Schüler entwickeln Wasserstoffenergie aus Biomasse

Von: Mischa Wyboris
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Saubere Sache: Sebastian Muschik (links) und Kai Hippler forschen als Vorsitzende des Vereins „H2Works” an der CO2-neutralen Wasserstoffwirtschaft. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Alles, was Sebastian Muschik und Kai Hippler wollen, sind 40 Millionen Euro. Zugegeben, das klingt nicht gerade nach einer bescheidenen Forderung, aber genau genommen ist es auch gar nicht das Geld, das sie verlangen, sondern die Umsetzung eines Pilotprojekts und die damit verbundene immense Umweltentlastung.

40 Millionen Euro, so überschlagen die beiden Einhard-Gymnasiasten, würde wohl der Prototyp einer Wasserstofffabrik kosten.

Kein Benzin-Gestank

„In einer Wasserstoffwirtschaft hätten wir eine viel geringere Feinstaubbelastung, keinen Benzin-Gestank und trotzdem schnelle Autos”, sagt der 19 Jahre alte Sebastian Muschik. Sein Mitschüler formuliert es noch rosiger: „Wir hätten das Klimaproblem in Bezug aufs Kohlendioxid gelöst und könnten den Klimawandel theoretisch sogar rückgängig machen”, sagt Kai Hippler, 18 Jahre alt.

Wenn man die beiden Vorsitzenden des Vereins „H2Works” (frei übersetzt: „H2 funktioniert”) mit Zahlen jonglieren und chemischen Prozessen balancieren sieht, drängt sich der Eindruck auf: Sie wissen, was sie sagen, und sie sagen, was sie wissen.

„Wir sind Teil der Wasserstoff-Lobby”, bringt es Muschik auf den Punkt. Sein knapp ein Jahr junger Verein steht seit seiner Gründung mit wissenschaftlichen Experten und anderen Vereinen in Kontakt und bleibt über die Recherchen seiner verschiedenen Arbeitsgruppen immer auf dem Stand der Dinge.

Die Idee, für die „H2Works” eintritt, fußt auf der Theorie des pensionierten Ingenieurs und Chemikers Karl-Heinz Tetzlaff. „Das Grundschema ist einfach: Energiepflanzen kommen rein, Wasserstoff kommt raus”, erklärt Muschik mit einem Lachen.

Etwas weiter ausgeholt und trotzdem vereinfacht dargestellt: Eigens auf Feldern angebaute Pflanzen bilden Biomasse, zu der auch Klärschlamm und landwirtschaftliche Abfälle zählen. In speziellen Fabriken wird diese Biomasse in Wasserstoff umgewandelt und von dort aus durch die schon vorhandenen Erdgasleitungen an die Haushalte verteilt. Hier wandeln Brennstoffzellen den Wasserstoff nahezu verlustfrei in Wärme und Strom um.

„Alle nötigen Technologien haben wir längst”, betont Hippler und erklärt, dass aus 100 Prozent Biomasse in den Fabriken bis zu 93 Prozent Wasserstoff entstehe. Die Umsetzung des H2-Konzepts würde die gesamte eigenständige Energieversorgung in Europa ermöglichen - finanzierbar und CO2-neutral, denn „von den Fabriken wird genauso viel Kohlendioxid ausgestoßen wie von der Biomasse vorher gebunden wird”, erklärt Hippler. Eine saubere Bilanz.

„Aber es funktioniert”

Im Zwei-Wochen-Turnus tagt „H2Works” im Einhard-Gymnasium, verteilt Recherchethemen an seine derzeit rund 20 Mitglieder und erarbeitet öffentliche Vorträge. Nach dem Erfolg im Mai soll es bald auch wieder eine Veranstaltung von „H2Works” in Haus Löwenstein geben. „Es glaubt kaum jemand, dass 100 Prozent erneuerbare Energien möglich sind”, weiß Hippler, „aber es funktioniert. Das kostet ein bisschen Anstrengung, doch die können wir leisten. Die Zeit drängt.”
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