Schnee satt wie seit 25 Jahren nicht mehr

Von: Oliver Schmetz
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Schneeräumer am Limit: Der städtische Winterdienst ist derzeit - wie hier am Montag in der Kupferstraße am Lousberg - fast täglich im Einsatz. Neben dem Streusalz wird nun auch das Granulat knapp. Und ein Ende des Winterwetters ist noch nicht in Sicht. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Solch einen Winter mit so viel Schnee haben viele Aachener vor der eigenen Haustüre noch nicht erlebt. Nimmt man die Schneehöhen zum Maßstab, sind es sogar rund 65.000 Öcher, die so etwas nur vom Hörensagen kennen.

Ungefähr so viele Menschen sind in Aachen unter 25 Jahre alt - und genau so viele Jahre ist es her, dass eine höhere Schneedecke als in diesem Januar das kaiserstädtische Pflaster bedeckte: Exakt 15 Zentimeter waren es aktuell am 9. Januar 2010, was zuletzt am 15. Januar 1985 mit damals allerdings satten 26 Zentimetern deutlich übertroffen wurde.

Januar war 3,1 Grad zu kalt

Doch nicht nur die weiße Pracht macht diesen Januar zu einem Monat für die Rekordlisten. Auch die Kälte hatte es in sich: Mit 0,7 Grad minus lag die Temperatur im Monatsschnitt klar im Keller. „Im Vergleich zum langjährigen Mittel war der Januar 3,1 Grad zu kalt”, urteilt Udo ter Horst, Leiter der Aachener Wetterwarte.

Der Tiefstwert wurde am 27. Januar mit -9,3 Grad gemessen, was allerdings nicht ganz so geschichtsträchtig ist. Zum Vergleich: In besagtem Winter 1985 sank die Quecksilbersäule am 8. Januar auf -15,6 Grad, in der eisigen Neujahrsnacht 1979 wurden gar -17,4 Grad gemessen.

In jenem Januar wuchs die Schneedecke in Aachen übrigens auf stolze 22 Zentimeter. Was aber noch gar nichts gegen den Winter anno 1908 ist: Sage und schreibe 75 Zentimeter hoch türmten sich damals die Schneemassen in der Stadt.

Am Montag waren es aktuell laut Wetterwarte nur 12 Zentimeter, aber auch die hatten es in sich. Am späten Nachmittag musste die Polizei diverse Steigungsstrecken nach Unfällen sperren - beispielsweise den Boxgraben und die Burtscheider Brücke. Probleme hatten da auch vielerorts die Asaeg-Busse. Schon frühmorgens waren diese auch am Ronheider Berg gescheitert. Die Linien 2 und 24 stellten zwischen 7.30 Uhr und 11.30 Uhr vom Brüsseler Ring aus die Weiterfahrt bis Preuswald ein. Auch Lemiers war bis gegen 11 Uhr vom Busverkehr abgeschnitten. „Wenn nicht geräumt ist, bleiben unsere Busse an starken Steigungen hängen”, erklärt Aseag-Sprecherin Anne Linden und betont, dass die eigenen vier Räumfahrzeuge im Einsatz waren.

Das galt auch für den Fuhrpark und die rund 250 Mitarbeiter des städtischen Winterdienstes, der in diesem Jahr quasi im Dauereinsatz steht. Morgens um 4 starten die Räumfahrzeuge auf den Hauptverkehrsstraßen, ab 5 Uhr nimmt der „manuelle” Dienst Fußgängerzonen und wichtige Gehwege in Angriff - dieser „Stundenplan” gilt derzeit fast jeden Tag. „Die Belastung ist enorm hoch, es gibt gar keine Ruhepausen mehr”, beschreibt der Chef des Winterdienstes, Dieter Lennartz, die Lage.

Und zu allem Übel kämpft man mit stumpfen Waffen gegen Schnee und Eis. Denn Streugut ist absolute Mangelware, und das gilt nicht nur wie bereits berichtet für Salz, sondern mittlerweile auch für Granulat. „Wir konzentrieren uns beim Streuen jetzt auf starke Gefällstrecken und Kreuzungen”, sagt Lennartz und hofft auf Nachschub. 50 Tonnen Salz und noch einmal so viel Granulat stehen in Aussicht - klingt nach viel, ist aber nicht mehr als eine Prise, nämlich bei vollem Einsatz gerade einmal eine Tagesration.

„Wirklich schlimm ist, dass kein Ende in Sicht ist”, klagt Lennartz. Heute soll es zunächst stürmen und schneien, später tauen und regnen, doch nachts wieder frieren. Und wenn diese Mischung Glatteis produziert, „dann sehen wir ohne Salz richtig alt aus”, fürchtet Lennartz. Und Entwarnung ist auch nicht in Sicht. Denn Udo ter Horst von der Wetterwarte schaut nicht nur zurück, sondern auch nach vorne. Und da sieht er Prognosen, nach denen es wieder kälter werden soll. In der nächsten Woche, so zu Karneval hin.
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