Aachen - Schüler, Lehrer und viele Gäste gedenken Fredy Hirsch

Schüler, Lehrer und viele Gäste gedenken Fredy Hirsch

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Großer Festakt im Couven-Gymnasium: In Erinnerung an den einstigen Schüler Fredy Hirsch trägt die Mensa nun seinen Namen. Schüler und Lehrer wollen sich nun noch intensiver mit Hirsch beschäftigen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. An der Aufmerksamkeit von Schülern lässt sich die Qualität von Beiträgen hervorragend messen. Der Festakt für Fredy Hirsch am Couven-Gymnasium am Freitagabend war dafür ein gutes Beispiel. Nur Inhalt überzeugte.

Mucksmäuschenstill war es, als die betagten Zeitzeugen von ihrer Kindheit in Theresienstadt und Ausschwitz – so gut es ging von Fredy Hirsch behütet – berichteten. Gebannt und begeistert lauschten die jungen Leute dem ebenso emotionalen wie politischen Appell ihrer Schülervertreter für eine Schule ohne Rassismus.

Ministerin übergibt Urkunde

Beides gehörte zusammen und beides liegt in der Person Fredy Hirsch begründet. Den vor gut 100 Jahren in Aachen geborenen „sperrigen Helden“ Fredy Hirsch – leidenschaftlicher Sportler und Pfadfinder, homosexuell, extrem diszipliniert, glühender Zionist, dem Kindswohl vor allem anderen verpflichtet – entdeckten die Couven-Schüler bei der Aufarbeitung der Schulgeschichte im vergangenen Jahr. Eine Fredy-Hirsch-AG forschte und förderte allerhand über den Leiter des sogenannten Kinderblocks im KZ Auschwitz und den Retter vieler Menschen zutage.

Die neu gebaute Schul-Mensa trägt seit Freitag seinen Namen und wurde auch zum Forum erhoben, „in dem es nicht nur gesundes Essen gibt“, wie Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer in ihrem Grußwort sagte, sondern auch Kultur und Bildung. Alles das lag auch Fredy Hirsch für „seine“ Kinder am Herzen. Noch mehr wollte die Schule von Zeitzeugen erfahren und hat zusammen mit anderen Institutionen vier nach Aachen eingeladen.

Gleichzeitig bemühte sich die Schülervertretung um die Zertifizierung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Das Schild und die Urkunde überreichte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann am Nachmittag, „doch das ist erst der Anfang für die inhaltliche Arbeit. Wir müssen nachlegen“, forderte Schülervertreter Valentin Amian beim Festakt in einer leidenschaftlichen Rede und erntete den Jubel seiner Mitschüler. „Heute ist es noch nicht so unwürdig und unmenschlich wie zu Fredy Hirschs Zeiten, aber es brodelt merklich.“

AfD, Front National und Pegida seien ausschlaggebend für die Bemühung um die Zertifizierung gewesen, „denn gerade im Mikrokosmos Schule können wir gegen Angst, Wut und die Ideologie der Ungleichwertigkeit arbeiten. Für Empathie und Vertrauen, für ein Miteinander statt eines Gegeneinanders“, so Amian. „Wir gucken nicht weg“, versprach sein Stellvertreter Julian Karl im Namen seiner Schulkollegen.

Wie wichtig dieses Versprechen ist, wurde beim Zeitzeugengespräch deutlich. Dr. Hans Gärtner, Edith Kraus und Evelina Merova berichteten im Gespräch mit Fredy-Hirsch-Biograf Dirk Kämper – erstaunlich unaufgeregt – von ihrem Leben zusammen mit Hirsch im Prager Ghetto, in Theresienstadt und schließlich in Auschwitz. „Wir hatten nichts, keinen Kamm, keine Zahnbürste, keine Seife. Nur die Kleidung am Leib und einen Essnapf. Nicht jeder hatte einen Löffel“, erzählte Edith Kraus, die im Kinderblock von Hirsch die Aufgabe bekam, die wenigen Bücher zu hüten.

Als sie mit ihrer Mutter in Auschwitz ankam, waren beide so verzweifelt, dass sie eigentlich aus dem Leben scheiden wollten, „doch wir fanden keine Möglichkeit“. Doch je schwerer das Leben wurde, „desto mehr wollten wir am Leben bleiben“. Alle Bemühungen Hirschs um besseres Essen für die Kinder, mehr Wärme, Unterricht und Hygiene hätten einem Ziel gedient: „Wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben, dass es ein Morgen gibt.“

Diese Hoffnung tragen die Couven-Schüler weiter. Und sie werden täglich beim Mittagessen im Fredy-Hirsch-Forum an ihr Versprechen, gegen jegliche Form der Diskriminierung – Rassismus, Sexismus, Homophobie oder Fremdenfeindlichkeit – einzustehen, erinnert.

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