Aachen - Schützen, Rittersleut‘ und eine Premiere im Dom

Schützen, Rittersleut‘ und eine Premiere im Dom

Von: Jutta Katsaitis-Schmitz
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Pontifikalamt im Dom: Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff (l.) zelebrierte den Gottesdienst gemeinsam mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (Mitte). Foto: Andreas Schmitter
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Attraktion auf der Rathaustreppe: Falkner Arnd Jansen und sein Sakerfalke wurden am Sonntag beim Karlsfest von großen und kleinen Besuchern bestaunt. Foto: Andreas Herrmann
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Alte Tradition: Begleitet von der Musikvereinigung Roetgen zogen die Karlsschützen vom Dom zum Rathaus. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Ein Hauch von Wiener Opernball lag über dem Festabend der Karlsschützengilde im Ballsaal des Alten Kurhauses. Anlass waren das Königs- und Patronatsfest, mit dem die Gilde als bundesweit ältester deutscher Verein des nun 1201.Todestages Karls des Großen gedachte und zugleich ihre diesjährigen Majestäten ehrte.

So eröffnete auch Karlsschützen-Präsident und König Robert van Eisern mit seiner Gattin zu den Klängen der mitreißenden Band „Touch“ im Walzertakt den Ball. Im Laufe des Abends zeichnete Vizepräsident Franz-Josef Rossbroich langjährige Mitglieder mit Ehrennadeln des Deutschen und Rheinländischen Schützenbundes aus: für 40 jährige Treue Franz-Peter van Eisern und Robert van Eisern, die beide einst von ihrem Großvater als Mitglieder angemeldet worden waren. Für 25-jährige Mitgliedschaft wurde Waldemar Diener ausgezeichnet.

„Gegen ideologische Verblendung“

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten zum Karlsfest stand am Sonntag das Pontifikalamt im Aachener Dom. Hauptzelebrant war Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln, der zum ersten Mal in Aachen als Metropolit der Kölner Kirchenprovinz hier einen Gottesdienst feierte und auch die Predigt hielt.

Konzelebranten waren neben Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff und Dompropst Manfred von Holtum weitere acht Geistliche des Domkapitels.

Musikalisch gestalteten der Aachener Domchor und Solisten sowie das Sinfonieorchester Aachen unter Leitung von Domkapellmeister Berthold Botzet den Gottesdienst mit den erhabenen, majestätischen Klängen der Messe in f-Moll von Anton Bruckner.

In seinen Begrüßungsworten erinnerte Mussinghoff an das Jahr 1945, in dem zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ein Karlsfest gefeiert wurde. Der Domchor sang damals unter der Leitung von Domkapellmeister Rehmann erstmals zusammen mit dem Städtischen Orchester als Uraufführungen das ‚Urbs Aquensis“ und das Dettinger „Te Deum“.

„Wir begehen heute das Karlsfest und gedenken des ersten großen Europäers. Was aber haben wir aus diesem Europa gemacht?“, fragte Kardinal Woelki in seiner Predigt. „Ich finde: Weisheit und Einsicht sind die Tugenden, die gegen ideologische Verblendung und gegen einen letztlich gottlosen Bezug auf Gott helfen können“, beantwortete er seine Frage.

Wechselseitig dürften und müssten Religionen und Gesellschaft sich aufklären und läutern, hieß es an anderer Stelle. Man dürfe dankbar dafür sein, dass es heute in Europa möglich sei und gelinge, demagogische Strömungen in die Schranken zu weisen: „Das ist ein Europa in der Tradition Karls, ein Europa, das sich deshalb als würdig erweist, christliches Abendland zu heißen, weil es darum weiß, dass der Gott Jesu Christi auch der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist.“

Gemüseeintopf und Karlswurst

Begleitet von der Musikvereinigung Roetgen zog anschließend der Festzug der Karlsschützen zum Rathaus, wo sie im Krönungssaal ihre Generalversammlung abhielten. Für zehnjährige Treue wurden Dieter Lerch, Sabine Kames und Josef Kohlen geehrt, wie auch zahlreiche erfolgreiche Schützensportler der Gilde bei den Deutschen Meisterschaften 2015.

Seit dem Vormittag stand Besuchern am Sonntag das Rathaus bei freiem Eintritt offen. 3640 Bürger machten davon Gebrauch. Die Rathausgarde stand mit ihren Hellebarden Spalier, und Tierfreunde scharten sich um Falkner Arnd Jansen mit seinem geduldigen Sakerfalken.

Im Krönungssaal wartete die Limburgische Ritterschaft von Burg Rode mit Musik und Tanz auf, und an der Feinschmecker-Theke der Aachener Aixtra-Fleischer duftete es schon von Weitem nach leckerem Gemüseeintopf – und natürlich nach Karlswurst.

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