Schnell schmelzen die Vorurteile dahin

Von: Maike Wallraf
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Aachen. Viele ältere AWO-Mitglieder sind im Ostviertel aufgewachsen. Sie haben gesehen, wie sich das Viertel über die Jahrzehnte gewandelt hat.

Ihre ganz persönliche Geschichte teilten sie in den vergangen Monaten anlässlich des Projektes „bewegte Geschichten“ Jugendlichen der Schule am Kennedypark mit, die nun zum Ende des Schuljahres ihre Pforten schloss. Viele der 16- bis 19-Jährigen haben einen Migrationshintergrund, erleben den Alltag im Ostviertel aus einer anderen Perspektive. Trotz aller Unterschiede sind die Senioren und die Schüler zu einer Gruppe zusammengewachsen, die einen regen Austausch pflegt.

„Im Vordergrund stehen die Geschichten der Senioren“, erklärt Marianne Kuckelkorn, Koordinatorin des Begegnungszentrums der AWO in der Schleswigstraße. Diese wurden den Schülern auf Rundgängen durch das Ostviertel erzählt. Anschließend wurden geschichtliche Aspekte im Klassengespräch mit Lehrerin Renate Rummel aufgegriffen und vertieft. Ihr erlangtes Hintergrundwissen über die Kriegszeit konnten die Schüler bereits bei einer Berlinfahrt einsetzen. Das war aber keineswegs eine Einbahnstraße: In Einzelgesprächen erfuhren Senioren Geschichten über die junge Generation, wie sie mit Vorurteilen und kulturellen Unterschieden umgeht. „Der Stempel ‚Sonderschule‘ tut weh. Ich bin normal, ich lerne nur langsam“, erzählt Tosin Lawal, 17 Jahre. Vorurteile kennt auch Annelise Zimmermann, die sich selbst als „Urgestein des Ostviertels“ bezeichnet und ihr Leben dort glücklich verbracht hat. „Der größte Fehler der Menschen ist es, nicht auf die Leute zuzugehen“, sagt sie. Auch Leo Hermanns, einer der Senioren, die heute ehrenamtlich im Ortsverein Aachen-Ost der AWo aktiv sind, war überrascht, wie höflich und zuvorkommend ihm die Jugendlichen begegnet sind.

Die Kommunikation zwischen Alt und Jung sei aber noch verbesserungswürdig, meint Kevin Vossen, ehemaliger Schulsprecher der Schule. Umso erstaunter war er, dass sie so mit offenen Armen empfangen wurden. „Wir haben tolle Geschichten mitgenommen, die uns sehr bewegt haben, zugleich hatten wir viel Spaß“, resümiert der Schüler.Wegen der Schließung der Schule werden diese Schüler an den nächsten Phasen des Projekts und an der Abschlusspräsentation im September nicht mehr teilnehmen. Zum Ausgleich gab es nun das gemeinsame Resümee. Dort zeigte sich, dass ein freundliches Miteinander generationen- und kulturübergreifend möglich ist.

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