Schönes Schaudern im „Das Da“-Theater

Von: Kristina Toussaint
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Beklemmendes Kammerspiel: Wieslawa Wesolowska und Bernhard Schnepf in dem Zwei-Personen-Stück "Misery" im Das Da Theater. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Roman „Sie“ von Stephen King erzählt in düsterem Stil das Drama um einen Autor und eine Bewunderin von fragwürdigen Geisterzustand. Im Das Da Theater ist jetzt die Bühnenfassung von Simon Moore unter dem Original-Titel „Misery“ zu sehen – und die Gänsehaut ist vorprogrammiert.

Ohne Erinnerung an das, was passiert ist, und schwer verletzt findet sich Schnulzen-Autor Paul Sheldon im Keller einer abgeschiedenen Hütte wieder. Umsorgt wird er von einer Unbekannten – Annie Wilkes, die sich als großer Fan seiner Kitschroman-Reihe „Misery“ entpuppt. Von ihr erfährt er, dass er einen Autounfall hatte – wohl gleich nach der Champagner-lastigen Buchpreisverleihung, an die er sich noch erinnern kann.

Doch warum hat ihn seine kauzige Bewunderin nicht ins Krankenhaus gebracht? Spätestens als herauskommt, dass Paul bereits zwei Wochen unter Medikamenten bewusstlos im Bett verbracht hat, wird ihm und dem Zuschauer mulmig zu Mute. Annie sagt zwar, sie sei Krankenschwester, doch den Patienten fesseln zwei mehrfach gebrochene Beine ans Bett. Als Annie dann das Manuskript zu Pauls neuem Buch in seiner Tasche findet, wird sie wütend: Statt einer romantischen Fortsetzung der Liebesgeschichte hat Paul einen ambitionierten New York–Roman voller Gossensprache geschrieben!

Die wachsende Beklemmung, die klaustrophobische Enge des Kellerraums, die Panik, einer Fremden ausgeliefert zu sein, die ihn mit Medikamenten ruhig stellt – all das kann der Zuschauer unmittelbar mitspüren. Zu verdanken ist dies einerseits dem Spiel von Bernhard Schnepf, der den Paul Sheldon eindringlich verkörpert.

Den perfekten Konterpart für dieses „sehr intensive Zwei-Personen-Stück“, wie Intendant Tom Hirtz sagt, habe man in der Kölner Schauspielerin Wieslawa Wesolowska gefunden. Zur Gänsehaut-Atmosphäre tragen auch das Bühnenbild und der geschickte Lichteinsatz bei: Bühnenbildner Frank Rommerskirchen gelingt es, die Abgeschiedenheit der Hütte durch den ständig präsenten Wald abzubilden. Durch durchbrochene Wände und die gleichzeitige Darstellung von Keller und Wohnetage entstehen verschiedene Spielebenen.

Die direkte Vermittlung von Stimmung ist es auch, was die Umsetzung des Stoffs als Bühnenstück spannend mache, so Regisseur Achim Bieler. Im Gegensatz zum Film habe man „den Schauspieler direkt vor der Nase“ und sei gezwungen, mit dem Protagonisten mitzubangen. Bieler setzt dabei jedoch nicht auf blutige Horror-Momente, sondern lässt dem Publikum durch geistige Abgründe Schauer über den Rücken laufen.

Die Nachfrage ist groß: Für das erste Wochenende sind nur noch einige Restkarten im Vorverkauf zu haben, das Stück läuft aber noch mindestens bis Ende Januar.

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