Aachen - Schüler auf Tour: „Herausforderung“ in der zweiten Runde

Schüler auf Tour: „Herausforderung“ in der zweiten Runde

Von: Isabel Schneider
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Bereit zum Aufbruch: Schülerinnen und Schüler der Stufe 9 an der 4. Aachener Gesamtschule sind seit Montag auf Tour.
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Bereit zum Aufbruch: Carolin Mahr und Femke Geurts und viele andere Schüler haben sich besondere „Herausforderungen“ angenommen – das macht Schlagzeilen.

Aachen. Torsten Stahlmann sitzt an einem Tisch im Eingangsbereich der Gesamtschule, vor ihm ein wüster Haufen an Papieren. Der Lehrer betreut mit dem Schulsozialarbeiter Tom von Küngelgen das Projekt „Herausforderung“ an der 4. Aachener Gesamtschule, welches dieses Schuljahr in die zweite Runde geht.

Schon im vergangenen Jahr hatte das Projekt weit über Aachen hinaus Aufsehen erregt. Immer wieder strömen Schüler herein, um sich die Materialien abzuholen, die sie für die Reise, die vor ihnen liegt, benötigen: das Budget von 150 Euro pro Person, ein Erste-Hilfe-Paket, Notfallnummern.

Der Organisationsaufwand ist groß, die Vorfreude der Schüler ebenso: Im Projekt „Herausforderung“ suchen sich Schülerinnen und Schüler des neunten Jahrgangs eine Aufgabe, die sie in 17 Tagen meistern wollen. Individuell oder in Kleingruppen, das ist den Schülern überlassen.

Die Vorbereitungen dafür laufen schon seit Anfang des Jahres, nun möchten die Jugendlichen sich bewähren, ihre Grenzen erfahren, sich erproben in dem, was sie so lange vorbereitet haben. Dieses Jahr sind viele Gruppen mit dem Fahrrad unterwegs, fahren beispielsweise nach England oder in die Niederlande. Eine Gruppe zieht für die knapp drei Wochen auf einen Bauernhof in der Eifel, ein Schüler verbringt seine „Herausforderung“ in einem Basketball-Profi-Internat. Insgesamt 108 Schüler begeben sich in dieser Runde in die neue Lernsituation.

Stahlmann blickt auf die ereignisreichen vergangenen Monate zurück. Die Erfahrungen der Schüler bei den Vorbereitungen seien sehr unterschiedlich. „Manche waren schon im Mai mit allem fertig, und andere kommen da nicht aus dem Quark“, sagt Stahlmann. Das sei schließlich auch Teil des Projekts, aus Fehlern zu lernen. Die Erfahrung der ersten Projektphase im vergangenen Jahr habe jedoch gezeigt, dass die Schüler ihre Herausforderung allesamt gut meistern konnten.

Noah Holeghaus ist einer der Schüler, die dieses Jahr am Projekt teilnehmen. Mit acht Mitschülern und zwei Betreuern fährt er mit dem Fahrrad nach Hamburg. Er hat Respekt vor der Herausforderung, aber auch die Vorbereitung brachte schon einige Schwierigkeiten mit sich: „Wir haben uns selbst die Unterkünfte für unsere Fahrt herausgesucht. Manche Leute haben uns da als 14-Jährige einfach nicht ernst genommen.“

Trotzdem überwiegt bei ihm und seinen Mitstreitern die Vorfreude auf neue Erfahrungen. Auch Katrin Holeghaus, Noahs Mutter, ist angetan vom Projekt: „Es ist super für die Jugendlichen zum Start ins Erwachsenenleben. Sie erfahren, was sie selbst leisten können und gewinnen dadurch Selbstvertrauen.“

Carolin Mahr und Femke Geurts sind Lehramtsstudentinnen an der RWTH und stehen am Montagmorgen ebenfalls in der wartenden Menge auf dem Schulhof. Sie sind zwei der Betreuerinnen, die die Schule für dieses Projekt unbedingt braucht. „Für uns als Begleiter und angehende Lehrer ist es ebenfalls eine neue Herausforderung“, sagt Carolin.

Sie und Femke werden mit ihrer Gruppe nach Ostende wandern. „Herausfordern ja, überfordern nein“ – ist das Leitmotto bei dem Projekt. Es soll etwas anderes sein als eine herkömmliche Klassenfahrt. „Die Soft Skills wie Eigenverantwortung und Zuverlässigkeit werden da ganz anders trainiert als im schulischen Alltag“, sagt der Lehrer Marcel Reauleaux. Dies werde in unserer heutigen leistungsorientierten Gesellschaft oft vernachlässigt.

Ein Projekt wie „Herausforderung“ ist nicht gerade billig. Rund 10.000 Euro kostet es insgesamt, die Begleiter und Schüler hinreichend vorzubereiten: Schulung der Begleiter, Selbstverteidigungskurse für die Schüler, all das muss bezahlt werden. Über Spenden und Sponsoring ist das Geld zusammengekommen.

Noch nicht vollständig geklärt ist der rechtliche Rahmen, in dem die „Herausforderung“ stattfindet. Das ungewöhnliche und einzigartige Projekt wird zurzeit unter der Verantwortung des Schulleiters Hanno Benemann durchgeführt. Das Konzept liegt der Schulaufsicht zur Prüfung vor und ist somit noch nicht offiziell genehmigt. Die Erfahrung 2016 habe allerdings gezeigt, wie tragfähig so ein Projekt bei sorgfältiger Planung sei, so Benemann.

Zur Verabschiedung der Gruppen haben sich die Schüler der Gesamtschule auf dem Schulhof versammelt. Die Mitschüler singen den „Herausgeforderten“ ein Ständchen und winken ihnen schließlich mit Taschentüchern zu. „Hier werden in 17 Tagen veränderte Kinder ankommen, die bereiter sind, sich dem Leben zu stellen als jetzt“, verkündet Torsten Stahlmann. Interessierte können übrigens online verfolgen, wie sich die Schüler schlagen: Jeden Tag wird von allen Gruppen ein 12-Uhr-Foto auf der Schulhomepage erscheinen.

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