramme, die Stundenpläne aufstellen können. „Wir werden mit Angeboten bombardiert, ich habe Probeversionen getestet. Aber keine ist auf das Profil der Schule abgestimmt. Ich kenne jede Klasse und jeden Kollegen. Ein Computerprogramm nicht”, sagt Geurtz. Sprich: Einem Computerprogramm ist es egal, ob die Klasse 7a freitags in der sechsten und siebten Stunde Englischunterricht hat. Den Schülern nicht. Und Schulleiterin Annett Koch-Thoma auch nicht: „Da ist die Aufmerksamkeit doch gar nicht mehr da”, sagt sie.

Das kann Michael Geurtz verhindern. Indem er seinen Stundenplan vorbereitet. Bevor ein farbiges Plättchen - jedes steht für einen Lehrer, Geurtz selbst ist grün mit gelbem Punkt - an die Tafel kommt, stellt er sich viele, viele Fragen. Wer übernimmt welche Klassenleitung? Wer passt besser zu einer fünften als zu einer zehnten Klasse? Welche Lehrer arbeiten gerne im Team zusammen? Welche Kollegen profitieren voneinander? Welche Wünsche haben die Lehrer? Welche Impulse wollen sie geben?

Dann überlegt Geurtz, was er hat. Nämlich einen Grundstellenbedarf von 17,98, der sich an der Gesamtschülerzahl orientiert. Was eine 0,98-Stelle ist, sei dahingestellt. Tatsächlich gibt es 24 Stellen für 24 Klassen, so dass jede Klasse einen eigenen Lehrer hat. Und mit den Kollegen in Teilzeit, Lehramtsanwärtern, Sonderpädagoginnen, Sozialarbeiter, Praktikanten und ehrenamtlichen Seniorenexperten sind es 40 Personen, die Geurtz einsetzen kann. Jeder Kollege hat eine bestimmte Stundenzahl. Bei einer Vollzeitkraft sind es 28 Stunden. Erst wenn er für alle und alles eine Übersicht hat, beginnt die Arbeit am Stundenplan. „Es wird nichts dem Zufall überlassen, Dannann würde das Chaos ausbrechen”, sagt er.

Mit Sport fängt alles an

Ein paar Monate ließ er sich von seinem Vorgänger in die Materie einführen. „Es hatte etwas Mystisches”, erzählt Geurtz. Mittlerweile hat sich eine gewisse Routine eingestellt. Und mit der wird der Stundenplan dann gesetzt. Die Wochentage stehen in der vertikalen Achse, die Klassen in der horizontalen.

Aber Geurtz beginnt keineswegs montags mit der 5a. „Das würde nicht funktionieren”, erläutert er. Er beginnt mit den Fächern, die spezielle Fachräume bedingen. Also mit Sport, dann Hauswirtschaft (hier wird die Schulküche belegt), und, und, und. Dann kommen die Fächer, in denen differenziert wird. Alle siebten Klassen haben montags in der dritten Stunde Englisch und in der vierten Mathematik. Dann wird der Klassenverband aufgelöst und der Unterricht individueller ausgerichtet. Fach für Fach füllt sich dann die Tafel. Am Ende kommen die Wahlfächer.

„Wir sind in der guten Situation, dass wir den kompletten Fächerkanon anbieten können”, sagt Geurtz. Also auch Musik und die Naturwissenschaften, Fächer, die anderorts wegen Lehrermangels wegfallen müssen. Sie alle sind an dem Magnetstundenplan haften geblieben. Bunt ist er. Aber wichtiger noch: fertig. Das Schuljahr kann losgehen.
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