Aachen - Schüler rappen auf Lateinisch

Schüler rappen auf Lateinisch

Von: Nina Krüsmann
Letzte Aktualisierung:
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Latein und musikalische Gegenwart sind kein Widerspruch: Beim Latein-Rap im Pius-Gymnasium zeigen die Schülerinnen und Schüler erstaunliche Flexibilität. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Dass es sich beim Lateinischen um alles andere als eine tote Sprache handelt, zeigten kurz vor den Ferien die Mädchen und Jungen am Pius-Gymnasium. In der Latein AG mit Alfred Wick studierten sie einen pfiffigen Rap ein. „Intrate! Kommt herein und lernt mit uns Latein“, ertönte es da im Klassenzimmer.

Es handelt sich um eine Mischung aus deutschen und lateinischen Texten, und die Kinder setzten sich begeistert damit auseinander. Mit „coolen Beats“ möchten die Jugendlichen ihren Spaß an der Sprache zum Ausdruck bringen. Seit einem Jahr sind elf Schüler der siebten Klassen mit großem Eifer dabei.

Eher zufällig war der Lehrer auf diese witzige Art des Lernens aufmerksam geworden. Zuvor hatte er bereits einen römischen Hund als Motivationsmittel etabliert. Der „canis romanus“ ist ein winziges Plüschtier, das auf dem Lehrertisch steht, die Lernatmosphäre auflockert und die Schüler beim Üben mit fröhlichen Gebell aufheitert. Der Gag kommt gut an.

„Schule soll auch Spaß machen“, betont Wick. Er ist am Pius bekannt dafür, den Unterricht mit Leben zu füllen. Mit Herzblut ist er seit 1976 dort tätig und entwickelt immer wieder neue Ideen, die Schüler zu begeistern – ob beispielsweise mit regelmäßigen Besuchen bei Fußballspielen von Alemannia Aachen oder der Fecht-AG. „Auch für mich selbst ist das eine große Bereicherung, und in den nächsten zwei Jahren vor meinem Ruhestand darf man noch auf das eine oder andere gespannt sein“, verrät Wick schmunzelnd.

Von 2006 bis 2014 etwa halfen Pius-Schüler im Rahmen des von Wick initiierten Projekts „Schüler helfen Schülern“ an der Grundschule Passstraße täglich Migrantenkindern beim Lernen. „Außer dem Schulbuchwissen ist es wichtig, den Mensch ganzheitlich in den Mittelpunkt zu stellen“, ist der Pädagoge überzeugt. Unterricht anders und menschlich und fachlich ansprechend zu gestalten, ist sein Wunsch. Dafür investiert er manche Stunde über den normalen Arbeitseinsatz hinaus.

Die moderne Variante des Lateinlernens mit den Raps hat es ihm wie auch seinen Schülern angetan: Jeden Montagabend treffen sie sich zur Schulzeit für anderthalb Stunden, um zu üben. Sogar eine kleine Choreographie gibt es bereits, und der im Domchor erfahrene 13-jährige Johannes Heimann dirigiert. Beim nächsten Schulfest am 19. September ist ein großer Auftritt geplant.

Im Text des Raps geht es augenzwinkernd darum, dass Rom und die Römer das Leben schöner machen, wie die beiden Schüler Nils Cremer und Julius Thiebes erklären. Und „egal ob Akkusativ, Ablativ oder Adjektiv – am Ende ist alles positiv!“, heißt es weiter im Text. Neben der Sprache an sich lernen die Schüler in der AG auch das Auswendiglernen. 33 lateinische Raps gibt es insgesamt, da ist der Fundus für die Lateinfreunde unter den Schülern also noch groß.

„Latein ist überhaupt toll. Es macht Spaß, bei den Übersetzungen die Sätze zu entschlüsseln“, meint der 13-jährige Lukas Rüttgers. Seit knapp zwei Jahren lernt er Latein und steht beispielhaft dafür, dass sich die klischeehaft oft als unmodern oder schwer bezeichnete Fremdsprache am Pius-Gymnasium immer noch größter Beliebtheit erfreut. Und Alfred Wick weiß: „Entscheidend ist die gute Atmosphäre, in der die Kinder sich mit Latein beschäftigen – und vor allem einmal auf eine andere Weise, als man gewohnt ist.“

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