Laurensberg - Schüler und Lehrer leisten „Pionierarbeit“

Schüler und Lehrer leisten „Pionierarbeit“

Von: Katrin Fuhrmann
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Echte Aufbauarbeit: Die Fünftklässler am Anne-Frank-Gymnasium und ihren Lehrerinnen Anita Zuchetto-Debour und Renate Rummel (hinten v.r.), zeigen, wie gut Inklusion funktionieren kann. Foto: Andreas Steindl

Laurensberg. Der Turm aus Papier wird höher und höher. Langsam beginnt er zu wackeln, bis die obere Etage des Papierturms schließlich auf den Boden fällt. Leise fluchen einige Schüler. Dann wird schnell weiter gebaut – immer den Blick auf die anderen Gruppen gerichtet, die ebenfalls versuchen einen Turm aus Papier zu errichten.

In wenige Minuten läutet der Gong für die Fünftklässler des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG). Dann ist Schulschluss – zumindest für diesen Tag. Spielerisch haben sie dann gelernt, im Team zu arbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen. Gemeinsam Strategien entwickeln, sich auszutauschen und die Stärken des anderen zu erkennen, sind die Hauptziele dieser Unterrichtseinheit. Was so normal wirkt, ist doch etwas Besonderes in Aachen.

Denn der zweite Blick verrät: Die Klasse 5a wird gleich von zwei Lehrerinnen unterrichtet, da es sich um die erste gymnasiale Inklusionsklasse in der Stadt handelt. Vier der insgesamt 15 Schüler haben einen Förderbedarf im Schwerpunkt Lernen. Sie werden „zieldifferent“ unterrichtet. So nennen das die Schulexperten. „Als wir im vergangenen Jahr die Aufforderung bekamen, eine Inklusionsklasse ins Leben zu rufen, hatten wir viele Hürden zu überwinden. Aber wir haben die Situation alle zusammen gut gemeistert und die Integration ist uns geglückt“, sagt Schulleiter Wolfgang Gurzan stolz.

Die überschaubare Klassengröße ermöglicht ein angenehmens Lernen und den ständigen Austausch zwischen den Schülern und den Lehrern. Die heterogene Lerngruppe wird immer von einem Team unterrichtet, das meistens aus einer Regelschullehrerin und der Förderschullehrerin Renate Rummel besteht. In allen Fächern wird Wert darauf gelegt, dass die Schüler gemeinsam lernen und sich austauschen können.

Die Schüler mit besonderen Förderbedarf bekommen zwar individuelle Aufgaben, die einen anderen Schwerpunkt haben, nehmen aber trotzdem am allgemeinen Unterricht teil. Auch wenn die Klasse mittlerweile eine richtige Einheit geworden ist, war es am Anfang gar nicht so leicht, Eltern für das Projekt „Inklusionsklasse“ zu finden. Nur elf der insgesamt 65 Eltern, die ihre Kinder am AFG angemeldet haben, haben sich bereit erklärt, ihr Kind in die inklusive Klasse zu schicken.

Für Klassenlehrerin Anita Zucketto-Debour und Renate Rummeler war das Unterrichten im Team eine neue, aber tolle Erfahrung, wie sie betonen. Auch die Vergleichsarbeiten, die regelmäßig geschrieben werden, zeigen, dass die Schüler der inklusiven Klasse, die gleiche Leistung erbringen wie die beiden anderen fünften Klassen. „Die überschaubare Größe vereinfacht vieles und macht das Lernen sehr angenehm“, sagt Rummel.

Begünstigt wird die Atmosphäre durch die räumliche Situation, die an der Schule geschaffen wurde. In einem direkt an die Klasse angeschlossenen Nebenraum, können sich die Kinder auch mal zurückziehen und Kraft tanken. Außerdem findet in diesem Raum der Förderunterricht mit der Sonderpädagogin – vornehmlich in den Hauptfächern – statt.

„Es ist schön zu sehen, dass die Schüler sich untereinander so gut verstehen. Alle Befürchtungen am Anfang und jede Skepsis haben wir überwunden“, sagt Gurzan. Inklusion ist am Anne-Frank-Gymnasium schon lange kein Neuland mehr. Schüler mit körperlichen Handicaps nehmen seit Jahren am Regelunterricht teil. Aber eine Inklusionsklasse dieser Art ist neu und eine völlig neue Erfahrung sowohl für das gesamte Kollegium, als auch für die Schüler und deren Eltern. „Natürlich stellen wir uns die Frage, wie es weitergehen wird. Irgendwann stoßen wir räumlich an unsere Grenzen. Aber wir haben das Ziel, weitere Inklusionsklassen zu fördern“, sagt Gurzan.

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