Schnüffelnde Hunde auf Museumsdach

Von: Thorsten Karbach
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Schnüffelnde Hunde: So sehen Feldmanns Silhouetten aus.

Aachen. Sie stehen für Neugier – auf Kunst. Sie stehen für Kennenlernen – des Unbekannten. Und sie stehen bald schon auf dem Dach des Ludwig Forums für Internationale Kunst: zwei schnüffelnde Hund. Sie sind das Resultat einer Arbeit des Düsseldorfer Künstlers Hans-Peter Feldmann.

Er hat eine mehr als zwei Meter hohe Silhouette von zwei Hunden – der eine schnuppert am Hinterteil des anderen – aus Aluminium geschaffen, wie sie Spanienurlauber in Gestalt des Osborne-Stiers kennen, und damit den 9. Sparda-Kunstpreis gewonnen. Der ist diesmal für die Stadt Aachen bestimmt.

Nun kommt die Kunst in Aachen also nicht vor die Hunde, sondern die Hunde kommen auf die Kunst. Die Skulptur soll 2014 auf dem Dach des Ludwig Forum montiert werden – wenn denn der Stadtrat am 13. März die Schenkung wie nun der Kulturausschuss „mit großem Dank“ annimmt. Doch so wie dem der Volksmund dem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut, werden auch die Ratsvertreter dem geschenkten Hund kaum in den Schlund schauen. Die Annahme ist sicher. Der Wert des Objekts inklusive Montage liegt laut Sparda-Bank West bei 100 000 Euro.

Seit 2005 schreibt die Kunstpreise in NRW aus und bereichert mit ihnen den öffentlichen Raum. So steht in Düsseldorf Bogomir Eckers knallrote Stahlskulptur „Nur oben“, in Dortmund Stefan Sous‘ futuristisches „Chip“. Der Kontakt nach Aachen wurde im April 2011 aufgebaut, 2012 wurde der Kunstpreis für die Kaiserstadt ausgeschrieben, am 11. Januar krönte die Jury den Gewinner. Der 72-jährige Feldmann setzte sich unter anderem gegen Pawel Althamer, und Jeppe Hein durch. Mit seinen schnüffelnden Hunden – basierend auf seinem Scherenschnitt hinter Glas von 2003 – hatte er den richtigen Riecher in Sachen Jurygunst.

Witz und Provokation

Die sah, wie die Direktorin des Ludwig Forums, Dr. Brigitte Frantzen, erklärte, viel Witz und eine verhaltene Provokation in den beiden Aluhunden. „Die ironische Monumentalisierung des Werkes durch den erhöhten Standort auf dem Dach wird konterkariert durch die antiheroische und durchaus banale Szene“, heißt es in der Begründung. Feldmann sagt: „Es kann vielleicht für den Museumsmuffel ein Hinweis, eine Aufforderung sein, die Angelegenheit mit dem Museum erst einmal ein wenig zu ‚beschnüffeln‘ und und dann zu entscheiden, ob man sich zum Museum hingezogen fühlt oder nicht.“ Erfahrungsgemäß ist in Aachen oftmals Letzteres der Fall. Ob die Aluhunde ein neuer Publikumsmagnet werden?

Wie die Besucher – etwa zur feierlichen Übergabe der Schenkung – dann ins Museum kommen, bleibt offen: Der 300 000-Euro-Umbau des LuFo-Restaurants zum neuen Entrée mit Shop und Kaffeevollautomat wurde dagegen im Kulturausschuss nicht angegangen. Die Politiker sehen weiteren Beratungsbedarf. Hier stehen wohl noch Gespräche an.

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