Aachen - Schüler startklar für Lehre machen

Schüler startklar für Lehre machen

Von: Stefan Herrmann
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Aachen. Man muss auch mal Uncooles tun, um am Ende Erfolg zu haben. Zum Beispiel Nägel lackieren. Armin, 14, Christian, 15, und Almir,14, haben es getan. „Nicht unser Ding”, gaben die Jugendlichen ehrlich zu. Die Erfahrung, was Kosmetiker und Friseure in ihrem Arbeitsalltag so machen, haben die Jungs trotzdem im Gepäck. Und schaden könne das ja nicht, findet Matthias Fischer.

Fischer ist Berufswahlkoordinator an der Gemeinschaftshauptschule (GHS) Drimborn. Die ersten Monate des Projekts „Startklar - Mit Praxis fit für die Ausbildung in NRW” bewertet der Pädagoge rundweg positiv.

„Hier erlebe ich das erste Mal in meinen 20 Jahren als Lehrer, das etwas wirklich langjährig und nachhaltig angelegt ist”, lobt Fischer. Mit „Startklar” beginnt die Berufsorientierung für die Schüler bereits in der 8. Klasse.

Zusammen mit den Trägern vor Ort - der federführenden Handwerkskammer, dem Verein „In Via Aachen”, der Jugendberufshilfe der Stadt, der gemeinnützigen low-tec GmbH, Quali-Tec und dem Sozialwerk Aachener Christen - wurde das von mehreren Ministerien geförderte Programm realisiert (siehe Box).

Kernelement war für die knapp 80 Hauptschüler die praktische Arbeitsphase. Zwei Wochen lang lernten sie unterschiedliche Ausbildungsberufe kennen: Metall- und Holzverarbeitung, Garten- und Landschaftsbau, Hotel- und Gaststättengewerbe, Gesundheits- und Krankenpflege, die Berufe Maler und Lackierer, Friseur und Kosmetiker sowie den Bereich Sanitär, Heizung und Klima.

„Mindestens fünf, sechs Berufsfelder hat jeder Schüler in zwei Wochen durchlaufen”, sagt Sabine Schieren vom Sozialwerk. So mussten Armin, Christian und Almir nicht nur bei den Friseuren Locken um die Wette wickeln, sondern sie durften auch bei den Metallern kräftig an der Werkbank schrauben.

Ein wichtiger Baustein des Programms: Es bleibt nicht bei der einmaligen Erfahrung, zumindest für die, die weitermachen wollen. In der 9. Klasse vertiefen die Schüler in ihren bevorzugten Lehrberufen theoretisches und praktisches Wissen. 40 Zeitstunden pro Halbjahr umfasst das Programm dann.

Das Problem: Von Landesseite her kalkuliert man nur mit einem Viertel der Schüler, die auch als Neuntklässler startklar bleiben wollen. Entsprechend sind die Fördergeldtöpfe ausgestattet. Derzeit rechnet allein Fischer aber mit mindestens 30 (von 80) Jugendlichen, die nach den Sommerferien weiter am „Startklar”-Ball bleiben wollen. Ob es finanziell andere Lösungen gebe oder letztlich ausgewählt werden müsse, wer weitermachen darf, steht noch nicht fest. Klar ist dagegen, dass „Startklar” in der 10. Klasse auf die Zielgerade einbiegt. Läufts optimal, haben die jungen Absolventen am Ende einen Lehrstellenvertrag in der Tasche.

Wie wichtig das ist, beweisen aktuelle Zahlen: Nur 20 Prozent der Absolventen an der GHS Drimborn und anderen Hauptschulen haben eine Lehrstelle sicher. Mit „Startklar” erhoffen sich alle, diese Quote zu steigern. „Garantien können wir natürlich nicht geben, aber mit Startklar kann der Weg geebnet werden”, sagt Fischer.

„Das Pilotprojekt wird bisher von allen richtig gut angenommen”, freut sich Theresa Mangartz von „In Via Aachen”. Die Zertifikate über die ersten Berufserfahrungen wurden nun ausgeteilt und machen sich, davon sind die Initiatoren überzeugt, auf jeden Fall gut in der Bewerbungsmappe. Das wissen natürlich auch Armin, Christian und Almir. Und was ist schon cooler, als nach der Schule eine Lehrstelle zu bekommen?

Sieben Aachener Schulen nehmen am Projekt „Startklar - Mit Praxis fit für die Ausbildung” teil: die Gesamtschule Aachen-Brand, die Heinrich-Heine-Gesamtschule, die GHS Aretzstraße, die GHS Kronenberg, die GHS Drimborn, die Martin-Luther-King-Förderschule und die Förderschule Beginenstraße.

Zirka 600 Schüler nahmen insgesamt seit März an der ersten Projektphase teil. In Aachen läuft das Programm mindestens fünf Jahre.

Gefördert wird „Startklar” vom Europäischen Sozialfonds, dem NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales , dem NRW-Ministerium für Schule und Weiterbildung, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Bundesagentur für Arbeit.
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