Schüler senden Öcher Grüße in die Rad-Welt

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
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Stark angelehnt an das mittelalterliche Karls-Siegel: Die Schüler haben Freitagnachmittag über 150x100 Meter auf einer Wiese nahe dem Europaplatz die Karolus-Buchstaben in den Tour-Namen integriert und aus Papierbahnen in der Kunstform nachgeahmt. So soll es am Sonntag in die Welt gehen. Fotos/Animation: Michael Jaspers, Büro Landart Stockberg
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Stark angelehnt an das mittelalterliche Karls-Siegel: Die Schüler haben Freitagnachmittag über 150x100 Meter auf einer Wiese nahe dem Europaplatz die Karolus-Buchstaben in den Tour-Namen integriert und aus Papierbahnen in der Kunstform nachgeahmt. So soll es am Sonntag in die Welt gehen. Fotos/Animation: Michael Jaspers, Büro Landart Stockberg
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Er hatte die Idee und fand in Einhard-Lehrer Alexander Creus einen begeisterten Mitstreiter: der Diplom-Designer Martin Stockberg.

Aachen. Am Sonntag kann sich Martin Stockberg die Tour de France im TV vergleichsweise entspannt anschauen. Er hat seine Arbeit getan, und mit ihm eine Reihe von Schülerinnen und Schülern des Einhard-Gymnasiums.

Sie alle zusammen haben im Kampf gegen den  Wind auf einer großen Wiese direkt am Europaplatz eine unübersehbare Botschaft „made in Aachen“ in die Welt des Radsports geschickt. Unübersehbar, 150 mal 100 Meter groß, aus weißen Papierbändern und ganz nah am Siegel Karls des Großen. „Landart“ nennt Martin Stockberg die Kunstform, bei der großformatige Bilder in die Landschaft gezaubert werden. Umweltbewusst haben die Schülerinnen und Schüler Papierbahnreste organisiert, aus denen das variierte Siegel so großformatig nachempfunden wird, dass es den Kameras in den Tour-Hubschraubern eigentlich nicht entgehen sollte. Wenn der Wettergott auch ein Radsportfan ist.

Das ist jedenfalls die Hoffnung. Aber auch wenn die Installation keine Gnade vor der fliegenden Optik findet, wird Diplom-Designer Stockberg nicht enttäuscht sein. Schließlich verfolgt er mit seinem ideellen Ansatz Ziele, die über den Moment hinaus gehen. Entstanden ist die Kunstform neuzeitlich in den 60er Jahren in den USA, im Grunde aber bereits vor Jahrtausenden. Denn immer hat es Menschen gereizt, großformatige Botschaften für nicht genau definierte Empfänger in die Landschaft zu schreiben. Diese Idee im Hinterkopf, hat sich der Familienvater bei einem Urlaub an der französischen Küste 2014 spontan zum Strand aufgemacht und hat angefangen, mit einem Rechen großformatige Ornamente in den Sand zu zeichnen.

Keine wilden Kurven, sondern genau gezirkelte Formen, die nicht zuletzt der kalligraphischen Ausbildung während seines Studiums in Aachen geschuldet sind. Die gewaltigen Bilder – teilweise 300 mal 30 Meter groß – sind ein bewusstes Spiel mit Form und (Lebens-)Zeit. „Es ist völlig klar, dass diese Installationen maximal bis zur nächsten Flut existieren. Aber das zwingt dazu, sich Bilder im Kopf einzuprägen“, sagt der Kreativmensch, der seit 1988 in Aachen lebt und arbeitet. Es komme darauf an, etwas zu machen, das entspannt und losgelöst sei von der ständigen Zielgerichtetheit unseres Alltags. Von den Installationen bleiben inzwischen aber auch konkrete Bilder (www.stockberg.de), die dank Drohnenaufnahmen die Eindrücke aus der Vogelschau wiedergeben.

Genau dieses Ideenpaket wollte der Designer und Fotograf – früher auch begeisterter Rennradfahrer – mit Kindern umsetzen. Und was lag da näher, als „Landart“ im Bogen zwischen kaiserstädtischer Historie und aktuellem Sportevent anzusiedeln. Die Kinder der Eheleute Stockberg gehen aufs Einhard-Gymnasium, im dortigen Kunstlehrer Alexander Creus fand Martin Stockberg spontan einen begeisterten Mitstreiter, in Peter Chorus einen Unterstützer. Der ist nämlich Pächter einer großen Wiese ganz in der Nähe des Europaplatzes und war von der Idee des Tour-Siegels sofort angetan.

Im Laufe der Woche hat er extra die große Grünfläche gemäht und Platz für die weißen Linien und Buchstaben zu schaffen. Seit Freitagmittag haben die jungen Leute die Bahnen mit umweltverträglichen Haken im Boden verankert, so dass sie normalem Wind widerstehen sollten. Bis zum späten Nachmittag wurde gearbeitet, um den großdimensionierten Gruß in die Welt zu schicken. So die Kameraleute denn Gefallen daran finden. „Aber normalerweise werden diese Motive am Rande der Strecke gefilmt“, ist Stockberg zuversichtlich. Ihm bleibt aber genau wie Kunstlehrer Creus und den Schülern die Gewissheit einer kreativen Mitgestaltung der Tour de France 2017 in Aachen.

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