„Schüler fragen – Politiker antworten“: Nicht nur gute Noten vergeben

Von: Thorsten Karbach
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Haben sich mit den Antworten der Bundestagskandidaten auseinandergesetzt: Die St.-Leonhard-Gymnasiasten (von links) Tim Hildmann, Michelle Abelshausen, Pia Hecker und Safiyah Saifi ziehen eine Bilanz der „Schüler fragen – Politiker antworten“-Aktion der AZ. Am 22. September geht es nun für die Politiker um Stimmen für den Sitz im Bundestag. Von den Schülern gibt es nun schon mal Lob und Kritik. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Tim Hildmann wollte es genau wissen. „Wie gedenken Sie das Problem der Rentenversicherung in Zukunft zu lösen?“, hat er gefragt, und FDP-Bundestagskandidatin Birgit Haveneth hat geantwortet. 300 Zeichen (also Buchstaben, Satzzeichen und Leerstellen) hatte sie Raum, um dem Schüler des Gymnasiums St. Leonhard zu antworten – das entspricht der Länge einer normalen SMS. Und? Konnte sie den Gymnasiasten mit ihren 300 Zeichen zufriedenstellen?

„Mir war das nicht konkret genug“, sagt dieser. Ein eindeutiges Signal an die Politikerin. Seit dem 30. Juli heißt es in der Aachener Zeitung „Schüler fragen – Politiker antworten“. Jugendliche des Gymnasiums St. Leonhard und der Gemeinschaftshauptschule Drimborn haben Fragen formuliert – politisch, gesellschaftlich, auch privat –, und die Aachener Bundestagskandidaten antworten in SMS-Länge. „Das hat uns einen guten Überblick gegeben. In einigen Antworten ist klar geworden, wofür die Kandidaten stehen“, sagt Hildmann. Das bedeutet aber auch: In anderen Fragen ist es nicht klar geworden!

„Man hat gemerkt, hinter welchen Antworten wirklich etwas steckt und hinter welchen nicht“, findet Pia Hecker. Ein Beispiel nennt ihre Mitschülerin Safiyah Saifi: „Wenn die hohen Strompreise hinterfragt wurden, kam als Antwort, dass die Bürger entlastet werden sollten. Aber nicht wie.“ Und Tim Hildmann ergänzt: „Es wurde allzu oft deutlich, dass sich die Politiker um die Probleme kümmern wollten. Wie, haben sie aber nicht gesagt.“

Dennoch: Den Schülern beider Schulen hat es Gefallen, den Politikern einmal ihre Fragen stellen zu dürfen. Sie wissen nun, dass Rudolf Henke (CDU) skeptisch gegenüber Volksentscheiden ist, dass für Ulla Schmidt (SPD) die Untergrenze beim gesetzlichen Mindestlohn bei 8,50 Euro liegt, dass Birgit Haveneth (FDP) einen solchen flächendeckenden Mindestlohn ablehnt, dass Andreas Mittelstädt (Grüne) sich keine schwarz-grüne Koalition vorstellen kann und dass Andrej Hunko (Die Linke) Edward Snowden die Haustür gerne öffnen würde. „Ich fand beispielsweise die Antworten des Kandidaten der Grünen sehr interessant. Vieles war mir da nicht bewusst“, bilanziert Safiyah Saifi. „Andrej Hunko hat mich mit seiner Antwort positiv überrascht“, erzählt Michelle Abelshausen. Sie wollte wissen, warum der Abgeordnete in seine Partei eingetreten ist – weil er für Gerechtigkeit und gegen Krieg ist.

Natürlich haben sich die Schüler auch im Unterricht mit der Wahl auseinandergesetzt – auch wenn Hecker, Abelshausen, Saifi und Hildmann am 22. September ihre Stimme nicht abgeben dürfen. Sie haben das Kanzlerduell geschaut und darüber diskutiert, sie haben den Wahl-O-Mat ausprobiert, und Michelle Abelshausen hat erfahren, dass sie demnach den Piraten ihre Stimme geben müsste. Und natürlich sind auch die vielen Wahlplakate ein Thema. „Ich finde es wichtig, dass so viele hängen, denn so ist man förmlich gezwungen, sich mit der Wahl zu beschäftigen“, sagt Safiyah Saifi.

„Wir versuchen als Schule immer, aktuelle Politik im Unterricht darzustellen – beispielsweise Sozialpolitik“, erklärt ihr Lehrer Michael Turner – auch Syrien wird, soweit es der Lehrplan zulässt, behandelt. Turner hat die „Schüler fragen“-Aktion Tag für Tag verfolgt. „Wir sind stolz, dass unsere Schüler so interessiert sind“, sagt er. Für Hecker, Abelshausen, Saifi und Hildmann ist nach den vielen Antworten klar: Sie würden, wenn sie alt genug wären, auf jeden Fall wählen gehen. Die beiden Letzteren wüssten auch sicher, wen. Und? Eine Frage darf auch in dieser Serie unbeantwortet bleiben.

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